Segelregatta von Sydney nach Helgoland : Der Strippenzieher kommt aus dem Kreis Pinneberg

Ein Jahr lang wird eine wechselnde Besatzung in verschiedenen Etappen mit der Hochseeyacht „Haspa-Hamburg“ von Sydney nach Helgoland segeln.
Foto:
1 von 2
Ein Jahr lang wird eine wechselnde Besatzung in verschiedenen Etappen mit der Hochseeyacht „Haspa-Hamburg“ von Sydney nach Helgoland segeln.

Der Hamburgische Verein Seefahrt organisiert die „Southern Ocean Challenge“. Beim Hetlinger Hanns Ostmeier laufen die Strippen zusammen.

shz.de von
08. Januar 2015, 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Australien, Neuseeland, Südamerika, Helgoland: dazwischen tausende Seemeilen, meterhohe Wellen, Astronautenkost und Duschen an Deck. Der Reederverein Hamburgischer Verein Seefahrt (HVS) bietet in diesem Jahr ein Abenteuer der Extraklasse für eingefleischte Segelfans. Der Organisator ist Hanns Ostmeier aus Hetlingen. Der 54-jährige Vereinsvorsitzende ist dabei, die „Southern Ocean Challenge“ auf die Beine zu stellen.

Im Dezember soll die Tour starten. Dann segelt die vereinseigene Hochseeyacht „Haspa Hamburg“ von Australien über Neuseeland durch den Südpazifik am Cap Horn vorbei ins argentinische Ushuaia. Zu den Olympischen Spielen wird die Yacht in Rio de Janeiro anlegen, dann zu einer durch den HVS organisierten Regatta über die Azoren Richtung Helgoland in See stechen. Ein Jahr soll die große Fahrt dauern.

Anlass für das Projekt sind zwei Geburtstage. So ist der 1903 von Albert Ballin gegründete HVS vor 110 Jahren mit einer Yacht über den Atlantik gesegelt. Die 1936 gegründete Segelgruppe Störtebeker der aktiven Hochseesegler des Vereins besteht in diesem Jahr seit 80 Jahren.

Auf der „Southern Ocean Challenge“ mit dabei sein werden mehr als 100 Skipper und Crew-Mitglieder, aus ganz Norddeutschland, aufgeteilt auf Etappen. Bis zu zwölf Segler werden jeweils gleichzeitig an Bord sein. Die genauen Planungen laufen. „Die Beteiligten müssen Urlaubspläne machen, sparen“, so Ostmeier. Die Kosten für die Reise zu den Etappenzielen tragen die Segler selbst.

Ostmeier selbst will dabei sein

Ob auch Kreis Pinneberger in See stechen? „Es würde mich wundern, wenn sie nicht mitfahren“, sagt Ostmeier. „Wir haben einige Vereinsmitglieder aus dem Kreis Pinneberg.“ Sein 23-jähriger Sohn liebäugele mit der Etappe Neuseeland-Ushuaia. Ostmeier selbst will dabei sein, „wenn sich eine Möglichkeit und Lücke ergibt“.

Angedacht ist die Teilnahme an Regatten unterwegs, als erstes die Sydney-Hobart-Regatta, die am 26. Dezember 2015 starten soll. Dafür wird die „Haspa Hamburg“ mit einem Frachtschiff nach Sydney transportiert. Das Rolex Sydney Hobart Yacht Race „ist der Mount Everest unter den Regatten“, so der Hetlinger. Dabei handelt es sich um eine Wettfahrt über 650 Seemeilen und vier Tage. Zwischen Australien und Tasmanien liegt ein ungeschütztes Seegebiet. „Da geht es zur Sache, viel Wind, viel Welle“, so Ostmeier. „Man muss dafür ausgebildet sein. Die Crew muss in der Lage sein, den Seegang für ein paar Tage zu handeln.“ Mit Wellen von bis zu acht Metern Höhe sei zu rechnen.

Doch Ostmeier verdeutlicht auch, dass nordseeerprobte Crewmitglieder dort nichts zu befürchten hätten. „Wir haben hier ein sehr heikles Gewässer direkt vor der Tür.“ Alle Regatta-Teilnehmer durchliefen zudem im Vorfeld ein Qualifying.

Gesegelt werde im Schicht-Betrieb

Die längste Passage der Tour seien die 5000 Seemeilen zwischen Neuseeland und dem Cap Horn. Gesegelt werde im Zwei- oder Drei-Schicht-Betrieb. Nur Skipper und Navigator seien immer ansprechbar. Als Proviant gibt es dehydrierte Nahrungsmittel, sogenannte Astronautenkost. „Das sind irgendwelche Nudelgerichte oder Eintöpfe“, so Ostmeier. Frischwasser werde durch entsprechende Geräte an Bord produziert. Auch eine Dusche ist vorhanden. Wie oft die benutzt werden kann? „Meist wartet man, bis es regnet und duscht draußen“, erklärt der Vereinsvorsitzende mit einem Lachen. Er weiß, wovon er spricht. Seit Bestehen des HVS segelten deren Mitglieder bereits 56 Mal über den Atlantik.

Ostmeier selbst segelt seit den 1980er Jahren. Erst im Sommer 2014 hat er an der weltweit ältesten Regatta teilgenommen, dem Newport-Bermuda-Race. Der Sport fasziniert den 54-Jährigen. „Es ist eine außergewöhnliche Beschäftigung und funktioniert nur in der Gruppe. Wir gehen durch Dick und Dünn.“ Angst habe er auch in schwierigen Situationen weniger. Das Adrenalin helfe. „Aber Respekt habe ich. Man muss da durch. Das ist etwas, was die Leute prägt. Man kann nicht einfach anhalten.“

Der Hamburgische Verein Seefahrt (HVS) hat 300 aktive Mitglieder, im Trägerverein sind 250 Mitglieder organisiert. Der HVS ist Eigner zweier hochseetauglicher Regattayachten. Die Schiffe sind nach den Namenssponsoren „Haspa Hamburg“ und „Norddeutsche Vermögen Hamburg“ getauft. Die 17,20  Meter lange „Haspa Hamburg“ ist als schneller „Long Distance Cruiser-Racer“ mit vorgegebener Crewanzahl von zehn bis zwölf Personen konzipiert worden. Der Verein ist offen für Nachwuchs ab 17 Jahren, auch ohne Segelerfahrung, aber mit Bereitschaft, sich in der Gruppe zu engagieren. Schnuppertouren werden angeboten. www.hvs-hamburg.de
zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen