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Pinneberger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 06:04 Uhr

Der Tag, als die Engländer kamen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Serie „Frauen und Heimat“ Familienleben von Hildegard und Bertha Henriette Dalldorf im Backsteinhaus an der Hauptstraße 90

Für das Buch „Frauen in Rellingen – vom 19. Jahrhundert bis heute“ hat sich auch Hildegard Dalldorf (79) engagiert. Sie porträtierte die Großmutter ihres Mannes Hermann – Bertha Henriette Dalldorf (1864-1945). Für sie lag auf der Hand: „Mein Mann und seine Verwandten erzählten immer viel von der Großmutter“, begründet Dalldorf ihren Beitrag.

Das Leben der beiden Frauen weist einige Parallelen auf. So lebte Hildegard wie Bertha Henriette Dalldorf mit ihrer Familie in dem uralten Backsteinhaus an der Hauptstraße 90. „Das schöne Familienleben in dem inzwischen abgerissenen Haus von 1896 mit großem Garten hat auch dazu geführt, dass ich in Rellingen heimisch wurde“, berichtet die 79-Jährige.

Hildegard Dalldorf wohnte mit Mann und Tochter in dem Haus, in dem auch Bertha Henriette Dalldorf mit zehn Kindern lebte. Bertha verlor ihren Mann schon früh, im Jahre 1916. Sie gab zur Versorgung der großen Familie Klavierunterricht und unterhielt nach dem Tod ihres Mannes eine Lotterieannahmestelle. Die jeweiligen Gewinnzahlen wurden an ihrer Haustüre angeschlagen. Bertha Dalldorf durfte noch die Geburt von 14 Enkeln und 16 Urenkeln erleben. Sie verstarb 80-jährig am 3. Mai 1945, als die Engländer ins Dorf einzogen, in ihrem Sessel am Fenster.

Hildegard Dalldorf hat wie Bertha Dalldorf eine starke Affinität zur Gemeinde. „Heimat“ verbindet sie mit ihrer Muttersprache, Familie und Elbnähe. Die gebürtige Lauenburgerin arbeitete einige Jahre als Erzieherin in Finnland. „Ich habe gemerkt, dass ich einen starken Bezug zu meiner Muttersprache habe und bin wieder zurückgekehrt“, berichtet Dalldorf. Mit ihrer Familie lebte sie von 1972 bis 2002 im historischen Haus.


Facettenreiches Leben vor Ort


Warum sich Hildgard Dalldorf in Rellingen heimisch fühlt? „Die Gruppe Frauen und Heimat hat dazu wesentlich beigetragen“, sagt Dalldorf. Der intensive Austausch zum Thema Heimat verstärkte bei der Mutter einer Tochter und Großmutter von zwei Enkelkindern das starke Interesse für die Gemeinde Rellingen. Es entwickelte sich bei ihr zunehmend ein besonderer Blick auf das facettenreiche kulturelle Leben mit Konzerten in Rellingens Barockkirche. Hildegard Dalldorf hat einen starken Bezug zur Kirche und engagiert sich in der Kirchengemeinde, unter anderem im Eine-Welt-Laden. Die Jahre in Finnland bezeichnet sie als ihre „prägenden Jahre“. Noch heute zieht es sie immer wieder für Ferienaufenthalte nach Skandinavien. Was die Zukunft betrifft, wünscht sie sich, „bei bester Gesundheit“ weiter in der Kirchengemeinde und in der Gruppe „Frauen und Heimat“ aktiv zu sein.

Das von der Projektgruppe „Frauen und Heimat“ erstellte Buch „Frauen in Rellingen vom 19. Jahrhundert bis heute“ ist im Rellinger Buchhandlung Lesestoff, Hauptstraße 74, sowie im Rathaus, Hauptstraße 60, erhältlich.

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