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Mit Geld aus Europa : Die Alte Schule wird zum Dorftreff

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Aktivregion verteilt insgesamt 443.000 Euro an Projekte in Tornesch-Ahrenlohe und Moorrege.

Tornesch/Moorrege | Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) hat den Weg für zwei wichtige Dorfentwicklungsprojekte im Kreis Pinneberg freigemacht. Für die alte Schule in Tornesch-Ahrenlohe und die Grundschule Moorrege fließen insgesamt 443.000 Euro. Das Geld kommt aus Fördertöpfen der EU.

Um das Fördergeld zu verteilen, arbeitet die EU mit lokalen Aktionsgruppen zusammen. In Schleswig-Holstein heißen sie Aktivregionen. 22 Aktivregionen gibt es landesweit. Sie sind eingetragenen Vereine. In ihrem Zuständigkeitsgebiet leben zwischen 50.000 und 120.000 Menschen.
Aufgabe der Aktivregionen ist es, Kommunen und andere Träger von Förderprojekten zu beraten, die Anträge zu koordinieren und eine Vorauswahl zu treffen. Im Kreis Pinneberg gibt es zwei dieser Vereine. Zur Aktivregion Holsteiner Auenland mit Sitz in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) gehören die Ämter Rantzau und Hörnerkirchen sowie Barmstedt. Die übrigen Städte und Gemeinden gehören, mit einigen Ausnahmen, der Aktivregion Pinneberger Marsch und Geest mit Sitz in Moorrege an. Die Aktivregionen bilden eine repräsentative Gruppe von Vertretern aus Kommunen, Wirtschaft, Sozialem, Kultur, Bildung und Umwelt.

Die alte Schule am Hörnweg in Ahrenlohe wird für insgesamt 600.000 Euro saniert und umgebaut. Dafür gibt es 343.000 Euro aus dem Eler der EU. Eler ist der europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums. Für die Bewilligung von Projekten in Schleswig-Holstein ist das LLUR zuständig. Koordinierung und Beratung vor Ort übernimmt die Aktivregion Pinneberger Marsch und Geest.

„Ich sage herzlichen Dank für die Fördermittel. Den Rest der Bausumme wird die Stadt tragen. Das ist beschlossenen Sache“, sagte Torneschs Bürgermeister Roland Krügel (CDU) gestern während eines Ortstermins in Ahrenlohe. „Das Gebäude hat eine bewegte Geschichte. Es diente 200 Jahre lang als Schule, wurde in den Sechzigerjahren geschlossen und anschließend vom Roten Kreuz und der Feuerwehr genutzt“, sagte Inga Ries, Büroleiterin von Bürgermeister Krügel. Nun soll aus dem maroden Haus ein Dorftreff werden. „Etliche Vereine haben mit dem Ende von Krügers Gasthof ihr Stammlokal verloren. Die Schule kann in Zukunft etwa von der Dorfgemeinschaft, dem Waldkindergarten, den Geflügelzüchtern, den Ahrenloher Senioren und den Jagdhornbläsern genutzt werden“, sagte Ries.

Bis es soweit ist, gibt es einiges zu tun. Auf der Liste stehen unter anderem die Trockenlegung, die Sanierung des Mauerwerks, die Rekonstruktion der historischen Fenster, ein gedämmter Fußboden, eine neue Heizungsanlage, eine neue Elektroinstallation, ein barrierefreier Zugang, behindertengerechte Sanitäranlagen und ein neuer „Schulhof“. Die Bauarbeiten werden gefördert, weil die Schule als Kulturdenkmal eingestuft wurde. Eigentümerin ist die Stadt Tornesch.

Während die Planung in Ahrenlohe zügig voranschreiten und die Bauarbeiten Ende des Jahres abgeschlossen sein sollen, hakt es in Moorrege. Dort soll ein Betreuungsraum in der Grundschule erweitert werden. Zur Deckung der Baukosten von etwa 691  000 Euro fließen 100  000 Euro aus dem Eler-Topf. Ziel ist, die betreuungsklasse auf 115 Quadratmeter und die Betreuungsküche auf 133 Quadratmeter zu erweitern, was etwa einer Verdoppelung der Fläche für die Nachmittagsbetreuung entspricht. Ursprünglich hatten die Bauarbeiten bereits in diesem August abgeschlossen sein sollen. Nun wird es wohl bis August 2017 dauern. „Unerwartete bürokratische Hürden“, nannte Moorreges Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg (CDU) als Grund. „Schlechte Planung und unvollständige Unterlagen der Moorreger Bauverwaltung“, bemängelte Jürgen Manske, Vorsitzender der Aktivregion.

Dabei drängt die Zeit. „Von den 170 Kindern ist etwa die Hälfte in der Betreuung. In den ersten Klassen liegen die Quoten inzwischen sogar bei 70 Prozent. Tendenz steigend“, sagte die stellvertretende Schulleiterin Maike Kittel. Momentan würden die Kinder im Zwei-Schicht-System mit Essen versorgt. In Zukunft soll es nicht nur mehr Platz geben. Die erweiterte Küche soll auch trennbar sein.

 Aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) schüttet die EU von 2014 bis 2020 insgesamt etwa 96 Milliarden Euro aus. Nach Deutschland fließen etwa 8,2 Milliarden Euro, wovon etwa 420 Millionen Euro nach Schleswig-Holstein gehen.
Eler setzt für die Förderperiode bis 2020 neue Schwerpunkte. Das Geld soll stärker als zuvor für Bildung, Nahversorgung, Mobilität und Breitbandausbau sowie für Tierwohl und Umwelt ausgegeben werden. Der Fördertopf wird von den Nationalstaaten kofinanziert. In Deutschland gibt es zusätzliches Geld von Bund, Land und Kommunen. Schleswig-Holstein hat mit den 420 Millionen Euro und weiteren 200 Millionen Euro aus dem eigenen Haushalt das Landesprogramm ländlicher Raum (LPLR) geschaffen.
Der Eler ist eine von zwei Säule der gemeinsamen Agrarpolitik (Gap) in Europa. Eler steht für freiwillige Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen der Landwirtschaft, für die wirtschaftliche Entwicklung der ländlichen Gebiete sowie für regionale Strategien der Dorfentwicklung. Die zweite Säule der Gap beinhaltet die Marktregulierung und die Direktzahlungen, die das Basiseinkommen der Bauern sichern. Das Geld wird in der Regel nicht von der EU selbst verteilt. In Deutschland reichen es etwa die Länder und Organisationen wie die Aktivregionen weiter.
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erstellt am 14.Jun.2016 | 12:30 Uhr

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