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Die Masse ist gut abgesichert : Der SPD-Kreisverband Pinneberg diskutiert über Altersarmut

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Immer häufiger werden junge Menschen zu spät aufgeklärt. Auch sozialer Wohnungsbau ist notwendig.

Kreis Pinneberg | „Drei Prozent der Rentner sind auf die Grundsicherung angewiesen, doch auch wer knapp über der Bedarfsgrenze liegt, ist aus unserer Sicht arm“, sagte Anne-Christin Speichert, Sprecherin des Pinneberger SPD-Kreisverbands, während der Einführung in die Diskussionsrunde „Lebensstandard sichern – Altersarmut verhindern“.

„Es gibt für die Masse eine relativ gute Absicherung im Alter“, sagte Ernst Dieter Rossmann, SPD-Bundestagsabgeordneter für den Kreis Pinneberg. Wenn man sich die Zahlen genauer ansehe, falle allerdings auf, dass vor allem Männer gut abgesichert seien. „Bei Frauen sieht es oft anders aus“, so Rossmann. Daher sei es wichtig, eine Angleichung der Einkommen von Männern und Frauen zu erreichen, Menschen besser zu qualifizieren, um generell höhere Einkommen zu erzielen, und Menschen in Arbeit zu bringen. Laut Zahlen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands soll die Zahl der Menschen, die von Altersarmut betroffen ist, bis 2030 von aktuell 512.000 auf 1,5 Millionen steigen, sagte Rossmann.

„Das Thema Rente wird nicht erst wichtig, wenn man Rente erhält. Wir müssen uns frühzeitig damit auseinandersetzen. Wenn man das Renteneintrittsalter erreicht hat, ist es zu spät zu reagieren“, mahnte die Juso-Kreisvorsitzende Nele Lindenau. Die Studentin kritisierte, dass weder in der Schule noch im Studium das Thema Rentensystem behandelt werde. Daher plädiere sie dafür, die Thematik in den Unterricht einzubauen. Darüber hinaus setzten sich die Jungsozialisten seit jeher für die Rückkehr von Frauen in den Beruf ein. Das aktuelle System werde in der Zukunft nicht mehr funktionieren. Daher plädierte Lindenau für die Bürgerversicherung: „Was wir fordern ist nicht nur eine Veränderung an kurz- oder mittelfristigen Schrauben, sondern ein kompletter Systemwechsel.“

Diesen fordert auch Gabriele Wegner, Sozialpolitik-Expertin des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Nord: „Es muss dringend etwas an dem Rentensystem getan werden. Mit Renten von 700 oder 800 Euro kann man in Ballungsgebieten wie Hamburg nicht einmal die Miete zahlen.“ Sie kritisierte die seit den 2000er-Jahren fortschreitende Absenkung der Rentenquote, die im Jahr 2030 bei 43 Prozent liegen soll. „Das muss sich jeder mal vorstellen, was das für ihn bedeutet“, so Wegner.

„Wir brauchen 6000 neue Wohnungen
in Schleswig-Holstein pro Jahr“

„Die Renten werden abgesenkt und gleichzeitig treffen ältere Menschen auf höhere Mieten sowie steigende Pflege- und Energiekosten“, sagte Pinnebergs SPD-Kreisvorsitzender Thomas Hölck. Der bezahlbare Wohnraum für ältere Menschen werde immer knapper. Daher halte es der Landtagsabgeordnete für wichtig, Wohnungen zu schaffen. „Wir brauchen 6000 neue Wohnungen in Schleswig-Holstein pro Jahr“, mahnte Hölck und ergänzte: „Wir müssen bauen, bauen, bauen.“ Das benötigte Kapital sei eine der größten Herausforderungen. Von den 500 Millionen Euro, die der Bund für sozialen Wohnungsbau zur Verfügung stelle, sollen 12,8 Millionen Euro nach Schleswig-Holstein fließen. „Wir haben es zusammen mit den Wohnungsbaugenossenschaften in den 1970er-Jahren geschafft, genug Wohnraum zu schaffen und ich bin sicher, dass uns das auch jetzt wieder gelingt“, sagte Hölck. Er betonte auch die Bedeutung von Flüchtlingen, die als Facharbeiter in die Rentenkassen einzahlen könnten und diese entsprechend mittragen.

„Insgesamt wird es eine riesige Anstrengung sein die jungen Zahler und die älteren Empfänger in eine Balance zu bringen“, sagte Rossmann abschließend und mahnte: „Wenn wir nicht die klügsten Köpfe und besten Produkte sowie viele Menschen in Arbeit haben, bekommen wir ein Problem. Daher müssen wir auch dafür sorgen, dauerhaft in Bildung zu investieren.“

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erstellt am 08.Okt.2015 | 14:00 Uhr

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