Kein Schutz für Thesdorf : Der Zuglärm bleibt ein großes Ärgernis

Kurios: Dort, wo die weißen Häuser stehen, wird der Schallschutz unterbrochen. Das kritisieren die Anwohner.
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Kurios: Dort, wo die weißen Häuser stehen, wird der Schallschutz unterbrochen. Das kritisieren die Anwohner.

Schallschutz-Posse in Thesdorf: Betroffene am Düpenau Eck ziehen für mehr Lärmschutz nicht vor Gericht. Jetzt wollen Politiker helfen.

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16. Juli 2015, 12:15 Uhr

Thesdorf | Ein Blick vom Thesdorfer Bahnsteig aus verdeutlicht die Crux. Für jedermann ist gut sichtbar: Die von der Bahn neu aufgestellte Lärmschutzwand verläuft nicht durchgängig. Es gibt eine Lücke. Genau dort, wo sich die weißen Reihenhäuser befinden, wurden keine Lärmschutzwände aufgestellt. 19 Haushalte sind betroffen. Ungeschützt liegen die kleinen Gärten, die zu den Immobilien gehören, in unmittelbarer Nähe zu dem Schienennetz. Gefahr droht durch Gegenstände und Metallteile, die im Gleisbett liegen und von den Zügen aufgewirbelt werden. Sogar ein Nagel habe sich in einen Schuppen gebohrt, nachdem ein Zug vorbeigerast sei, beklagen die Anwohner.

Im Februar gingen die Betroffenen erstmals an die Öffentlichkeit mit ihrer Forderung, die Bahn möchte nachbessern. Weil das Unternehmen sich jedoch querstellte und sich hinter Paragrafen versteckte, drohten die Thesdorfer vor Gericht zu ziehen.

Doch jetzt steht fest: „Wir werden nicht klagen. Es sind zu viele Anwohner, die bei einer Klage nicht dabei wären“, sagt Kadir Tokus, einer der Anwohner. Leider sei das so. „Wir sind von der Stadt enttäuscht. Uns wurde Hilfe von der Bürgermeisterin versprochen. Diese haben wir bis heute nicht erhalten. Echt traurig, dass Menschenleben in Pinneberg nichts wert sind“, sagt er. Auch von der Bahn seien sie im Stich gelassen worden. „Keine Reaktion, kein Entgegenkommen, kein Gespräch.“ Diese hatte mitgeteilt, dass nur die Wohngebäude, die vor dem 1. April 1974 genehmigt wurden, einen Anspruch auf Lärmsanierung haben. Tokus’ bitteres Fazit: „Wir als Anwohner haben mit dieser Sache abgeschlossen. Ein Wohnen in Pinneberg hatten wir uns anders vorgestellt.“

 

Die Verwaltung sieht das anders: „Wir sind an die Bahn schriftlich herangetreten und haben dafür geworben, die Lärmschutzwand durchgängig zu bauen. Wir haben eine negative Rückmeldung erhalten“, sagte gestern Marc Trampe, Sprecher der Stadt. Auch mit dem Bauträger liefen Gespräche.

Der Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann (SPD) und der Landtagsabgeordnete Kai Vogel (SPD) versuchen ebenfalls, noch etwas zu machen. „Zumindest, dass alle Beteiligten sich mal an einen Tisch setzen. Ob das noch was wird, wissen wir leider nicht“, sagt Tokus.

Vogel könnte sich auch vorstellen, dass die Stadt eventuell Thujabäume oder etwas Ähnliches pflanzt, was zumindest einen Schutz vor den herumfliegenden Teilen bieten würde. „Wenn diese Bäume dann stehen, müssten sie allerdings von den Anwohnern gepflegt werden“, führt er aus. Jetzt müssen die Anwohner erst einmal mit dem Lärm leben – etwa 280 Züge fahren täglich an den Häusern vorbei. Oder sie lassen selbst eine Wand bauen. „Wir sollen nun von der Stadt lediglich eine Baugenehmigung für die Wand bekommen. Vom Bauträger bekommen wir 20  000 Euro. Alles andere müssen wir selber finanzieren“, sagt Tokus. Das wären laut Schätzung 360.000 Euro.

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