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Pinneberger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 04:48 Uhr

Pinneberg : Deutsch und die Probe aufs Exempel

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Teilnehmer aus Integrationskursen berichten über ihre Sprachpraktika in Pinneberger Betrieben. Prüfung findet im April statt.

von
erstellt am 24.Feb.2016 | 14:00 Uhr

Pinneberg | Auf Kriegsfuß mit der deutschen Sprache steht Mahmoud Ibraheem nicht. Ohne zu spürende Nervosität steht der junge Mann auf der Bühne. Die kurzen Sätze kommen stakkatoartig und ohne grammatikalische Kapriolen. Der Blickkontakt zum Publikum ist eng, auf seinen Stichwortzettel verzichtet er weitestgehend.

Als einer von 19 Teilnehmern eines Integrationskursus beim Diakonieverein Migration hat der Syrer in den vergangenen zwei Wochen ein so genanntes Sprachpraktikum bei einem Pinneberger Unternehmen absolviert. Für die jungen Frauen und Männer war die Teilnahme obligatorisch, gestern berichteten sie in den Räumen des Vereins in der Bahnhofstraße von ihren Erfahrungen.

Ibraheem hatte sich im Vorfeld für ein Praktikum in einem Restaurant in der Landdrostei entschieden. Täglich von 10 bis 17 Uhr arbeitete er dort in der Küche. „Wir waren sieben Leute. Ich habe Gemüse gewaschen, geschnitten und meinem Chef bei vielen Tätigkeiten geholfen“, schilderte der junge Mann, dem die deutschen Essgewohnheiten inzwischen vertraut sind. „Wenn ich an Deutschland denke, dann denke ich an Kartoffeln.“ Eine Ausbildung zum Koch könne er sich, wie er betonte, gut vorstellen.

Eine solche im Bereich Altenpflege würde auch Amir Fattahyan gern absolvieren. Der 23-jährige Iraner half bei der Versorgung der Bewohner eines Altenheims in Pinneberg-Thesdorf mit, bei der Essensausgabe ebenso wie bei der Körperpflege. Das tat er so gut, dass er ein Angebot für eine Ausbildung als Altenpfleger erhielt. Problem: Fattahyan, der seit drei Jahren in Deutschland lebt, besitzt bislang keine Arbeitsgenehmigung. „Dabei herrscht gerade bei diesem Beruf großer Personalmangel“, sagt Karen Fischer vom Diakonieverein Migration, die die Leitung der Sprach- und Integrationskurse innehat.

Von diesen gibt es derzeit in Pinneberg sechs, zwei davon richten sich explizit an Flüchtlinge. Gepaukt wird ein Jahr lang täglich fünf Stunden Deutsch – so gut wie keiner der aktuell etwa 90 Teilnehmer zwischen 18 und 30 Jahren kommt mit Vorkenntnissen an. Am Ende steht eine Doppelprüfung – bestehend jeweils aus einem Sprach- und einem Landeskundeteil – sowie die Sprachpraktika, die ebenfalls für alle Teilnehmer obligatorisch sind. „In welchem Bereich sie arbeiten wollen, schlagen sie selbst vor. Wir versuchen dann, die Vorschläge mit der Liste der Unternehmen in Einklang zu bringen, die derartige Praktika anbieten“, so Fischer. Mitunter führe dieser Weg direkt zum Ausbildungsplatz. Laut Dozentin Hilde von Schwartzenberg hätten von den aktuellen Praktikanten drei ein derartiges Angebot erhalten.

Es gibt auch Schattenseiten

Was positiv klingt, habe allerdings auch eine Schattenseite. „Wer eine Arbeitserlaubnis besitzt, kommt wegen des Arbeitskräftemangels oft so schnell in eine Anstellung, dass die Teilnahme an den Sprachkursen darunter leidet. Man muss unseren Schülern Zeit geben, die Kurse zu besuchen“, sagt Karen Fischer.

Angesichts weiter zunehmender Flüchtlingszahlen mache ihr zudem der Personalmangel bei den Lehrkräften Sorgen. „Man müsste das Niveau der Kurse am Anfang etwas absenken, damit auch Menschen unterrichten dürfen, die derzeit keine Zulassung besitzen“, so Fischer. Das könne die Überlastung lindern. Sie selbst kenne Personen, die sofort loslegen würden und die „fachlich absolut geeignet“ wären, um die deutsche Sprache adäquat zu vermitteln.

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