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„Seit Jahren kein Geld von der Stadt“ : Der Vorsitzende des Bürgervereins Waldenau-Datum spricht im Interview über Veranstaltungen und Solidargemeinschaften

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Interview: Jürgen Hilbers, Vorsitzender des Bürgervereins Waldenau-Datum, über große Veranstaltungen und Solidargemeinschaften

Pinneberg | Jürgen Hilbers ist Vorsitzender des Bürgervereins Waldenau-Datum. Im Interview erklärt er unter anderem, was der Bürgerverein alles leistet.

Welche Bedeutung hat der Bürgerverein für Waldenau?
Jürgen Hilbers: Der Verein hat 1934 als Bürgerinitiative begonnen. Dass eine solche Initiative eine so lange Lebensdauer hat, ist eher selten. Ursprüngliches Ziel war die Schaffung einer Solidargemeinschaft. Die neuen Siedler, die größtenteils aus Hamburg kamen, sollten sich gegenseitig unterstützen. Einen gewaltigen Schub hat der Bürgerverein Ende der 1960er durch die Errichtung eines Gemeinschaftshauses bekommen, weil dadurch die Kommunikation zentralisiert wurde.

Inwiefern hat sich der Bürgerverein gewandelt?
Für die erste Generation der Neubürger war die Mitgliedschaft sozusagen Pflicht. In der zweiten Generation war es ähnlich. Heute sieht es dagegen anders aus. Wir sind ja kein Sportverein, der eine Dienstleistung erbringt, sondern eine Solidargemeinschaft, die etwa 20 Veranstaltungen pro Jahr organisiert. Wir müssen die Neubürger von unserer Arbeit überzeugen und sie aktiv ansprechen, damit sie über eine Mitgliedschaft zumindest nachdenken. Wer einmal zu uns kommt und von der Solidargemeinschaft überzeugt ist, bleibt meistens bis zum Lebensende dabei. 50- oder 60-jährige Mitgliedschaften sind bei uns nichts Ungewöhnliches.

Was macht der Bürgerverein?
Es gibt zwei verschiedene Bereiche. Einerseits helfen wir den Bürgern aus Waldenau dabei, ihre Interessen gegenüber der Stadt Pinneberg wahrzunehmen. Dafür nutzen wir unsere Kontakte und unser Wissen. Bebauungsplan-Diskussionen, Straßenausbaubeiträge – die Themen sind vielfältig. Um aufzuklären, richten wir beispielsweise Infoveranstaltungen aus. Wir führen die Bürger zusammen, tauschen Argumente aus und hören, was die Mehrheit wünscht. So sorgen wir für eine lebendige Basisdemokratie. Der zweite Bereich sind unsere zahlreichen Veranstaltungen.

Was sind die größten Veranstaltungen?
Beim Osterfeuer waren vor kurzem mehr als 600 Menschen dabei. Kinderfasching, Halloween, die Oldie-Feten, das Mittsommerfest für die gesamte Familie - auch die anderen Veranstaltungen sind Publikumsmagneten. Besonders beliebt ist das Erntedankfest, das Besucher weit über den Kreis Pinneberg hinaus anzieht. Die Organisation des Festes ist mit einem riesigen Aufwand verbunden. Die Planungen gehen im Mai richtig los.

Wie sieht Ihre Arbeit als Vorsitzender aus?
Vertretung nach außen, organisatorische Angelegenheiten – meine Arbeit sieht vermutlich nicht anders aus als die der meisten Vereinsvorsitzenden. Ich bin aber kein Einzelkämpfer. Das Engagement des gesamten Vorstands ist beeindruckend. Dafür bin ich enorm dankbar und hoffe, dass bei der Jahreshauptversammlung am 27. April alle an Bord bleiben.

Welche Probleme hat der Bürgerverein?
Es ist schwer, jemanden dafür zu gewinnen, sich ehrenamtlich zu engagieren oder gar Verantwortung zu übernehmen. Ich hoffe, dass es uns in Zukunft gelingt, alle Vorstandsposten zu besetzen, damit der Bürgerverein weiter existiert. Es wird zudem immer schwieriger, Neubürger von einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Wenn man ihnen erklärt, dass wir zum Beispiel das Erntedankfest organisieren, sind sie meistens überrascht. Sie gehen davon aus, dass sich darum die Stadt kümmert. Grundsätzlich ist es so, dass gerne alles mitgenommen wird, viele allerdings selbst nichts tun wollen. Der Solidaritätsgedanke spielt nicht mehr die große Rolle. Eine Gemeinschaft bildet sich aber nur, wenn sich alle gemeinschaftlich beteiligen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Bürgervereins?
Einen Fortbestand auf dem jetzigen Niveau. Eine Steigerung ist wohl kaum möglich. Dazu müssten sich schon viele neue Gesichter einbringen. Derzeit haben wir etwa 230 Mitglieder. Ich würde mir zudem wünschen, dass sich auch Jüngere im Vorstand engagieren. Das ist dringend notwendig, damit der Bürgerverein eine Zukunft hat.

Was macht den Reiz des Ortsteils Waldenau aus?
Die Lage ist traumhaft. Einerseits wohnt man direkt am Klövensteen, andererseits ist man ganz schnell in Hamburg. Der Wohnwert ist also sehr hoch. Dazu kommt, dass in Waldenau Nachbarschaft gelebt wird. Daran haben der Sportverein, die Kirche und auch wir einen großen Anteil.

Werden die Interessen Waldenaus in Pinneberg ausreichend berücksichtigt?
Wir liegen nun einmal am Rande Pinnebergs. Deshalb ist es notwendig, Kontakte zu haben, um sich Gehör zu verschaffen. Ich denke, das gelingt uns ganz gut, weil wir die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung kennen. Man hat uns also durchaus auf der Rechnung. Wenn nicht, werde ich mich schon melden. Schade finde ich aus Sicht des Bürgervereins, dass wir schon seit Jahrzehnten auf Zuschüsse der Stadt verzichten müssen.

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