Die Beauftragte für Flüchtlinge

Schon in Köln  Referentin für Migration und Integration: Kristina Wottrich.
Schon in Köln Referentin für Migration und Integration: Kristina Wottrich.

Neu in Halstenbek: Kristina Wottrich kümmert sich auch um weitergehende kulturelle und soziale Integration in die Gesellschaft

shz.de von
22. August 2018, 16:00 Uhr

Seit gut einem Monat gibt es im Halstenbeker Rathaus ein neues Gesicht: Kristina Wottrich ist seit Juli Integrationsbeauftragte der Gemeinde. Die 30-Jährige kommt ursprünglich aus Worpswede, wohnt heute in Hamburg. Im Interview erklärt sie die Ziele und Hintergründe ihrer Arbeit.

Frage: Aus welchem Grund wurde die Stelle eines Integrationsbeauftragten in Halstenbek geschaffen?
Kristina Wottrich: 2015 sind die Zahlen der Asylantragsteller bundesweit gestiegen. Dementsprechend war das auch der Fall hier in Halstenbek. Damals zeigte sich eine große Hilfsbereitschaft. So entstand beispielsweise die ehrenamtliche Initiative „Willkommen in Halstenbek. Die Stelle der Integrationsbeauftragen wurde nicht neu geschaffen, sondern die schon seit 2015 bestehende Stelle der Ehrenamtskoordination wurde erweitert. Es geht jetzt nicht mehr ausschließlich um Unterbringungsfragen oder Erstversorgung, sondern eben auch um weitergehende kulturelle und soziale Integration in die Gesellschaft. Es wurde aber dann auch seitens vieler Politiker gesehen, dass ein höherer Bedarf besteht, das Thema Integration mittelfristig zu begleiten. Und da braucht es auch Köpfe, die sich darum kümmern.

Wie kam es denn dazu, dass Sie die Stelle besetzten, hatten Sie zuvor schon mit Flüchtlingen zu tun?
Ja, ich arbeite mit dem Thema Migration und Integration seit sieben Jahren. In Köln war ich Referentin für Migration und Integration. Dazu war ich dort auch zwei Jahre ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv, was mir jetzt auch hilft für meine Arbeit. Ich habe mich sowohl theoretisch als auch praktisch bereits mit dem Thema auseinandergesetzt.

Wie genau sehen Ihre Aufgaben aus?
Im Prinzip ist meine Stelle drei geteilt. Ich bin Koordinatorin des Ehrenamtes, das heißt ich bin die Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche, die Geflüchtete in Halstenbek betreuen. Ein zweites Feld ist, dass ich auch sozialpädagogisch tätig bin für die Geflüchteten selbst. Wenn es Herausforderungen oder Probleme gibt, dann können sie zu mir ins Büro kommen oder ich komme zu ihnen in die Unterkunft. Zudem bin ich aber auch für jegliche andere hilfsbedürftige Halstenbeker zuständig, vor allem für von Wohnungslosigkeit Betroffene. Das dritte Feld ist das der konzeptionellen Arbeit. Das heißt, dass ich ein Integrationskonzept fertig stelle. Dazu gehört auch die Vernetzung zum Beispiel mit der Jugendpflege. Ich möchte Synergieeffekte schaffen.

Gibt es Schwerpunkte, die Sie in ihrer Arbeit setzen möchten?

Mir ist es wichtig, dass alles bedarfsgerecht geplant wird. Deswegen gehe ich vorher mit den Ehrenamtlichen ins Gespräch und ermittle, wo der Bedarf gesehen wird. Vielleicht entsteht daraus dann ein informierender Workshop zum Thema Demokratieverständnis und unserem politischen System oder man muss doch noch mal vermehrt ran an das Thema der Gleichberechtigung. Mein Ziel ist es, dass die Projekte effektiv sind, obwohl man Effizienz schwer messen kann. Denn: Integration ist ein mehrjähriger Prozess.

Wo liegen die Schwierigkeiten in der Arbeit mit Geflüchteten?
Das Problem sind nicht die Geflüchteten. Man initiiert Projekte, kann aber gar nicht allen gerecht werden. Diese Menschen sind genauso unterschiedlich wie die Menschen hier. Die Heterogenität der Gruppe ist eine Herausforderung.


Was macht ihnen besonderen Spaß an Ihrer Arbeit?

Der Kontakt mit Menschen. Und dass ich eine Kombination habe aus konzeptionellem und praktischem Arbeiten.

Was erhoffen Sie sich langfristig für die Integration in Halstenbek?
Integration ist ein beidseitiger Prozess, deswegen hoffe ich, dass die Halstenbeker weiterhin so offen bleiben, wie es bisher zu beobachten ist. Die Gruppe von Ehrenamtlichen recht groß für die Größe der Gemeinde. Ich wünsche mir, dass die Geflüchteten noch mehr in der Mitte der Gesellschaft von der Gemeinde Halstenbek ankommen.

Wie kann man sich als Halstenbeker einbringen?
Trotz der weiterhin sehr aktiven bestehenden Gruppe von Ehrenamtlichen brauchen wir nach wie vor Ehrenamtliche, die Lust haben, sich zu engagieren. In welchem Umfang und auf welche Art, das ist jedem selbst überlassen. Aktuell sind wir auf der Suche nach Spenden von vor allem Damenfahrrädern.

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