Mehr Fälle, mehr Themenfelder : Der Wendepunkt zieht eine Bilanz

Blicken neuen Aufgaben entgegen: Ingrid Kohlschmitt (Leiterin des Wendepunkts), Dennis Blauert (Mitte, Leiter des Feachbereichs Prävention und Fortbildung) und Dirk Jacobsen (Leiter Traumaintervention) präsentierten gestern den Tätigkeitsbericht des Verein.
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Blicken neuen Aufgaben entgegen: Ingrid Kohlschmitt (Leiterin des Wendepunkts), Dennis Blauert (Mitte, Leiter des Feachbereichs Prävention und Fortbildung) und Dirk Jacobsen (Leiter Traumaintervention) präsentierten gestern den Tätigkeitsbericht des Verein.

Der Wendepunkt bearbeitet 870 Hilfeanfragen und damit 30 Prozent mehr als noch im Jahr 2015.

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28. März 2017, 14:00 Uhr

Elmshorn | Beratungsgespräche, Kunsttherapie, Hilfen in der Erziehung, Unterstützung nach Gewaltvorfällen an Schulen und Therapieangebote für traumatisierte Kinder und Jugendliche: Das sind nur einige der Bereiche, in denen der Elmshorner Verein Wendepunkt aktiv ist. Ein Angebot, dass immer mehr Menschen nutzen, wie Wendepunkt-Leiterin Ingrid Kohlschmitt gestern bei der Präsentation des Tätigkeitsberichts deutlich machte: 2015 gab es 656 Hilfeanfragen, im vergangenen Jahr waren es 870.

Der in Elmshorn ansässige Wendepunkt kümmert sich in unterschiedlichen Bereichen nicht nur um Gewaltprävention und Fortbildungen. Ein weiterer großer Bereich der Arbeit ist die Unterstützung traumatisierter Menschen aus dem Kreis Pinneberg.

288 Menschen – vor allem Kinder und Jugendliche – wurden im vergangenen Jahr vom Wendepunkt unterstützt. 141 sogenannte Fallanfrage gab es nach Fällen von sexuellem Missbrauch, 147 in der Trauma-Ambulanz wegen anderer potenziell traumatisierender Erfahrungen. Das Spektrum ist dabei sehr breit, wie Kohlschmitt erklärt: „Manchmal ist es ein Hundebiss, der zu einer Traumatisierung führt. Manchmal kommen hier Kinder her, die Kriegs- und Fluchterfahrung hinter sich haben.“ Knapp 30 Prozent der betreuten Trauma-Fälle im vergangenen Jahr waren Flüchtlinge. Dirk Jacobsen, Leiter Traumaintervention, betont, dass viele von ihnen zwar schon 2015 nach Deutschland gekommen waren. „Aber vielfach hatten sie in den ersten Monaten andere Sachen zu tun: Den ganzen Papierkram.“ 2016 sich dann die Kriegs- und Fluchttraumata bemerkbar gemacht – und viele Flüchtlinge aus dem Kreis Pinneberg suchten Hilfe beim Wendepunkt.

Den Rückblick nutze das Team vom Wendepunkt auch für einen Ausblick. Zum einen freute sich Kohlschmitt, dass der Pinneberger Kreistag für das aktuelle und das kommende Jahr mit jeweils 12.500 Euro die Arbeit des Wendepunkts unterstützt. Der Verein ist überwiegend auf Spenden angewiesen. Außerdem erhielten die Elmshorner im vergangenen Jahr den Zuschlag, sich als eine von drei Organisationen in Schleswig-Holstein in Kitas traumapädagogische Projekte umzusetzen. Landesweit steht dafür jährlich eine Million Euro bereit. Für den Wendepunkt eine neue Mammut-Aufgabe: 550 Kitas liegen im Einzugsbereich des Wendepunkts, der in diesem Fall von Pinneberg über Neumünster bis in den Kreis Stormarn reicht. Fortbildungen und Supervisionen für die Mitarbeiter und fallbezogene Gespräche mit und über Kinder gehören dazu. Die Botschaft: Der Wendepunkt wächst.

Der Verein Wendepunkt in Elmshorn wurde 1991 gegründet und engagiert sich – so die Eigenbeschreibung – „für Respekt und Gewaltfreiheit in Erziehung, Partnerschaft und Sexualität im Kreis Pinneberg“. Hierzu bietet der Wendepunkt nicht nur Beratungen, Fortbildungen und schulische Projekte an. Zum Wendepunkt gehört auch die Trauma-Ambulanz Westholstein, bei der sich Betroffene direkt melden können: Montag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr und Freitag 8 bis 12 Uhr beim Wendepunkt in der Gärtnerstraße 10 in Elmshorn. Der Verein ist auch unter Telefon (04121)475730 zu erreichen. Außerhalb der Geschäftszeiten empfiehlt der Wendepunkt, sich in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in der Agnes-Karll-Allee 17 in Elmshorn zu melden. Sie ist unter Telefon 04121-798762 zu erreichen.
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