Ein Crash und viele offene Fragen : Der Vorwurf - Betrug auf dem Werkstattgelände

War es ein unglücklicher Unfall? Oder ging es um gezielten Versicherungsbetrug?

shz.de von
30. März 2017, 10:00 Uhr

Elmshorn/Uetersen | Eine Autowerkstatt zwischen Tornesch und Uetersen – abseits der Hauptstraße: Auf dem Gelände sind vor knapp drei Jahren zwei Autos zusammengestoßen. Ein BMW X5 und ein angemieteter Ford Transit. Über viel mehr herrschte gestern am Amtsgericht Elmshorn bei der Einschätzung des Vorfalls aus dem Januar 2014 aber nicht Einigkeit. Denn die entscheidende Frage, wie es zu dem Zusammenprall kam, wurde nicht geklärt: War es ein unglücklicher Unfall? Oder ging es um gezielten Versicherungsbetrug?

Angeklagt waren drei Männer: Ein 65-Jähriger aus Hamburg, ein 55-jähriger Tornscher und ein 44-jähriger Ellerhooper. Nach Angaben eines Polizisten, der als Zeuge geladen war, ging Anfang 2014 bei den Beamten ein Anruf ein. Der Hinweisgeber habe „berichtet, was dort in der Werkstatt alles abgeht“, sagte der Polizist gestern. Daraufhin sei einer der drei Angeklagten – der 44-Jährige – vernommen worden. Eine Vernehmung, die letztlich zu dem gestrigen Gerichtstermin führte. Dort schilderte der 44-Jährige die Geschichte wie folgt: „Es ging darum, Geld zu kassieren.“ Er habe im Auftrag des Torneschers bei einer Autovermietung einen Lieferwagen gemietet. Auf dem Hof der Werkstatt traf sich einige Tage später eine Gruppe – unter anderem das nun angeklagte Trio. Ursprünglich hätte nun er den Transit in den BMW fahren sollen. Aber der 55-Jährige habe sich den Schlüssel genommen und sei „mit Schmackes“ in den BMW gekracht. Der Unfall wurde bei der Vollkasko-Versicherung des Mietwagenunternehmens geltend gemacht. Das Geld sei dann bei den beiden Mitangeklagten gelandet, da diesen der Wagen gehörte.

Die Mitangeklagten äußerten sich nur über ihre Anwälte. Übereinstimmend gaben sie zu Protokoll: „Von Absprachen kann gar nicht die Rede sei.“ Es habe einen Unfall gegeben. Aber dieser sei ganz normal abgewickelt worden. Beim Prozess wurden gestern unter anderem die Protokolle der Polizei kritisiert. Außerdem machte der 44-Jährige unterschiedliche Angaben bei unterschiedlichen Vernehmungen. „Wir werden es nicht aufklären können“, zog die Staatsanwaltschaft Bilanz. Das Urteil der Richterin: Freispruch.

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