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Im Kampf für die Menschen : Der Tag der Menschenrechte im Kreis Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Aktivist Jürgen Ohlert spricht über die Grundrechte. Das Problem - Pinneberger Menschenrechtler überaltern langsam.

Kreis Pinneberg | „Sie beinhalten alles, was zum Menschsein gehört“: So lautet die Kurzfassung der Menschenrechte durch Jürgen Ohlert, Gründungsmitglied des Pinneberger Ablegers von Amnesty International (ai). Seit mittlerweile mehr als 40 Jahren macht er sich aktiv für ihre Einhaltung und Wahrung der Menschenrechte stark. Seine Motivation ist die eigene Geschichte. „Als Kind aus dem Jahr 1937 weiß ich, was Krieg, seine Folgen und das daraus resultierende Elend bedeuten“, so der 78-Jährige. Aus diesem Verständnis sei der Wunsch entstanden, sich für andere einzusetzen, sagt er weiter.

Ohlert selbst habe schon viele Kämpfe gefochten. Einer der wichtigsten sei das am 10. Dezember 1984 erreichte absolute Folterverbot in Deutschland. „Die Zustimmung kam über viele Umwege, Hindernisse und durch die Arbeit von Amnesty zustande“, erinnert er sich.

Die Arbeit sei für ihn auch ein Sinnbild der internationalen Verständigung. „In den 1980er-Jahren habe ich einmal einer Familie aus Südostasien geholfen. Noch heute bekomme ich von ihnen Einladungen, sie zu besuchen“, berichtet er stolz. Ein ganz besonderer Satz sei damals zu Papier gebracht worden und habe sich ihm im Gedächtnis eingebrannt. „Wir wissen, wer und wo die wahren Freunde sind“, zitiert er aus dem Schreiben der Familie.

Aber nicht nur der Pinneberger Aktivist hat viel erreicht: Immer wieder schafft es die Menschenrechtsbewegung mit sogenannten dringenden Eilaktionen weltweit viel zu bewegen, sagt Ohlert. Sei es bekannt, dass ein Land oder eine Staatsgewalt Misshandlungen an Gefangenen begehe, so schreibe das Internationale Netzwerk tausende Briefe an die dort Verantwortlichen. „Der Feind der Folter ist die Öffentlichkeit“, erklärt Ohlert das Prinzip hinter der Briefwelle. Dank des gesellschaftlichen Drucks sei in 35 bis 50 Prozent der Fälle etwas bewegt worden.

Von einer gerechten Welt sehe sich der Pinneberger jedoch noch weit entfernt: „Das wird ein Dauerjob“, sagt er. Ganz aktuell könne jeder etwas zu einer besseren Welt beitragen: „Wir müssen den Flüchtlingen hier das Leben leichter machen“, erklärt er. Generell fehle es in Deutschland an Rechtsberatung und medizinischer sowie psychologischer Betreuung der Flüchtlinge. Darüber hinaus sehe Ohlert das Asylverfahren als unfair an. „Hätte die Politik und die Gesellschaft den Geist der Menschenrechte besser verinnerlicht, dann sähe die Welt anders aus“, sagt er.

Zum heutigen Tag der Menschenrechte ruft Amnesty International dazu auf, Fluchtursachen weltweit zu bekämpfen und Schutzsuchende menschenwürdig aufzunehmen. „Die sogenannte Flüchtlingskrise ist in Wahrheit eine Krise der internationalen Solidarität und Verantwortung“, erläuterte die Generalsekretärin von Amnesty Deutschland, Selmin Caliskan, gestern. Das Versagen der internationalen Gemeinschaft werde besonders im Syrien-Konflikt deutlich, der Millionen Menschen in die Flucht geschlagen habe, sagte Amnesty. So habe das UN-Welternährungsprogramm die Versorgung von Flüchtlingen in Jordanien wegen mangelnder Hilfsgelder zeitweise auf den Wert von sieben Dollar pro Monat und Person halbieren müssen. Die Region müsse endlich mehr finanzielle Unterstützung bekommen. (dpa)

Für Ohlert selbst ist der erste Artikel der bedeutendste. Er finge „den Geist der Rechte ein“, erklärt er seine Wahl. Als Gründungsmitglied hoffe er auf ein weiteres Bestehen von Amnesty Pinneberg. Die Mitglieder würden langsam überaltern, gesteht er. Durch Globalisierung und breite Fächerung der Zivilbewegungen gebe es immer weniger Aktivisten. „ Wir freuen uns über jeden, der helfen will und begrüßen alle“, sagt er.

Artikel 1

Alle Menschen sind frei und gleich geboren.

Artikel 2

Jeder hat Anspruch auf dieselben Rechte ohne jede Diskriminierung.

Artikel 3

Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit, und Sicherheit.

Artikel 4

Niemand soll in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden.

Artikel 5

Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.

Artikel 6

Jeder hat überall Anspruch auf Anerkennung als Rechtsperson.

Artikel 7

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz.

Artikel 8

Jeder hat Anspruch auf  Rechtsschutz, wenn seine Rechte verletzt sind.

Artikel 9

Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden.

Artikel 10

Jeder hat das Recht auf ein faires Verfahren.

Artikel 11

Jeder hat das Recht als unschuldig angesehen zu werden, bis seine Schuld bewiesen ist.

Artikel 12

Jeder hat das Recht auf Privat- und Familienleben.

Artikel 13

Jeder hat das Recht auf Freizügigkeit und freie Wahl seines Wohnsitzes innerhalb eines Staates sowie das Recht jedes Land zu verlassen und in sein Land zurückzukehren.

Artikel 14

Jeder hat das Recht, Asyl vor Verfolgung zu suchen.

Artikel 15

Jeder hat das Recht auf Staatsangehörigkeit.

Artikel 16

Heiratsfähige Männer und Frauen haben das Recht zu heiraten und eine Familie zu gründen. Frauen und Männer haben die gleichen Menschenrechte bei der Eheschließung, während der Ehe und bei deren Auflösung.

Artikel 17

Jeder hat das Recht auf Eigentum.

Artikel 18

Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit.

Artikel 19

Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und auf freie Meinungsäußerung.

Artikel 20

Jeder hat das Recht auf Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit.

Artikel 21

Jeder hat das Recht, an der Leitung öffentlicher Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch freie und faire Wahlen teilzunehmen sowie auf Zulassung zu den öffentlichen Ämtern in seinem Land.

Artikel 22

Jeder hat das Recht auf soziale Sicherheit und auf die Verwirklichung der für seine Würde unentbehrlichen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte.

Artikel 23

Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf angemessene Bedingungen und auf Schutz gegen Arbeitslosigkeit, auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit, auf befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine  Existenz sichert sowie das Recht auf Beitritt zu Berufsvereinigungen.

Artikel 24

Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit.

Artikel 25

Jeder hat das Recht auf einen für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden geeigneten Lebensstandard, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Betreuung und notwendige soziale Leistungen.

Artikel 26

Jeder hat das Recht auf Bildung einschließlich unentgeltlicher und verpflichtender Grundschulbildung sowie Menschenrechtsbildung.

Artikel 27

Jeder hat das Recht  zur Teilnahme am kulturellen Leben und zur Teilhabe am wissenschaftlichen Fortschritt sowie dem Schutz seiner wissenschaftlichen, literarischen und künstlerischen Werke.

Artikel 28

Jeder hat Anspruch auf eine soziale und internationale Ordnung, in welcher diese Rechte voll verwirklicht werden können.

Artikel 29

Jeder hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft.

Artikel 30

Kein Recht in dieser Erklärung darf als Rechtfertigung für die Verletzung eines anderen Menschenrechtes genutzt werden.

 
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erstellt am 10.Dez.2015 | 09:22 Uhr

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