Baustellen-Irrsinn in Pinneberg : Dickes Minus bei Edeka

Fachdienstleiter Roland Schultz mit dem aktuellen Bauplan und Blick auf die Großbaustelle.
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Fachdienstleiter Roland Schultz mit dem aktuellen Bauplan und Blick auf die Großbaustelle.

Bauarbeiten in der Friedrich-Ebert-Straße sollen in einem Monat abgeschlossen sein, aber bis dahin sind zwei Spuren voll gesperrt.

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08. Mai 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | „Gleich zwei Versorgungsmärkte mit Baustellen abzutrennen, das ist an Dämlichkeit nicht mehr zu überbieten“, wettert Edeka-Chef Jörg Meyer. Der 47-Jährige ist genervt. Denn seit Monaten werden seine beiden Pinneberger Frischemärkte – in der Friedrich-Ebert-Straße und in der Saarlandstraße – von Baustellen umzingelt.

„Wir haben einen Umsatzverlust von einer Million Euro netto“, sagt Meyer und ergänzt: „Das ist das schlimmste Jahr in unserer Firmengeschichte. Ich bin froh, dass wir das ohne Entlassungen schaffen.“ Das sei aber nur möglich,weil er noch weitere Märkte in Hamburg habe. „Die Läden in Pinneberg sind wirtschaftlich nicht zu betreiben“, schimpft der Inhaber weiter. „Hätten wir nur die beiden hier, wären wir längst pleite.“

In der Innenstadt sind die Bauarbeiten nun zwar auf der Zielgeraden. Doch bis Anfang Juni werden noch einmal jeweils zwei Spuren gesperrt. Der nächste Gau für Meyer. Wird danach endlich alles gut für Edeka? „Dann kommen erstmal die Sommerferien, über steigende Umsätze kann man ab Ende November  sprechen“, sagt er.

Am 18. Juni im vergangenen Jahr wurde der neue Markt in Pinnebergs City eröffnet.  Seit Herbst wird vor den Türen des Supermarkts gebaut.  „Man hätte sich absprechen müssen und beides in einem Schritt machen können“, sagt Meyer, der für den Markt  in der Friedrich-Ebert-Straße zehn Millionen Euro aufwendete. Sein vernichtendes Fazit: „In Pinneberg investiere ich sicher nicht mehr.“

Das dicke Ende kommt zum Schluss

Etwa 30.000 Autos fahren am Tag die Friedrich-Ebert-Straße in Pinneberg entlang. Es ist die höchstfrequentierte Straße der Kreisstadt. Seit Monaten quälen sich Autofahrer durch die Dauerbaustelle. Denn bereits seit Herbst 2014 wird gebaut. Die gute Nachricht: „Ende der ersten Juniwoche sollten die Bauarbeiten abgeschlossen sein“, verspricht Roland Schultz (55), Fachdienstleiter für Verkehr der Stadt Pinneberg. Dann ist die Straße wieder vierspurig befahrbar. Doch das dicke Ende kommt zum Schluss: Ab kommenden Montag, 11. Mai, sind in Höhe Volksbank und Edeka Meyer zwei Spuren vollgesperrt. Einen Monat lang.

„Der Straßenbelag wird weggefräst und neu asphaltiert“, sagt Schultz. Am Montag rollen um 5.30 Uhr die Fräsmaschinen an. „Wir fangen besonders früh in Höhe der Bismarckstraße an, damit der Verkehr dort nicht zu lange behindert wird“, erklärt Schultz. Dafür muss die südliche Zufahrt zur Bismarckstraße zeitweise gesperrt werden. „Gegen Mittag sollten wir dort fertig sein“, hofft Schultz. Außerdem müssten die Gasleitungen ausgetauscht werden. „Die sind mittlerweile wirklich marode“, so Schultz.

Laut Plan sollen die südlichen zwei Spuren am 21. Mai fertig gestellt sein. Direkt danach wird die nördliche Seite der Friedrich-Ebert-Straße gesperrt. Kunden, die dann zum Supermarkt Edeka Meyer möchten, müssen über mehrere Tage eine Umleitung über die Bismarckstraße nutzen. Mit dem Chef des Edeka-Markts stehe die Stadt in regem Kontakt. „Die Kommunikation klappt da gut“, ergänzt der 55-jährige Fachdienstleiter. Und auch Rathaussprecher Marc Trampe betont: „Wir versuchen, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.“

Schultz überblickt aus seiner Abteilung im vierten Stock des Rathauses die gesamte Baustelle. „Die Stadt entwickelt sich an dieser Stelle extrem“, sagt er. Nach den abgeschlossenen Bauarbeiten und dem Bau des Volksbank-Parkhauses gebe es dort etwa 450 Parkplätze. Das bedeutet auch: noch mehr Verkehr auf der Straße. Auch deswegen wurde eine Verkehrsinsel gebaut, die beide Fahrtrichtungen voneinander trennt. „Bei einem so hohen Verkehrsaufkommen wäre das in einer Kurve mit vier Spuren einfach zu gefährlich geworden“, begründet Schultz. „Deswegen entsteht nun eine Art langgezogener Kreisel. Dort sind dann auch Törns möglich“, ergänzt der Fachdienstleiter. Die Verkehrsinsel soll außerdem begrünt werden. „Das ist der letzte Schritt im Juni“, sagt Schultz. Insgesamt betragen die Kosten etwa 560.000 Euro. „Einen Teil davon übernimmt das Land mit städtebaulichen Fördermitteln“, so Schultz. Die genaue Summe stünde aber noch nicht fest. Zum Ende der Bauarbeiten, voraussichtlich am 7. Juni, heißt es dann auch für Anlieger wie Edeka Meyer Aufatmen.

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