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Pinneberger Tageblatt

21. August 2017 | 12:11 Uhr

S21 : Die AKN präsentiert ihre Pläne

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ingenieure informieren über den Ausbau der Bahnlinie zwischen Hamburg und Kaltenkirchen. Bewohner bangen um ihre Grundstücke.

Ellerau | Hamburg und Schleswig-Holstein haben sich darauf geeinigt, die Bahnverbindung zwischen Hamburg-Eidelstedt und Kaltenkirchen (Kreis Segeberg) auszubauen. Am Dienstagabend haben die beteiligten Behörden und Unternehmen in Ellerau ihre Pläne vorgestellt.

Linien: Bisher verbindet die Hamburger S21 Aumühle (Kreis Herzogtum Lauenburg) mit dem Hamburger Hauptbahnhof und Hamburg-Eidelstedt. Die Züge der AKN fahren auf der Linie A1 von Eidelstedt über Kaltenkirchen nach Neumünster. Die S21 soll in Zukunft bis Kaltenkirchen fahren. Die AKN bedient dann noch den Abschnitt von Kaltenkirchen nach Neumünster. Im Kreis Pinneberg sind davon die Haltestellen Bönningstedt, Hasloh, Quickborn Süd und Quickborn betroffen. Von dort können Fahrgäste in Zukunft ohne Umstieg in Eidelstedt bis in die Hamburger Innenstadt fahren.

Fahrzeiten: Nach dem Ausbau sollen sich die Reisezeiten verkürzen. Die Fahrt von Kaltenkirchen nach Eidelstedt dauert dann 39 Minuten. Derzeit sind es, je nach Verbindung, 39 oder 45 Minuten. Die Fahrt von Kaltenkirchen zum Hauptbahnhof dauert in Zukunft 55 Minuten. Derzeit sind es, je nach Verbindung 60 oder 57 Minuten. Von Kaltenkirchen bis Altona benötigen Passagiere in Zukunft, je nach Verbindung, 53 oder 54 Minuten. Derzeit sind es 50 oder 62 Minuten. An der Taktung soll sich nichts Wesentliches ändern: 10 Minuten während der Hauptverkehrszeit zwischen Hamburg und Quickborn, ansonsten 20 Minuten zwischen Hamburg und Kaltenkirchen sowie 60 Minuten zwischen Kaltenkirchen und Neumünster. Für den Nachtbetrieb an Wochenenden ist für die S21 jedoch ein Stundentakt angedacht.

Bauarbeiten: Die Bahntrasse zwischen Hamburg und Kaltenkirchen soll durchgehend zweigleisig sein. Außerhalb Hamburgs muss deswegen zwischen Quickborn und Ellerau-Tanneneck ein zusätzliches Gleis gebaut werden. Der Gleiskörper verbreitert sich damit von 6,60 auf 10,60 Meter.

Die AKN, zuständig für Bau und Planung, will die Strecke zudem elektrifizieren. Dieselwagen fahren dort in Zukunft nicht mehr. Die Maste für die Oberleitungen werden etwa 7,50 Meter hoch sein. In der Regel ist je ein Mast pro Gleis geplant, stellenweise trägt ein Mast dann auch den Ausleger für beide Oberleitungen. Nach Ansicht der Planer sind Oberleitungen sicherer und billiger als die wenige Zentimeter hohen Stromschienen.

Bahnsteige müssen länger werden

Weil die neuen Züge der S-Bahn länger sind als die alten AKN-Wagen, müssen die Bahnsteige verlängert und erhöht werden. Die AKN lassen zudem eine Brücke über die Gronau und einen Viehfrift, einen schmalen Durchgang unter der Trasse, neu bauen. In Ellerau muss der Fußgängertunnel an der Bahnstraße samt Rampe umgestaltet werden.

Bahnübergänge: Nach dem Umbau der Bahnübergänge werden sich die Schließzeiten verändern. Auf dem Feldbehnsweg in Quickborn müssen Autofahrer in Zukunft, je nach Fahrtrichtung des Zuges, 99 oder 126 Sekunden warten. Heute sind es 85 oder 77 Sekunden. Auf der Bahnstraße in Ellerau verkürzt sich die Wartezeit von heute 162 oder 154 Sekunden auf 141 oder 142 Sekunden.

Lärm: Untersuchungen von Gutachtern haben ergeben, dass sich die Lärmbelastung nach dem Ausbau nicht signifikant ändern wird. Allerdings liegt die Lärmbelastung bereits heute stellenweise über den Grenzwerten. Mit dem zweigleisigen Ausbau ergibt sich für Anlieger in Ellerau ein Anspruch auf Lärmschutz. Wie der gewährleistet wird – mit Lärmschutzwänden etwa oder der Sanierung von Fenstern, ist noch nicht geklärt. In Quickborn wird es keinen Anspruch auf Lärmschutz geben.

100 Millionen Euro Baukosten

Baukosten: Für den Ausbau der Strecke veranschlagen die Planer etwa 100 Millionen Euro. Schleswig-Holstein und Hamburg hoffen, dass der Bund 60 Prozent davon übernimmt. Den Rest teilen sich die beiden Länder anteilig für die Abschnitte auf ihrem Gebiet. Der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) hatte im Juli gesagt, dass die beiden Länder das Projekt notfalls auch ohne Bundesförderung durchziehen wollten.

Zeitplan: Pläne für Großprojekte wie Bahnstrecken werden von den Behörden in einem Planfeststellungsverfahren geprüft. Die Unterlagen dafür sollen bis Ende des Jahres eingereicht werden. Die Behörden machen die Pläne öffentlich. Dann haben Bürger, Verbände und Behörden die Möglichkeit, Kritik und rechtliche Bedenken vorzubringen. Diese werden geprüft und die Pläne, falls nötig, geändert. Der Planfeststellungsbeschluss könnte 2017 gefasst werden. Spätestens 2018 wollen die Beteiligten mit dem Bau beginnen. Die Strecke soll 2020 fertig sein.

Kritik: Pendler, die längs der Achse Hamburg Kaltenkirchen wohnen, fordern eine bessere Anbindung an die Hansestadt. Widerstand gegen das Projekt gibt es kaum. Allerdings sorgen sich vor allen Anlieger. Sie bangen um ihre Grundstücksflächen, die für den Ausbau benötigt werden. In Ellerau hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, weil Enteignungen befürchtet werden. Am Dienstag waren etwa 250 Bürger zur Infoveranstaltung ins Ellerauer Bürgerhaus gekommen.

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erstellt am 15.Okt.2015 | 16:00 Uhr

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