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Interkultureller Austausch : Dialog mit der islamischen Welt

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Jugendliche aus unterschiedlichen Nationen schauen gemeinsam in der Stephanskirche die Komödie „Taxi“.

Schenefeld | Farsi mit deutschen Untertiteln? Oder lieber die umgekehrte Variante? Beim von Diakon Daniel Kiwitt initiierten Film-Abend entschieden sich die iranischen wie deutschen Zuschauer für Ersteres. „Wir lernen mehr, wenn wir den Film auf Deutsch sehen“, erläuterte Samira E. (Name von der Redaktion geändert).

Kiwitt zeigte im Gemeindehaus die in Berlin mit einem goldenen Bären auszeichnete Komödie „Taxi“ des Regisseurs und Regimekritikers Jafar Panahi. Der Film ist ein starkes Symbol für die Meinungsfreiheit. Die Beteiligten schmuggelten ihn vor zwei Jahren auf unbekannten Wegen zur Berlinale. Panahis im Film mitspielende Nichte Hana Saeidi hatte den Preis 2015 unter Tränen für ihren, einem Arbeits- und Ausreiseverbot unterliegenden Onkel entgegengenommen.

„Ich habe kein Heimweh, wenn ich die Bilder sehe“, erläuterte Zuschauer Darius A. (Name von der Redaktion geändert)  im Gemeindehaus. Die im Film dokumentierten Szenen seien „typisch“ für das Leben in Teheran. „Die Menschen dort sind sehr religiös“, erläuterte der Iraner. Er hatte nach seinem Geologie-Studium in Deutschland vor über 30 Jahren geplant, nach Teheran zurückzukehren. Doch die Verhältnisse dort seien sich auszuhalten. „Auch wenn mir Sprache und Familie fehlt, bin ich zu Dreivierteln ein Deutscher“, sagte Darius A.. Er habe inzwischen mehr deutsche als iranische Freunde.


Mit dem Taxi durch Teheran


Regisseur Panahi setzte sich für seinen Film in ein reales, mit Kameras ausgestattetes Taxi und chauffierte Landsleute durch Teheran. Eine Menschenrechtsanwältin, ein Anhänger der Todesstrafe, zwei abergläubische alte Frauen und Panahis selbstbewusste kleine Nichte erzählen dem Taxifahrer von ihren Problemen. Der Regisseur inszeniert das Spiel mit den Wahrheiten dabei auf eine verschmitzte Art. Ob es sich bei den Personen um Schauspieler oder reale Personen handelt, bleibt ungeklärt.

Samira E. hatte im Gemeindehaus mit iranisch zubereiteten Reis-, Salat- und Hähnchenspeisen für einen tollen Rahmen gesorgt. „Ich liebe die Kirche und fühle mich hier sehr wohl“, sagte die Iranerin Sara M. Sie habe in Schenefeld viele Freunde gefunden. Auch die deutschen Zuschauern lobten das Event. „Ich finde es gut, dass Daniel Kiwitt solche Abende organisiert“, freuten sich Leslie Erdmann (18) und Elisabeth Mertens (15). Es eröffneten sich auf diese Art Möglichkeiten des Austausches, die so sonst nicht bestünden.

Daniel Kiwitt ist froh, dass es „nach der langen Zeit der Baustellen“ mit der Flüchtlingsarbeit voran geht. Es ließen sich zahlreiche Iraner und Iraker taufen. „Sie sind engagiert und fragen mich, wie und wo sie helfen können“, berichtete der Diakon. Sandra Wulff lobte zudem die Josua-Gemeinde, die sich auf dem Gebiet der Flüchtlingsarbeit ebenfalls einsetzt. Diakon Kiwitt plant diverse weitere Projekte. Dazu gehören ein Briefwechsel mit Menschen aus Indien, eine Norwegen-Reise für Gemeindemitglieder und Bandvorhaben. Für die Reise nach Furutangen auf der Insel Randøy, ab dem 6. August für zehn Tage gibt es noch freie Plätze. „Bei dieser Reise gibt es Möglichkeiten der Bezuschussung“, betonte der Diakon. Wer Schwierigkeiten hat, die Reise zu finanzieren, kann sich vertrauensvoll an Kiwitt wenden.

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