zur Navigation springen

Schulenhörn in Pinneberg : Die Abholzung schockiert Anwohner

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Zahlreiche Bäume müssen für das Baugebiet am Schulenhörn weichen. Bürger appellieren an das Bauamt und an die Politik, mit der Natur sensibler umzugehen.

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2016 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Dass „Joey“ einmal eine Weide gewesen ist, davon ist nicht mehr viel zu erkennen. Segmente des Baums liegen lieblos am Rand des Baugebiets Schulenhörn/Perleberger Straße aufgetürmt. „Die Kinder haben geweint, als der Baum gefällt wurde“, sagt Janine Fischer, die gleich neben dem abgeholzten Areal wohnt. Die Jungen und Mädchen aus der Nachbarschaft sind auf diese Weide geklettert und haben sogar  mit ihr gesprochen. Jetzt ist „Joey“ tot.

Vergangene Woche sind die Bagger angerollt und haben nicht nur die Weide, sondern in kürzester Zeit auch zig andere Bäume und Büsche abgeholzt. Die Tatsachen sind längst geschaffen worden, der Bebauungsplan 142 ist in trockenen Tüchern.

Die Mehrheit der Ratsversammlung hat ihn im Dezember 2012 abgenickt. Die knapp 8000 Quadratmeter große Fläche, auf der der VfL Pinneberg seinen Tennisplatz am Schulenhörn unterhielt, soll für Wohnbebauung genutzt werden. Lange Zeit haben die Anwohner gegen das Projekt und besonders die Erhaltung eines Walls gekämpft: „Auf die Einwendungen der Naturschutzverbände und der Anrainer wurde überhaupt nicht eingegangen. Naturschutz, Naherholung und Wohnumfeldgestaltung wurden schlichtweg ignoriert“, sagt Wilhelm Flade-Krabbe, der Biologie-Lehrer ist. Er spricht von einer „brutalstmöglichen Abholzung“, die einen 300 Meter langen Grünzug mit Hunderten von Gehölzen nicht nur dem Erdboden gleichgemacht, sondern diesen auch gleich mit entsorgt habe. Das Gespräch sei nicht gesucht worden.

„Nun hoffen wir, dass der Hügel erhalten bleibt“, sagt Anwohnerin Uta Ossmann. Dieser etwa 30 Jahre alte Wall trennt das alte Wohngebiet von dem Areal, auf dem der Bestand abgeholzt wurde. An die andere Seite grenzt das Schulzentrum Nord. Der Wall sei nicht nur als grüne Verbindungstrasse von Bedeutung, sondern auch ein wichtiger Naturerlebnisraum für Kinder im eng besiedelten und von der Westumgehungsstraße eingeschnürten Stadtteil, führt Flade-Krabbe aus.


Quelle: Hans-Joachim Kölln/ www.skybird-view.eu

 

Bereits 2012 hatten die Anwohner für diesen Wall gekämpft und Ostereier aus Pappe aufgehängt, auf denen beispielsweise zu lesen war: „Wir brauchen keine Häuser. Wir brauchen den Wall.“ Allerdings vergeblich: Letzte Woche wurde die Bepflanzung auf dem Knick gerodet.

„Ähnliche Abholz-Aktionen hat es in letzter Zeit nicht nur auf der Trasse der Westumgehung gegeben, sondern auch auf dem Gelände der ehemaligen Eggerstedt-Kaserne, an der Bahnlinie in Thesdorf oder am Marktplatz, wo plötzlich ein großer Teil der kapitalen Platanen verschwand“, zählt Flade-Krabbe auf.  

Das fällt auch anderen Bürgern immer stärker auf. Im Dezember hatte die Pinnebergerin Petra Führmann im Pinneberger Tageblatt kritisiert, dass im Quellental zu viel abgeholzt  wird.

Einst wurde auf dem Platz Tennis gespielt, nun sollen mindestens 24 Reihenhäuser auf der knapp 8000 Quadratmeter großen Fläche entstehen. Das hat die Ratsversammlung im Dezember 2012 beschlossen. Noch in diesem Jahr soll gebaut werden. Das Gerücht, dass auf der Fläche bis zum Baubeginn Container für Flüchtlinge aufgestellt werden sollen, dementierte Bürgermeisterin Urte Steinberg auf Anfrage dieser Zeitung.

Die Abholzaktion am Schulenhörn lässt sich zwar nicht mehr rückgängig machen, aber Flade-Krabbe, Fischer und Ossmann sind der Meinung, dass die Pinneberger Bürger nicht zulassen sollten, wie mit dem Grün in Pinneberg umgegangen wird. Bauamt und Politik müssten zu einem sensibleren Umgang mit Natur und Wohnumfeldgestaltung zurückfinden.

„Mit dem Bau der Westumgehung werden die Möglichkeiten zur Naherholung in Pinneberg drastisch verschlechtert, dies gilt hier besonders im Bereich Pinneberg Nord östlich der Westumgehung“, sagt Flade-Krabbe.

„Fünf Häuser weniger und man hätte den Knick erhalten können“, sagt Joachim Dreher, Fraktionschef der Grünen und Unabhängigen, die für eine Baumschutzsatzung für Pinneberg kämpfen. „Jeder Baum, der gefällt wird, ist einer zu viel.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen