Der tägliche Kampf durch die weiße Pracht

Mit dem Schlitten ging es sicher voran.
1 von 2
Mit dem Schlitten ging es sicher voran.

23-59954052.jpg von
01. Februar 2019, 11:57 Uhr

Jahreswechsel 1978/79: Norddeutschland versinkt im Schneechaos. Nach milden Weihnachtstagen stürzen die Temperaturen ab. Es beginnt zu schneien. Mancherorts bis zu zwei Tage lang. Schwere Stürme türmen zudem die Schneemassen zu meterhohen Wehen. Ganze Orte sind abgeschnitten, Menschen sind ohne Strom, Straßen sind unpassierbar. Ein Ereignis, das sich ins Gedächtnis gebrannt hat – auch im Kreis Pinneberg. Wir als Zeitung haben Sie, liebe Leser, aufgerufen, uns ihre Erlebnisse zu schildern. Heute lesen Sie einen weiteren Teil.

Auch wir gehören zur Generation, die die Schneekatastrophe erlebt hat – mit ihren positiven und negativen Seiten: Damals wohnten wir im nach Norden hin letzten zweistöckigen Haus von Quickborn. Fast direkt vor unserer Haustür hörte die Straße auf, der Schnee und der Sturm, der von Osten über das Feld brauste, hatten sie unpassierbar gemacht. Niemand durfte weiterfahren. Auf der breiten Kieler Straße stauten sich die Lastwagen, die hier gestrandet waren. Die Männer in ihren Trucks bekamen Essen und warme Kleidung von den Anwohnern.

Aber auch nach Süden, Richtung Hasloh, galt das Verbot. Die Firma meines Mannes am Elsensee durfte mit dem Auto nicht angefahren werden. Was hat Peter geschimpft! Da auch die Schule ausfiel, konnte unsere Tochter Wiebke ihn begleiten. So zogen die beiden auf der Kieler Straße los, den Schlitten schwer bepackt, vom Nordende bis weit in den Süden.

Die Kinder freuten sich über den Schnee. Aber sie sollten ihn mal „richtig“ kennenlernen. Am Spätnachmittag, als es dämmrig wurde, gingen wir fünf dick angezogen los. Auf dem Weg zur Schule kämpften wir uns durch die weiße Pracht, einer in der Spur des nächsten. Immer wieder blieben wir stecken. Die Kinder fanden es abenteuerlich. Dann kamen wir zu einer hoch aufgetürmten Schneewehe. Die beiden Großen kletterten mühsam hinauf, immer wieder rutschten sie ab und versanken, den Kleinen haben wir mit vereinten Kräften durch den Schnee geschoben und gehoben. Nein, noch weiter wollten wir nicht gehen. Bei der nächsten Gelegenheit würden wir zur Hauptstraße zurück kehren: Das war Abenteuer genug!

Wir bahnten uns durch den tiefen Schnee unseren Weg an den Häusern vorbei – Peter als Spurmacher voran – bis wir wieder die geräumte Kieler Straße erreichten. Mehr als eine Stunde hatten wir für die vielleicht 200 bis 300 Meter lange Strecke gebraucht. Jetzt hatten die Kinder eine Vorstellung davon, dass dieser Schnee auch gefährlich sein konnte, nicht nur ein tolles Wintervergnügen.



zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen