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Asylbewerber in Rellingen : Designer Khaled AlHarris und Sohn Youssef hoffen auf ein Leben in Deutschland

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Den Tod ständig vor Augen: In der Heimat von Youssef AlHarris und seinem Vater Khaled ist das krasse Realität.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2015 | 16:00 Uhr

Rellingen | Gasangriffe, Bombenexplosionen, Hubschrauberattacken. In der Heimat von Youssef AlHarris (20) und seinem Vater Khaled ist das krasse Realität. Die syrischen Flüchtlinge mussten auf ihrer Flucht eine kranke Schwester, Mutter und zwei jüngere Brüder in ihrer Heimat zurücklassen. Vater und Sohn telefonieren täglich mit der Familie in Damaskus. Bei Khaled AlHarris, ein schlanker Mann mit Brille und sensiblem Gesichtsausdruck, kommt es häufig vor, dass der Hobby-Koch in seiner Rellinger Unterkunft keinen Bissen herunterbekommt, weil er an seine hungernde Familie denken muss.

Vater AlHarris arbeitete in Syrien als selbstständiger Innendesigner. Er zeigt Handy-Bilder von noblen Küchen und kunstvoll kreierten Außenelementen. Er ist auch schon in Rellinger Flüchtlingsunterkünften aktiv geworden, hat Außenfassaden mit Designelementen verziert. Eine Wand in Ziegeloptik entwarf er für eine deutsche Familie. „Es war ein Dankeschön, weil sie so herzlich zu uns waren“, berichtet der auf Beschäftigung hoffende Designer.

Rellingens Ehrenamtslotsin Kerstin Riedel untermauert die Aussage: „Viele Flüchtlinge wollen arbeiten, aber ihre Ressourcen liegen brach. Häufig wird das Einzelschicksal, was hinter dem jeweiligen Fall steht, nicht angeschaut.“

Sohn Youssef hat dunkle Augen, dichtes schwarzes Haar, intelligente Gesichtszüge. Obwohl in Syrien Krieg ist, hat er sein Abitur bereits in der Tasche und einige Monate eine Marine-Ausbildung in Ägypten absolviert. Es liegt wohl an seiner Jugend, dass es ihm immer mal wieder gelingt, Krieg und Familie zu vergessen. „Wenn ich zu sehr an unsere Situation denke, werde ich wahnsinnig“, bringt es der Junge auf den Punkt. „Ich liebe Fußball und habe auch schon eine Tischtennisausrüstung bekommen“, freut sich der 20-Jährige. Er bedauert es, bislang keine deutschen Jugendlichen kennengelernt zu haben. „Ich würde hier so gerne studieren und später eine Familie gründen“, sagt der junge Mann, der ohne den Stempel „Flüchtling“ sicherlich nicht mehr lange Single bleiben würde.

Khaled und Youssef haben eine wahre Flucht-Odyssee hinter sich. Neun Monate mussten sie in Bulgarien verbringen, um dort unter elenden Bedingungen zu leben. Da für Vater und Sohn das Dublin-Verfahren gilt, sieht es derzeit so aus, als ob sie wieder nach Bulgarien müssen. „Wenn ich nach Bulgarien zurück muss, gehe ich besser nach Syrien“, sagt Youssef mit hoffnungsloser Stimme. Dort wird er vom Militär eingezogen nach dem Prinzip: „Töten oder getötet werden“. „Da ich keine Menschen töten kann, werde ich selber getötet“, sagt Youssef verzweifelt. Er selber möchte seine Träume nicht begraben, hofft auf eine Zukunft in Deutschland.

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