Kreis Pinneberg : Der Weg aus Hartz IV bleibt schwer

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Langzeitarbeitslose profitieren kaum von Frühjahrsbelebung. Zahl der Menschen ohne Job in der Region sinkt um 160.

shz.de von
01. Mai 2015, 16:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Vor allem Gartenbauunternehmen, Baufirmen und der Handel stellen nach Angaben der Arbeitsagentur Elmshorn im Frühjahr verstärkt neues Personal ein. Der Arbeitsmarkt im Kreis Pinneberg hat sich deswegen saisonbedingt gut entwickelt. Das gilt jedoch hauptsächlich für Menschen, die weniger als ein Jahr lang ohne Job waren. Langzeitarbeitslose haben es weiter schwer. Am Donnerstag präsentierte die Arbeitsagentur ihre Zahlen für April.

Die Arbeitslosenquote sank demnach von 5,4 Prozent im März auf 5,3 Prozent. Im April 2014 waren es noch 5,5 Prozent. In absoluten Zahlen heißt das: 8740 Menschen im Kreis Pinneberg sind ohne Arbeit. Im März waren es 8900 Menschen, im April 2014 noch 9111. Weil vor allem Unternehmen einstellen, in denen körperliche Arbeit erledigt werden muss, kommt die Entwicklung im Gegensatz zu vergangenen Monaten vor allem Männern zugute. „Männer profitierten in diesem Monat stärker als Frauen, Facharbeiter mehr als Akademiker“, sagte Thomas Kenntemich, Leiter der Agentur für Arbeit.

Kenntemich sagte auch: „Die Arbeitslosigkeit ging vor allem unter den Arbeitslosengeld-I-Beziehern zurück.“ Arbeitslosengeld I (ALG I) ist die Leistung der Arbeitslosenversicherung, die in der Regel während des ersten Jahres ohne Job gezahlt wird. Danach gibt es ALG II, auch Hartz IV genannt. Während die Zahl der Arbeitslosen unter den ALG-I-Beziehern von 3403 im März auf 3175 im April sank, nahm sie unter den ALG-II-Empfängern von 5497 auf 5565 zu. Langzeitarbeitslose bekommen die Frühjahrsbelebung kaum zu spüren. Im Langzeittrend, also im Vergleich zum April 2014, nahm die Arbeitslosenquote unter den ALG-I-Empfängern um 0,2 Prozentpunkte und die der ALG-II-Empfänger um 0,1 Prozentpunkte ab.

Kenntemich fordert Arbeitgeber auf, Langzeitarbeitslosen bessere Chancen zu geben, etwa mit Praktika: „Ich wünsche mir noch mehr Unternehmen, die im Hinblick auf den künftigen Fachkräftebedarf auch diese Talente entdecken und fördern.“ Zu den insgesamt 8740 Menschen, die offiziell als arbeitslos gelten, sind weitere 2317 zu zählen, die Ein-Euro-Jobs machen oder Qualifizierungskurse belegen, die krankgeschrieben sind, als Existenzgründer gefördert werden oder im Vorruhestand sind. Sie zusammen machen immerhin ein Viertel aller Menschen „in Unterbeschäftigung“ aus. Ihre Zahl ist in den vergangenen zwölf Monaten um 312 gesunken. Das heißt jedoch: Wenn die Zahl der offiziell Arbeitslosen um 371, die Zahl der Unterbeschäftigten – Arbeitslose plus Menschen in Qualifizierung, Existenzgründer, Vorruhestand und Krankgeschriebene – nur um 312 gesunken ist, müssen mehr Menschen aus der offiziellen Arbeitslosigkeit in die Unterbeschäftigung geraten sein. Das bestätigt Gerold Melson, Pressesprecher der Arbeitsagentur Elmshorn: „Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung hat zugenommen. Ein großer Teil von ihnen ist in Qualifizierungsmaßnahmen.“

Auf dem Ausbildungsmarkt geht es für viele nun in die entscheidende Phase. Kenntemich appelliert an Bewerber, auch Alternativen zum Traumjob zu prüfen. 910 Bewerber waren im April noch auf der Suche. 789 Stellen waren noch nicht besetzt oder das Auswahlverfahren war noch nicht abgeschlossen.

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