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Pinneberger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 11:26 Uhr

Dialog zwischen den Kulturen

vom

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Pinneberg | "Scharia und Staat - mit diesem Thema bekommt man den Ratssitzungssaal anscheinend schnell voll", so kommentierte Bürgervorsteherin Natalina Boenigk den Besucherandrang im Pinneberger Rathaus. Die muslimische Gemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat hatte zum Vortrag "Scharia und Staat" mit anschließender Diskussion eingeladen.

Boenigk richtete zu Beginn das Wort an die Ahmadiyya-Gemeinde und die Gäste. Sie bedankte sich für das Engagement im Kreis Pinneberg, wie den traditionellen Neujahrsputz, und zeigte sich erfreut über die Möglichkeit "Wissen aus erster Hand" zu beziehen. "Das Wort Scharia erzeugt Ängste", so Boenigk. Aber Angst sei ein schlechter Ratgeber. Auch Ratsherr Manfred Stache (Grüne/Unabhängige) und Olaf Klampe (FDP) richteten Grußworte an die Anwesenden.

Daniel Ahmad, der Sprecher der Gemeinde für Pinneberg, erklärte in seinem Vortrag das Konzept "Scharia" ("Weg zur Tränke"). Es handle sich um ein gottgegebenes Normensystem, das den Gläubigen als Leitfaden diene. So schreibe die Scharia beispielsweise vor, nur mit der rechten Hand zu essen. Weltliche Strafen sehe die Scharia nur für Ehebruch, Verleumdung, Diebstahl und Mord vor. "Bevor jemand bestraft wird, müssen erst alle Resozialisierungsmaßnahmen ausgeschöpft worden sein", so Ahmad. Er betonte jedoch vor allem die Vereinbarkeit dieser religiösen Gesetze mit dem Leben in Deutschland. Zumindest nach der Vorstellung der Ahmadiyya, die sich als Reformgemeinschaft versteht, welche den wahren Islam wiederherstellen möchte.

Für die Mitglieder der Ahmadiyya gelte: Trennung von Kirche und Staat. Kein Zwang zu einem bestimmten Glauben. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Ahmad betonte außerdem: "Muslime sind nach dem Koran dazu verpflichtet, die Autoritäten eines Staates zu akzeptieren und das Gesetz niemals in die eigene Hand zu nehmen." Selbst in Pakistan, die Heimat der meisten Mitglieder, erhebe sich niemand aus der Ahmadiyya gegen die Regierung. "Dabei werden wir dort verfolgt und dürfen unseren Glauben nicht frei ausüben", betonte Ahmad. Umso mehr würden die Gemeindemitglieder die Freiheiten im deutschen Staat schätzen. "Auch Kritik am Islam ist ausdrücklich erlaubt, solange sie nicht beleidigend ist. Und bei Beleidigungen schützt uns der Staat." Todesurteile gegen Kritiker des Islams, wie sie die iranischen Ajatollahs gegen den Schriftsteller Salman Rushdie aussprachen, verurteilte Ahmad als unislamisch.

Bei der anschließenden Diskussion stand vor allem die Rolle der Frau im Mittelpunkt. Kopftücher und die Forderung nach getrenntem Schwimmunterricht für Jungen und Mädchen stießen nicht nur auf Gegenliebe bei den Pinneberger Bürgern. Sowohl anwesende Frauen aus der Gemeinde, als auch Imam Laeeq Ahmed Munir betonten allerdings die Wahlfreiheit der Frauen in diesen Angelegenheiten. Ahmed Munir: "Wenn ein Mädchen mit Jungen schwimmen will, wird es nicht bestraft. Die Eltern müssen den Dialog mit mit ihren Kindern suchen."

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