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„Die Innenstadt stellt sich neu auf“ : Der Vorsitzende der Wirtschaftsgemeinschaft in Pinneberg im Interview

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hermann Kunstmann sieht Pinnebergs City auf einem guten Weg.

shz.de von
erstellt am 07.Jan.2016 | 00:32 Uhr

Pinneberg | Hermann Kunstmann ist Vorsitzender der Wirtschaftsgemeinschaft Pinneberg. Im Gespräch erklärt er unter anderem, was den besonderen Charme der Pinneberger Innenstadt ausmacht und wie die Attraktivität noch erhöht werden kann.

Frage: Ein Dauerthema in Pinneberg ist die Entwicklung der Innenstadt. Wie beurteilen Sie die Perspektiven?
Hermann Kunstmann: Die Innenstadt stellt sich derzeit neu auf und macht sich fit für die Zukunft. Ich halte das, was passiert, für einen Schritt nach vorn. Während der Bauphase stehen wir zwar alle vor großen Herausforderungen. Es ist nicht einfach, wenn Bau-Lkw die Einfahrt zuparken und Kunden nicht an den Laden kommen. Solche Einschränkungen nehmen wir aber gern in Kauf, weil wir wissen, dass es in Zukunft deutlich positiver werden wird.

Was fehlt der Pinneberger City? Was kann die Stadt tun, um die Attraktivität zu erhöhen?
Die Stadt tut momentan alles, um die Attraktivität der City zu erhöhen. Das war in früheren Jahren nicht immer der Fall. So wurde beispielsweise ein großer Teil der öffentlichen Flächen in der Fußgängerzone saniert. Letzter Abschnitt wird hoffentlich die untere Dingstätte. Auch die geplante Verlegung des Sonnabend-Markts in die Innenstadt wäre ein Gewinn. So können sich Markt und Geschäfte gegenseitig befruchten. Beide dürften sich über eine höhere Kundenfrequenz freuen. Ein Markt gehört einfach ins Zentrum.

Welche Bedeutung hat der Neubau der Volksbank Pinneberg-Elmshorn für die Innenstadt?
Die privaten Baumaßnahmen nutzen der gesamten Innenstadt. Volksbank Pinneberg-Elmshorn, ehemaliges Kreishausgelände – es passiert derzeit einiges in Pinneberg. Der Neubau der Volksbank Pinneberg-Elmshorn lockt neue Einzelhändler und Dienstleister an und erhöht dadurch die Attraktivität der Stadt. Für uns persönlich als Firma Kunstmann ist auch das Parkhaus von großer Bedeutung. Es ist überhaupt für alle Geschäfte ein Gewinn, wenn der Kunde direkt in der Innenstadt parken kann. Niemand hat Lust, eine halbe Stunde nach einem Stellplatz zu suchen und dann schlimmstenfalls noch weit zu laufen. In einer mittelständischen Stadt wie Pinneberg wollen die Kunden möglichst nah ans Geschäft heranfahren. Positiv ist zudem, dass auf dem ehemaligen Kreishaus-Areal Wohnungen entstehen. Die Menschen, die dort einziehen, beleben ebenso wie die Mitarbeiter der Volksbank Pinneberg-Elmshorn die Innenstadt. Wir füllen die Lücke, die durch die Abwanderung der Kreisverwaltung entstanden ist.

Wie funktioniert aus Sicht der Wirtschaftsgemeinschaft die Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung?
Wir arbeiten mit Politik und Verwaltung ausgesprochen gut zusammen. Das läuft sehr häufig über den kurzen Dienstweg. Unternehmen, Politik und Verwaltung stehen in regelmäßigem Kontakt und suchen den Dialog. Das wollen wir in Zukunft fortsetzen und nach Möglichkeit sogar intensivieren. Der Vorstand der Wirtschaftsgemeinschaft hat sich für das kommende Jahr vorgenommen, noch mehr Gespräche zu führen. Es ist für alle Beteiligten wichtig, dass man weiß, wie der andere tickt und was er für Pläne hat. So konnte es beispielsweise gelingen, das Stadtmarketing gemeinsam auf den Weg zu bringen. Dieser Schulterschluss zeigt, dass alle zusammen in der Lage sind, etwas auf die Beine zu stellen.

Ist die Stadt in den Bereichen Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing gut aufgestellt?
Aus meiner Sicht auf jeden Fall. Mit Wirtschaftsförderer Stefan Krappa arbeiten wir schon lange eng zusammen. Man muss ganz klar sagen, dass er häufig unbürokratisch hilft und es zum Beispiel ermöglicht, Netzwerke zu knüpfen. Wenn jemand etwas braucht, kann er sich sicher sein, dass er bei der Wirtschaftsförderung ein offenes Ohr findet. Das Stadtmarketing ist ebenfalls ein großer Gewinn für die Stadt. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass es viel früher gekommen wäre.

