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Integrationskursus in Pinneberg : Deutsche Sprache im Praxistest

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Teilnehmer berichten im Pinneberger Geschwister-Scholl-Haus über ihre Praktika eine Prüfung findet dann im April statt.

shz.de von
erstellt am 04.Mär.2015 | 17:00 Uhr

Pinneberg | Dass Zaman mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß steht, wäre eine glatte Lüge. Souverän und ohne Blickkontakt zu seinem Stichwortzettel steht er auf der Bühne, das Publikum vor Augen. Die Sätze sprudeln aus seinem Mund, fast immer sind sie grammatikalisch korrekt.

Der 21-Jährige gehört zu einer Gruppe von etwa 50 jungen Männern und Frauen mit Migrationshintergrund, die derzeit beim Pinneberger Diakonieverein Migration einen von insgesamt drei Integrationskursen absolvieren – inklusive Pflichtpraktikum bei einem Unternehmen oder einer öffentlichen Institutionen. Elf sollten über ihre dortigen Erfahrungen am Montag öffentlich berichten, Schauplatz war die Aula des Geschwister-Scholl-Hauses an der Bahnhofstraße.

Zaman führte sein Praktikum in eine Wedeler Anwaltskanzlei. „Ich war dort für alles Mögliche zuständig. Einscannen, Kopieren, Fälle im Computer speichern“, erzählt er. Die Tätigkeit sei eine wertvolle Erfahrung gewesen. Studieren wolle er später aber doch lieber Zahnmedizin. „Als Zahnarzt kann ich auf der ganzen Welt arbeiten“, so der Afghane, der aus Kundus stammt und in seinem Heimatland einige Jahre lang als Übersetzer für Englisch und Dari, eine Varietät des Persischen, bei der Bundeswehr arbeitete. Deutsch sei „sehr schwierig“ zu erlernen, sagt Zaman – doch das darf getrost als Understatement verbucht werden. Denn der 21-Jährige spricht außerdem noch Urdu und Paschtunisch, er ist ein Sprachtalent.

Schon eine Ausbildung in seinem Heimatland hat hingegen Ali absolviert. Der Iraner, bereits 25 Jahre alt, lernte Buchhalter als Beruf und richtete auch sein Praktikum darauf aus. „Ich habe beim Kirchenkreis Pinneberg gearbeitet und dort Rechnungen sortiert. Buchhalter ist mein Traumjob.“

Alle Teilnehmer mussten ihre Praktika auch optisch aufbereiten: Zaman präsentiert seine Tafel. (Foto: Werner)
Alle Teilnehmer mussten ihre Praktika auch optisch aufbereiten: Zaman präsentiert seine Tafel. (Foto: Werner)
 

Um an ihren Praktikumsplatz zu gelangen, mussten die Jugendlichen selbst aktiv werden und fleißig Bewerbungen schreiben. „Das ist auch Teil des Integrationskursus“, sagt Karen Fischer vom Diakonieverein Migration. Alles sei aber nicht möglich gewesen. „Einer unserer Jugendlichen wollte zur Polizei. Doch das hätte einen Vorlauf von einem Jahr benötigt. Er hat sein Praktikum dann in einer Betreuungsklasse in der Hans-Claussen-Schule gemacht“, so Fischer.

Auf die elf Teilnehmer, die ihr Praktikum schon hinter sich haben, wartet im April nun die Prüfung – beim Bestehen winkt das Sprachzertifikat B1, eine Art Eintrittskarte in die Arbeitswelt. Wie wichtig die Teilnahme an dem Kursus, bei der darüber hinaus Kenntnisse in Sachen Landeskunde und Geschichte vermittelt werden, sei, verdeutlicht Deutschlehrerin Dorit Brix: „Die meisten „haben nicht nur bei ihren Sprachkenntnissen einen Riesensprung nach vorn gemacht“, sagt sie, „sondern auch in Sachen Selbstbewusstsein“.

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