Designeruhren aus Elektroschrott

Die Schüler aus dem Physikkurs der 11. Klasse bauen Uhren aus alten Festplatten. Ihr Unternehmen heißt Reclock.
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Die Schüler aus dem Physikkurs der 11. Klasse bauen Uhren aus alten Festplatten. Ihr Unternehmen heißt Reclock.

Schüler gründen Firma / Junior-Programm unterstützt unternehmerische Verantwortung zu übernehmen

shz.de von
15. Dezember 2018, 16:00 Uhr

Was machen
13 Jungs und zwei Mädchen – fast alle aus dem Physikprofil der Pinneberger Johannes-Brahms-Schule – in ihrer Freizeit? Sie gründen eine Schülerfirma und bauen ausrangierte Festplatten zu Designeruhren um.

„Die meisten haben Ahnung von Technik und viele von uns basteln gerne“, erläutern die 16-jährigen Thiemo Rickenstorf und Louisa Schirmer während eines Besuchs in ihrer Werkstatt. „Wir wussten, dass wir was mit Nachhaltigkeit und Umwelt machen wollten“, ergänzt die Schülerin. Viel Elektroschrott, wie beispielsweise gebrauchte Festplatten, landeten üblicherweise in Afrika. Dagegen will die Schülerfirma ein Zeichen setzen. Pablo Margono, einer der Schüler, hatte die zündende Idee. „Die runde Form bot sich an für Uhren“, sagen die Schüler. „Und ich habe mich eh mit Festplatten beschäftigt “, ergänzt Margono.

Das Unternehmen der Jugendlichen sei wie jedes andere aufgebaut. Es gibt einen Vorstand, Marketing- und Finanzabteilung. Unterstützt werden sie vom sogenannten Junior Programm, das die Schüler dabei berät, was man beim Aufbau eines Start-Ups alles bedenken muss. Zusätzlich zu den Schulungen stellt Junior Anteilsscheine zu je zehn Euro zur Verfügung und sorgt dafür, dass die Jugendlichen im rechtlichen Rahmen bleiben und keine Schulden machen. Alles andere organisieren sie selbst.

Für die Herstellung konnten sie die Gemeinschaftswerkstatt des Geschwister-Scholl-Hauses gewinnen. „Eigentlich beteiligen sich alle von uns an der Produktion“, sagt Rickenstorf, „auch wenn sie in ihren Abteilungen viel zu tun haben.“

Die Festplatten bekommen sie gespendet oder günstig im Internet. „Das einzige, was wir neben dem Uhrwerk dazu kaufen, sind das Plexiglas und die Schrauben“, erklärt Niklas Hartwig. Jede Uhr ist ein Unikat und in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Der Preis von 24,95 Euro beinhalte das Material, die Gravur, Arbeitsstunden, Steuern, Marketing, Verpackung und Werkzeug. Kaufen kann man sie wieder ab Montag auf dem Pinneberger Weihnachtsmarkt. Fünf Euro Rabatt gibt es, wenn man eine alte Festplatte mitbringt. Pro Arbeitsstunde zahlen sich die Schüler 50 Eurocent aus. Für diese Arbeitszeit bekommen sie später ein Zertifikat von Junior. Ausschlaggebend für ihr Schaffen seien aber vor allem der hohe Ansporn und die Lernerfahrung: „Unsere Motivation ist – vor allem verglichen mit anderen Schülerfirmen – riesig. Wir arbeiten wirklich gut im Team“, lobt Schirmer.

„Die Woche vor dem Weihnachtsmarkt war stressig“, gibt Leo Voß zu. Dass die Schulaufgaben kurzzeitig darunter leiden, sei nicht auszuschließen. Louise ist sicher: „Man lernt dafür ganz andere Sachen als in der Schule. Man bekommt mehr Selbstvertrauen.“ Auch die handwerklichen Fähigkeiten werden ausgebildet: „Vielleicht hatte jemand noch nie zuvor eine Säge in der Hand“, gibt Rickenstorf zu bedenken. „Außerdem übernehmen wir soziale Verantwortung und lernen zu Vertrauen“, ergänzt er. Hartwig bekommt als Abteilungsleiter Einsicht ins Finanz,- und Steuersystem, Rickenstorf beschäftigt sich als Marketingbeauftragter mit Websites, Schirmer und Voß als Vorstandsvorsitzende mit Teammotivation. „Es ist definitiv gut investierte Zeit“, sind sich alle einig.

Für das kommende Jahr wünschen sie sich noch Werbepartner und, wenn der Weihnachtsmarkt vorbei ist, neue Verkaufsräume. „Wir wollen zukünftig auch personalisierte Gravuren anbieten“, sagt Margono. „Vielleicht entwickeln wir auch ein neues Produkt“, schwärmt Schirmer. Außerdem stehe im Sommer der Junior-Landeswettbewerb an. Daran wollen sie natürlich teilnehmen.


>www.reclock.com.de

>www.junior-programme.de

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