City-Manager Dirk Matthiessen ist seit 2012 im Amt. Hat er die Innenstadt nach vorn gebracht? Was erwarten Sie in Zukunft von ihm?
Dirk Matthiessen macht einen guten Job und arbeitet mit uns Hand in Hand. Wir konnten aber nicht erwarten, dass mit seiner Ankunft sofort die Leerstände verschwinden und die Kundenfrequenz steigt. Er ist schließlich kein Zauberer, bringt aber Ideen ein, knüpft Kontakte und arbeitet hart, um etwas zu bewegen. Er muss mit Grundeigentümern wegen der Leerstände sprechen, sich mit den Einzelhändlern über verkaufsoffene Sonntage und andere Aktionen austauschen und auch noch sicherstellen, dass die Finanzierung gewährleistet ist. Ich finde es schade, dass zu einem großen Teil nur die inhabergeführten Geschäfte und das Stadtmarketing Gelder für Aktionen, wie zum Beispiel die verkaufsoffenen Sonntage zur Verfügung stellen, sich deutschlandweit operierende Unternehmen dagegen nicht beteiligen, von den Aktionen aber profitieren. Das ist ein Ungleichgewicht, das auch ein City-Manager nicht beheben kann. Da kämpft er gegen Windmühlen. Aber wie ich ihn kenne, nimmt er diesen Kampf auf.

Hermann Kunstmann (47) vom Modehaus Kunstmann ist seit März Vorsitzender der Wirtschaftsgemeinschaft Pinneberg. Der verheiratete Vater zweier Kinder war davor schon mehr als 15 Jahre lang Mitglied des Vorstands.

Welche Bedeutung haben Veranstaltungen wie SummerJazz und das Weinfest für Pinneberg?
Solche Festivitäten braucht die Stadt. Die Veranstaltungen verbessern das Image Pinnebergs und erhöhen die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Sie begeistern nicht nur die Pinneberger, sondern locken viele Besucher aus den umliegenden Städten und Gemeinden an.
Warum ist es der Wirtschaftsgemeinschaft wichtig, Aktionen wie die Weihnachtsbeleuchtung in der City oder Wake up Pi zu unterstützen?
Die Wirtschaftsgemeinschaft hat einen Vereinszweck. Der Zweck ist, den Wirtschaftsstandort Pinneberg zu fördern. Die Weihnachtsbeleuchtung liegt uns am Herzen, weil sie gerade in der Adventszeit das Erscheinungsbild der City prägt und dazu beiträgt, den Standort nach vorn zu bringen. Wake up Pi wird von unseren Mitgliedern gefördert. Das ist keine Entscheidung des Vorstands gewesen. Wir machen es immer so, dass bei unserem Weinfestempfang für etwas Bestimmtes gespendet wird, möglichst mit Bezug zu Pinneberg. Ein weiteres unserer Projekte ist, mit dem Verein „Freifunk“ WLAN in die Innenstadt zu bringen. Wir haben es kurzfristig geschafft, den Drosteivorplatz mit freiem WLAN zu versorgen. Eine unserer Stärken ist, dass bei solchen Aktionen jeder mit anpackt.

Was sind aus Ihrer Sicht die Stärken des Wirtschaftsstandorts Pinneberg?
Die direkte Anbindung an die Autobahn und den Flughafen sind ein Pfund, mit dem Pinneberg wuchern kann. Die Stadt profitiert zudem wie das gesamte Umland davon, dass der Wirtschaftsstandort Hamburg wächst. Ich schätze an Pinneberg auch, dass hier ganz viele mittelständische Unternehmen auf überregionale Firmen mit Dependancen in der Stadt treffen. Zur Innenstadt gehören weiterhin viele inhabergeführte Geschäfte. Das gibt der City ein Gesicht. In vielen Einkaufszentren sind die Läden ja häufig austauschbar.

Wo liegen die Schwächen?
Das Hauptproblem in Pinneberg ist, dass zu wenige Gewerbeflächen zur Verfügung stehen. Ich hoffe, dass die Stadt viele Flächen entwickeln kann, damit die Stadt von der riesigen Nachfrage nach Gewerbeansiedlungen in der Metropolregion profitiert. Die daraus resultierenden Steuereinnahmen kann sie gut gebrauchen.

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