70 Jahre : Der Theaterverein Pinneberger Bühnen feiert runden Geburtstag

„Wir spielen Theater“: Peter Heinitz, zweiter Vorsitzender, und Hartmut Tank, Archivar, zeigen die Chroniken der Pinneberger Bühnen – auch die erste samt dem Plakat, mit dem alles anfing.
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„Wir spielen Theater“: Peter Heinitz, zweiter Vorsitzender, und Hartmut Tank, Archivar, zeigen die Chroniken der Pinneberger Bühnen – auch die erste samt dem Plakat, mit dem alles anfing.

Der zweitälteste Theaterverein Pinnebergs hat sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet.

shz.de von
02. Februar 2018, 12:30 Uhr

Pinneberg | 1948, nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs – Pinneberg steht unter englischer Besatzung, es fehlt an vielen Dingen des alltäglichen Lebens. Am 29. Januar kommen auf Aufruf des Pinnebergers Willi Weißhuhn 35 Bürger im Bahnhofshotel – dort wo heute der neue Busbahnhof gebaut wird – zusammen. Sie wollen einen Theaterverein gründen. Sie haben keine Requisiten, keine Kostüme. Aber sie haben eine Genehmigung der Militärregierung und eine Aufführungsstätte: Der Inhaber des Bahnhofshotels hat für die Nutzung seines Saales das Okay gegeben. Und so entsteht an diesem Tag die Volksbühne Pinneberg, später Volksspielbühne. Dieser Theaterverein, der zweitälteste in Pinneberg, feiert morgen groß sein 70-jähriges Bestehen als Pinneberger Bühnen. 

„Weißhuhn nannte das damals Volksbühne, weil er keine klassischen Stücke spielen wollte, sondern volkstümliche“, sagt Hartmut Tank, Ehrenvorsitzender und Archivar der Pinneberger Bühnen. „Man wollte die Menschen zum Lachen bringen.“ In Tanks Besitz befindet sich die gesamte Chronik des Vereins – angefangen beim ersten Buch von 1948, noch von Hand in gotischer Schrift geschrieben und voller Plakate, Fotos, Besetzungszettel und Zeitungsberichte. Inzwischen sind es mehr als 20 Archivbände.

Erfolg mit dem ersten Stück

Nach der Gründung ging es Schlag auf Schlag. „Das erste Stück der Volksspielbühne kam im Mai und war ein durchschlagender Erfolg. Danach war klar: Wir machen weiter“, sagt Tank. „So ein Mädel“ hieß es und wurde angekündigt als ein „effektsprühendes Lustspiel“. Das zweite Stück folgte gleich im Oktober: das plattdeutsche „Snieder Nöhring“ – eine Sprache, die die Pinneberger Bühnen noch heute charakterisiert. „Für die ersten Aufführungen brachten die Spieler Glühbirnen von zuhause mit, denn es gab keine Beleuchtung“, sagt Tank. „Der rote Vorhang wurde aus gefärbten alten Kohlesäcken genäht.“ Und die fehlenden Stühle wurden aus der nahen Christuskirche geliehen: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion mussten sie für den Gottesdienst am nächsten Morgen wieder zurückgebracht werden.

Technik wird immer besser

Davon sind die Pinneberger Bühnen heute weit entfernt. In den 70 Jahren seit den ersten Aufführungen hat sich ein großer Fundus angesammelt, die verwendete Technik wird immer besser. „Es ist mittlerweile schwierig, geeignete Techniker zu finden“, erzählt Peter Heinitz, zweiter Vorsitzender. „Wir brauchen schon kleine Fachleute.“ Auch eine eigene Bühnenwerkstatt gehört zu den Pinneberger Bühnen. In einer ehemaligen Tischlerei in der Prisdorfer Straße wird gewerkelt: Wände, Treppen, Podeste – jedes Stück hat andere Anforderungen. Die Bühnenbauer transportieren alles zum Aufführungsort – aktuell das Geschwister-Scholl-Haus (GSH) – und bauen dort auf.

Auch andere arbeiten verborgen hinter der Bühne, etwa die Souffleusen und Inspekteure. „Für ein Acht-Personen-Stück haben wir etwa 20 Leute im Ensemble“, sagt Tank. Und auf die muss Verlass sein: „Das Theater ist Hobby, es wird aber auch Disziplin und Verantwortungsbewusstsein erwartet“, sagt Heinitz. Denn der Rest der Mannschaft zählt auf die Mitspieler. „In 70 Jahren musste bis jetzt keine einzige Aufführung ausfallen“, sagt Tank. Trotz Krankheit, gebrochener Rippen oder Technikversagen. „Das ist schon etwas ganz Besonderes.“

1963 kam der Name

Zu seinem heutigen Namen kam der Verein 1963: Nach einem Zerwürfnis und der Gründung eines zweiten Vereins fünf Jahre zuvor, fanden beide wieder zusammen und nannten sich die Pinneberger Bühnen. „Auch das Forum Theater und die Musical Company entstanden, nachdem einige unserer Mitglieder andere Ideen verfolgen wollten“, erzählt Tank. Trotzdem besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen den Vereinen. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und sehen uns nicht als Konkurrenten“, sagt Heinitz.

Vielfalt in Pinneberg

Die Vielfalt in Pinneberg ist einer der Gründe, warum sich die Pinneberger Bühnen dringend das Kulturzentrum in der Paasch-Halle wünschen, das seit einiger Zeit auf Eis liegt. „Wir fühlen uns im GSH zuhause. Aber wir sind ja nicht die einzigen“, sagt Heinitz. Die Planungen der letzten Jahre waren schwierig: Die Nutzungsgenehmigung für das GSH galt immer nur für sechs Monate. Derzeit gehen die Pinneberger Bühnen davon aus, dass sie 2018 und 2019 bleiben dürfen.

Und so beginnt das Geburtstagsjahr in der Bahnhofstraße am Donnerstag, 22. Februar, mit dem Musical „Killer Queens III“. Darin will der lebensmüde Viktor einen Killer anheuern, der ihn während einer Kreuzfahrt über Bord gehen lassen soll. Im April folgt die Komödie „Ladysitter“ von Bernd Spehling. Im September kommt die schwarze Komödie „Schau nicht unters Rosenbeet“ von Norman Robbins auf die GSH-Bühne und im November dürfen sich Klein und Groß auf „Der Zauberer von Oz“ freuen.



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