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Reinhard Töpler im Interview : Der Vorsitzender des Pinneberger Seniorenbeirats hat ein Ziel: Rentner wieder das Leben spüren lassen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Reinhard Töpler, Vorsitzender des Pinneberger Seniorenbeirats, fordert mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2016 | 12:15 Uhr

Pinneberg | Reinhard Töpler ist seit Kurzem Vorsitzender des Pinneberger Seniorenbeirats. Er spricht über seine politischen Ziele. Außerdem erklärt er, warum das Ausscheiden aus dem Berufsleben flexibler gestaltet werden müsste.

Wieso engagieren Sie sich im Seniorenbeirat?
Reinhard Töpler: Ich habe mich schon früher in vielfältiger Weise engagiert und war unter anderem für den VfL Pinneberg aktiv. Außerdem gehörte ich für die CDU dem Stadtrat an und war stellvertretender Bürgervorsteher. Als ich las, dass die Stadt Kandidaten für den Seniorenbeirat sucht, dachte ich mir: „Das ist genau mein Ding.“ Schließlich wusste ich bereits, wie es im Rathaus und in der Politik zugeht und kenne viele der Beteiligten. Deswegen habe ich eine hervorragende Ausgangsposition, etwas zu bewegen. Dazu kommt: Der Mensch muss seine Fähigkeiten pflegen, damit sie nicht verkümmern. Ich kann nicht einfach nur zu Hause herumsitzen.

Wie lief der Start?
Ich hätte nicht gedacht, dass es sich so positiv anlässt. Ich stoße auf eine Resonanz, die ich während meiner politischen Tätigkeit nie hatte. Damals hatte ich als stellvertretender Bürgervorsteher vornehmlich repräsentative Aufgaben. Im Stadtrat war ich mit der CDU in der Opposition und konnte nur wenig bewegen. Als Vorsitzender des Seniorenbeirats habe ich in den politischen Gremien zwar kein Stimmrecht, werde aber mehr als früher gehört und kann deshalb wesentlich mehr bewirken.

Wie sieht Ihre Arbeit aus?
Letztendlich geht es darum, die Interessen der Senioren zu vertreten und zum Beispiel darauf zu achten, dass barrierefrei gebaut wird. Jeder Beirat muss sich sein Feld suchen, auf dem er wirklich praktische Arbeit für die Alten leisten kann. Es geht nicht darum, Sprechblasen zu produzieren, sondern wirklich etwas zu schaffen. In Pinneberg sind immerhin 12  000 Menschen älter als 60. Vor vier Jahren waren es noch 11.000.

Was wollen Sie erreichen?
Ich will dazu beitragen, dass Menschen auch im Alter eingebunden werden und Teil der Gesellschaft sind. Sie sollen spüren, dass sie leben und nicht einfach irgendwo auf den Tod warten.

Reinhard Töpler (79) hat das Amt des Vorsitzenden des Pinneberger Seniorenbeirats Ende 2015 übernommen. Der gelernte Augenoptiker und Vater zweier erwachsener Töchter war auch schon kommunalpolitisch aktiv. Für die CDU gehörte er 13 Jahre dem Stadtrat an und war während dieser Zeit unter anderem stellvertretender Bürgervorsteher.

Mit welchen Belastungen haben die Senioren zu kämpfen?
Wenn man ehrlich ist, sind die meisten Senioren keinen besonderen Belastungen unterworfen. Das war in den 50-ern, 60-ern und 70-ern noch anders. Was sich heute an Not auftürmt, ist häufig selbst verschuldet. Eigentlich ist ja in Deutschland alles so geregelt, dass jeder versorgt wird. Von einer direkten Not kann man nicht mehr sprechen. Es geht inzwischen vor allem darum, das Leben angenehmer zu gestalten. So ist es zum Beispiel wichtig, Menschen vor der Vereinsamung zu bewahren. Die Geselligkeit von früher ist einfach nicht mehr gegeben. Die Gesellschaft hat sich verändert und dem muss auch der Seniorenbeirat Rechnung tragen.

Wie soll das gelingen?
Wir müssen uns einfach den Veränderungen anpassen. Mir liegt zum Beispiel die Erwachsenenbildung sehr am Herzen. Ich finde es schade, dass sich viele dafür nur wenig interessieren. Dabei hilft Bildung, die Welt besser zu verstehen.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung?
Uns stehen alle sehr offen gegenüber. So hat das Rathaus beispielsweise zugesagt, uns rechtzeitig über die Planung von Straßensanierungen und Neubauten zu informieren, damit wir auf die altersgerechte Gestaltung Einfluss nehmen können. Wenn wir Aktionen starten, werden wir ebenfalls unterstützt. So stünde uns für Veranstaltungen bei Bedarf sogar der Ratssaal zur Verfügung. Wir können uns also nicht beklagen. Allerdings hakt es häufig zwischen Politik und Verwaltung.

Wo liegt das Problem?
Ich würde mir eine engere Verzahnung von Politik und Verwaltung wünschen. Die Strukturen müssen einfach verbessert werden. Es kann nicht sein, dass man jetzt erst dabei ist, das Jahr 2009 zu buchen. Auch wir Alten sind sehr daran interessiert, dass es in der Zukunft vernünftige Rahmenbedingungen gibt. Ich halte es für wichtig, nicht den Blick für das Ganze zu verlieren. Wir wollen nicht nur nehmen, sondern ebenso etwas zurückgeben. Es wäre böse, nur das eigene Wohl im Blick zu haben und einen Trümmerhaufen zu hinterlassen. Dass Pinneberg abgerutscht ist, ist größtenteils eigenes Verschulden. Es stand zu häufig der politische Wille und nicht das Wohl der Stadt im Vordergrund. Beides ist nicht zwingend deckungsgleich.

Wie kann der Beirat Einfluss nehmen?
Wir können nur Überzeugungsarbeit leisten. Zum Glück sind Parteien und Rathaus bereit, uns zuzuhören. Wenn wir vernünftige Vorschläge machen, ist die Chance groß, dass darauf eingegangen wird.

Ist Pinneberg auf den demographischen Wandel vorbereitet?
Ich denke nicht, dass man sich darauf vorbereiten kann. Der Wandel vollzieht sich schleichend in Jahrzehnten. Die Anpassung hat schon längst begonnen. Früher gab es in Pinneberg nur ein einziges kleines Altersheim. Heute sind es dagegen vier große. Die müssen sich aber nicht nur auf wachsenden Zuspruch, sondern auch auf neue Anforderungen einstellen. So werden die Senioren in Zukunft beispielsweise vielmehr Wert auf ein schnelles Internet legen. Es sollte zudem niemand vergessen, dass die ältere Generation längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist. Ich würde mir außerdem wünschen, dass das Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess flexibler gehandhabt wird. Es ist ein Unding, voll funktionstüchtige Menschen in den Ruhestand zu zwingen. Was ist das für ein Gefühl, wenn einem mitgeteilt wird, dass man nur im Weg ist und Jüngeren den Job wegnimmt? Dieses Denken ist nicht in Ordnung. Die Älteren können sehr wohl noch etwas Produktives für die Gesellschaft tun und mit dazu beitragen, dass neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

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