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Pinneberger Tageblatt

21. August 2017 | 10:51 Uhr

Des Pudels Kern : Der Tatortreiniger

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Was für ein Hundeleben: In der Kolumne von Redakteur Christian Brameshuber geht es um lauter schmutzige Geschäfte.

Sie stecken in jedem Hemd, in jeder Jeans, in jeder Jacke. Kotbeutel! Als Hundebesitzer habe ich mir vorgenommen, Deutschland sauber zu halten. Ich hatte ja keine Ahnung, wie dreckig dieses Land schon ist. Überall Hundescheiße. Jeder noch so kleine Grünstreifen ist ein Hundeklo-Streifen. Die Exkremente werden den langsamen, natürlichen Abbauprozessen überlassen. Wohl eine Folge der Bio-Welle, die unaufhaltsam in alle Lebensbereiche schwappt.

Voller Neid betrachte ich all die Hundehaufen in freier Natur. Denn unsere Pudel-Dame Unja verrichtet ihre schmutzigen Geschäfte mit Vorliebe im Haus. Anfangs habe ich noch gelacht. Zwei Pampers-Babys: Mit Exkrementen kenne ich mich aus. In jeder Konsistenz. In jeder Geruchsklasse. Doch darauf ist kein Windel-Papa vorbereitet. Haufen, Pfütze, Haufen. Im Wohnzimmer, im Flur, im Arbeitszimmer, in der Küche. Und die Haufen der feinen Dame werden größer, der Gestank auch. Ich werde zum täglichen Tatortreiniger, rutsche mit Tüchern, Seife und Duftzerstäuber auf dem Boden herum.

Das Sofa, die Auflagen: Dieser Hund liebt es weich und trocken. Er schleicht auf leisen Pfoten durchs Haus, um Darm und Blase im Verborgenen zu leeren. Sehr erfolgreich. Die Überraschungs-Wurst sorgt jedes Mal für Verblüffungs-Ärger. Schlimmer ist die Schikane-Wurst. Du läufst – gefühlt - stundenlang mit dem Pudel durch die Gegend - und dann kackt er dir dreist ins Haus.
 
Innerlich koche ich, suche in diesen unfassbaren Tiefen der Pudelaugen nach so etwas wie Schuldbewusstsein, ein schlechtes Gewissen – ich finde nichts. Wenn ich diesen Hund doch nur einmal verbal zusammenfalten dürfte. Das muss er doch verstehen, dass es so nicht weiter gehen kann – mit ihm, mit mir, mit uns.

Stattdessen schimpfe ich im Beisein von Unja den Kothaufen aus, den sie mir ins Wohnzimmer gelegt hat. Kein Scherz, ein Tipp der Hundetrainerin. Brillante Strategie - für alle Lebenslagen anwendbar. Im Tatort wird künftig der Mörder gelobt, die Leiche kritisiert. Das bringt Quote, garantiert.

Ich bin hilflos, ratlos, kraftlos. Die Anzahl meiner Kotbeutel habe ich verdoppelt. Ich gelobe feierlich, sie zu nutzen – wenn dieser Pudel seine schmutzigen Geschäfte endlich draußen abschließt.

Unser Autor Christian Brameshuber

Christian Brameshuber, Jahrgang 1968, verheiratet, zwei Kinder, Elisa (8)  und Johannes (6). Seit 1998 beim Tageblatt – und   2013 irgendwie auf den  Hund gekommen.
Kontakt: brh@a-beig.de

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erstellt am 22.Sep.2013 | 10:03 Uhr

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