Die Besten verlassen den Beruf

Mattes Olde nahm auf seinem Siegerentwurf Platz. Uwe Pein (von links), Obermeister der Tischlerinnung des Kreises Pinneberg und Ralf Schröder, Vorsitzender der Jury „die Gute Form“ gratulierten ihm und den beiden Zweitplatzierten Lars Eschke und Michael Fetzer.
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Mattes Olde nahm auf seinem Siegerentwurf Platz. Uwe Pein (von links), Obermeister der Tischlerinnung des Kreises Pinneberg und Ralf Schröder, Vorsitzender der Jury „die Gute Form“ gratulierten ihm und den beiden Zweitplatzierten Lars Eschke und Michael Fetzer.

Tischler-Lehre: Mattes Olde gewinnt „Die gute Form“ und will doch den Hof der Eltern übernehmen / Jan-Niklas Kaak besteht mit 1,0

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08. Juli 2019, 16:00 Uhr

Elmshorn | „Sollen wir uns da wirklich draufsetzen?“, fragt Uwe Pein, Obermeister der Tischlerinnung des Kreises Pinneberg. „Nur Mut. Das hält“, sagt Mattes Olde und nimmt selbst auf seinem Gesellenstück Platz. „Dieses Möbel fällt sofort ins Auge und lädt zur näheren Betrachtung und zum Sitzen ein. Es besticht durch seine gradlinige Struktur, die unterbrochen wird durch das außermittige Dekorelement“, hat die Jury des Wettbewerbs „Gute Form“ über Oldes Sitzmöbel geschrieben. Materialmix und Funktionalität überzeugten. Der 23-Jährige wurde bei der Freisprechungsfeier der Tischlerinnung ausgezeichnet und darf sich nun im Landeswettstreit präsentieren.

„Ich wusste, dass ich handwerklich begabt bin, aber dass ich gewinne, ist ein kleiner Traum. Ich habe es mir wirklich gewünscht“, sagt Olde, der bei der Mehling GmbH in Moorrege gelernt hat. Ideen holte er sich im Internet, schaute sich Möbel an und kombinierte die Anregungen neu.

Nach dem Abitur hatte er sich für die Lehre im Handwerk entschieden. „Mein Vater hat einen landwirtschaftlichen Betrieb und in den Ferien habe ich schon immer in der Werkstatt gestanden und mit Holz gearbeitet“, berichtet der Wettbewerbsgewinner. Die Berufswahl war für ihn klar. Damals. Denn im Tischlerhandwerk wird er nicht bleiben. Trotz der Auszeichnung für das Gesellenstück und die Note 1,2 bei der Abschlussprüfung. „Ich bin während meiner Ausbildung zu Hause ausgezogen und war trotzdem fast jedes Wochenende auf dem Hof. Ich habe gemerkt, wie sehr ich die Landwirtschaft vermisse“, erläutert Olde. Er will Landwirtschaft studieren, später den elterlichen Hof übernehmen: „Da ist es sicherlich nicht schlecht, diese Ausbildung zu haben.“

„Ein sehr gut in der Abschlussprüfung ist eine Seltenheit“, sagt Katrin Meier, Studiendirektorin der Berufsschule Elmshorn. Gleich drei der aktuell 20 Absolventen der Tischlerausbildung schlossen mit einer Eins vor dem Komma ab. Noch besser war Michel Fetzer mit der Endnote 1,1 und Platz zwei beim Wettbewerb „Gute Form“. Jan-Niklas Kaak kam auf die Gesamtnote 1,0. „Im Abschlusszeugnis stehen 15 Noten. Jan-Niklas hat in jeder ein Sehr gut. Das ist unglaublich“, betont Meier.

„Ich habe Abitur gemacht und dachte, dass ich studieren muss“, sagt Kaak. „Irgendwann nachts hat es Klick gemacht. Ich dachte mir: ,Mach’ doch, worauf du Lust hast, wovon du überzeugt bist.’ Das war die Tischlerausbildung.“ Schon in der Schule habe er den Werkunterricht gemocht. Gern mit Holz gearbeitet. „Wenn es Spaß macht, ist es wichtiger als das große Geld zu verdienen“, sagt Kaak, der seine Ausbildung in Bönningstedt absolvierte.

„Ich musste für die Schule nicht viel machen. Ich habe im Unterricht aufgepasst und dann hat es gut geklappt“, sagt Kaak. Ein einfaches Erfolgsrezept für die Note 1,0 des 24-Jährigen. Er will in seinem Ausbildungsbetrieb, der Tischlerei Andreas Jaensch bleiben. „Mindestens ein halbes Jahr“, erläutert Kaak. Dann will er in einen neuen Bereich hineinschnuppern: den Bootsausbau. „Ich kann mit das gut vorstellen. Ich würde gern irgendwann in den Norden ziehen, also noch nördlicher und noch näher ans Meer“, erläutert der Neu-Geselle. „Ich weiß nicht, ob es etwas für mich ist, aber wenn ich es nicht ausprobiere, finde ich es nicht raus“, so Kaak.

Für die nahe Zukunft hat er übrigens sehr konkrete Pläne: „Zwei Wochen Urlaub. Das war schon lange geplant.“ Und wohin geht’s? „Mallorca“, sagt Kaak und beruhigt sofort: „Aber nicht feiern und zum Ballermann, sondern zu den schönen Ecken. Leckeres Essen und die Sonne genießen.“

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