Interaktive Freibadkarte, Hitze-Tipps und No-Gos : Der Sommer mit voller Wucht: Neue Hitzerekorde im Kreis Pinneberg möglich

Abkühlung am Krückau-Ufer in Barmstedt: Hannes (2, v. l.), Jonte (3) und Don (4) lassen sich ihr Eis schmecken.
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Abkühlung am Krückau-Ufer in Barmstedt: Hannes (2, v. l.), Jonte (3) und Don (4) lassen sich ihr Eis schmecken.

Prognosen von 36 Grad Celsius für Sonnabend. Bisheriger Höchstwert stammt aus dem Jahr 1992.

shz.de von
02. Juli 2015, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Noch im Juni war Schleswig-Holstein mit einer Durchschnittstemperatur von nur 14,2 Grad Celsius das kälteste Bundesland Deutschlands. Elf Tage Bodenfrost wurden an der Wetterstation Quickborn verzeichnet. Zum Wochenende trifft der Sommer den Kreis Pinneberg allerdings mit voller Wucht und prognostizierten Temperaturen von 36 Grad Celsius am Sonnabend.

„Die gefühlte Temperatur liegt am Sonnabend bei 38 Grad Celsius“, sagt der Meteorologe Robert Hausen vom Seewetteramt Hamburg voraus. Der bisherige Temperaturrekord von 36,7 Grad Celsius, der am 9. August 1992 an der Wetterstation Quickborn gemessen wurde, könnte geknackt werden. 

Bis zum Wochenende werde das Hochsommerwetter anhalten. „Aus einer angenehmen Wärme wird Hitze. Es wird zunehmend schwül“, sagt Hausen. Bereits morgen Nachmittag könne es Unwettern mit Starkregen und Hagel geben. „Tropennächte“ mit Temperaturen um die 20 Grad Celsius sind zu Sonnabend und zu Sonntag zu erwarten. Während es Sonnabend nach derzeitigen Prognosen tagsüber überwiegend freundlich bleibe, seien zum Abend hin Schauer möglich, die sich in der Nacht zu Unwettern entwickeln und sich bis Sonntagvormittag austoben können.

Die Temperaturen werden morgen bei 33 Grad Celsius liegen, gefühlt bei 36 Grad. Am Sonnabend klettert die Temperatur auf 36 Grad Celsius, am Sonntag nur noch auf 30 Grad. Dann soll laut Hausen kühlere Luft von der Nordsee die Hitze samt Gewitter nach Osten drängen und nordisches Sommerwetter mit bis zu 26 Grad Celsius einleiten. Mit Blick auf das Wetter um den Siebenschläfer-Tag prognostiziert Hausen einen leicht wechselhaften aber nicht unfreundlichen Sommer mit kurzen Hitzeperioden.

Da hilft nur noch Eis am Elbstrand: Nina Dabelstein und Lennart Buchholz aus Pinneberg genießen die Sonne in Wedel. (Foto: Jankowski)
Da hilft nur noch Eis am Elbstrand: Nina Dabelstein und Lennart Buchholz aus Pinneberg genießen die Sonne in Wedel. (Foto: Jankowski)
 

Die Hitzewelle rollt auf das Kreisgebiet zu. Das Seewetteramt Hamburg prognostiziert Temperaturen zwischen 36 Grad Celsius am Sonnabend und 30 Grad am Sonntag – kombiniert mit einer hohen Luftfeuchtigkeit und Unwettern inklusive Starkregen und Hagel insbesondere in der Nacht zum Sonntag. Meteorologe Robert Hausen spricht sogar von gefühlten Temperaturen von 38 Grad Celsius am Sonnabend und 33 Grad Celsius am Sonntag. Treffen die Voraussagen ein, könnte sogar der Temperaturrekord von 36,7 Grad Celsius geknackt werden, der am 9. August 1992 in Quickborn gemessen wurde.

Für so manchen Kreis Pinneberger mag das mehr Sommer sein als gewünscht. Denn hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit bei praller Sonne können für den Körper zur Belastungsprobe werden. Zu spüren bekommen das auch die Mitarbeiter der Regio Kliniken im Kreis Pinneberg. „Seitdem es warm geworden ist, verzeichnen wir einen Anstieg von Patienten, die aufgrund der Temperatur Probleme mit dem Kreislauf bekommen. Es sind überwiegend ältere Personen, die zu wenig getrunken haben“, sagt Pressesprecher Sebastian Kimstädt. „Wir gehen davon aus, dass es gerade am Wochenende noch mehr werden.“ Auf diese Patienten sei die Notaufnahme generell gut eingestellt.

Der Kreis Pinneberg könnte bei Temperaturen um die 33 Grad Celsius, Sonnenschein und hoher Luftfeuchtigkeit am Wochenende zu einer Open-Air-Sauna werden. Gesundheitsexperten geben Tipps zum richtigen Verhalten in der Hitze.
Dr. Guido Csomós, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Regio-Klinikum Pinneberg, sagt: „Durch die hohen Temperaturen wird der Körper äußerst belastet. Halten Sie es daher wie die hitzeerprobten Südeuropäer: Bleiben Sie im Schatten, trinken Sie viel Wasser und verlegen Sie körperliche Aktivitäten in die Morgen- oder Abendstunden.“
Dr. Wolfgang Reuter von der DKV Deutsche Krankenversicherung erläutert, dass es bei zu großer Hitze zu Störungen der Wärmeregulation des Körpers kommen kann. „Dann drohen körperliche Folgen. Sie reichen von bloßen Erschöpfungszuständen über einen Sonnenstich bishin zu Hitzekollaps, Hitzekrämpfen oder einem Hitzschlag. Gefährlich könne es für Personen mit Durchblutungsstörungen, Säuglinge, Kleinkinder und Senioren werden.
Vorbeugend sei darauf zu achten, viel zu trinken. Csomós empfiehlt  Wasser und ungesüßte Fruchtsäfte. Alkohol, übermäßiger Kaffeekonsum oder Energy-Drinks sollten tabu sein. Er rät zu luftiger heller Kleidung, und dazu, körperliche Belastung zu vermeiden, sich vor der Sonne zu schützen, Sonnencreme mit ausreichendem Lichtschutzfaktor zu benutzen, die pralle Sonne am Mittag und am frühen Nachmittag  zu meiden. Kinder, ältere oder behinderte Menschen sollten nicht nicht im Auto warten.

Christian Mandel, Presssprecher der Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH), weiß, dass die Einsatzkräfte es an heißen Tagen mit Menschen zu tun haben, die zu wenig trinken, mit Hitze, Erschöpfung und Kreislaufproblemen kämpfen. „Erfahrungsgemäß haben wir dann nicht übermäßig mehr zu tun. Wir haben aber jederzeit die Möglichkeit, dienstfreie Kräfte zusätzlich zu alarmieren, um den Mehrbedarf zu decken, sollte sich die Einsatzlage zuspitzen.“ Sollte es in der Hitze trotz aller Vorsichtsmaßnahmen „schief gegangen“ sein, betont er: „Nicht scheuen, die 112 zu wählen.“

Doch der Sommer hat auch seine Fans „Wenn die Temperaturen die 30-Grad-Celsius-Marke übersteigen, merken wir das in den Besucherzahlen“, sag Karsten Niß, Leiter der Badebucht Wedel. Das kommende Wochenende sei das „erste gute Wochenende in der Saison“. Der Badleiter rechnet mit 2500 bis 3000 Badegästen pro Tag. Am vergangenen Sonntag waren es noch 1200 Besucher.

Auch Jürgen Schumann, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Kreis Pinneberg, freut sich auf den Sommer. „Alle gastronomischen Betriebe mit Außensitzbereichen erwarten einen Ansturm. Wir freuen uns, dass es endlich schön wird. Man hat immer ein paar Leute mehr in petto und es muss gehen, dass alle ein bisschen mehr mit anpacken.“ Aber Schumann sagt auch: „Wenn es zu heiß wird, dann kommen die Leute nicht zum Essen, haben keinen Hunger, bestellen nur Kleinigkeiten, sitzen oft im eigenen Garten und grillen.“ Für das Geschäft sei das nicht „so prickelnd“.

Doch der Meteorologe Hausen beruhigt. Nach der Hitzewelle am Wochenende können sich die Kreis Pinneberger auf den normalen nordischen, leicht wechselhaften „aber nicht unfreundlichen“ Sommer mit Temperaturen mit bis zu 26 Grad Celsius freuen.

Hitzefrei gibt es für Arbeitnehmer auch bei Rekordtemperaturen nicht. Die Arbeitsstättenverordnung verpflichtet Arbeitgeber aber, für eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur zu sorgen und vor Sonnenstrahlen zu schützen. An heißen Tagen darf die Obergrenze von 26 Grad Celsius in Arbeitsräumen jedoch überschritten werden, wie die Krankenkasse IKK Classic informiert. Dennoch können Arbeitgeber laut  Hans-Joachim Beckers, Geschäftsbereichsleiter der IHK Kiel, die Hitze erträglicher machen: Lüftung verbessern, Kleiderordnung lockern, kalte Getränke bereithalten. Pflicht für Arbeitnehmer im Freien sind laut IKK Classic Sonnenbrille, Sonnencreme und Kopfbedeckung.
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