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Anklage erhoben : Der Prozess gegen den Feuerteufel beginnt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Hauptverhandlung gegen den mutmaßlichen Feuerteufel von Rellingen könnte bereits am Dienstag eröffnet werden.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Rellingen/Itzehoe | Die Zeit drängt. Am 9. März sitzt André M. ein halbes Jahr in Untersuchungshaft. Bis dahin muss die Hauptverhandlung gegen den mutmaßlichen Rellinger Feuerteufel eröffnet worden sein. Andernfalls gäbe es einen Haftprüfungstermin vor dem Oberlandesgericht, das darüber entscheiden müsste, ob der Untersuchungshaftbefehl gegen André M. Bestand hat oder ob der Rellinger freizulassen ist. Doch dazu wird es nicht kommen. Bereits am kommenden Dienstag könnte der Prozess gegen André M. beginnen. Das teilte die Staatsanwaltschaft im Gespräch am Montag mit.

Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile Anklage vor der Strafkammer erhoben. Sie wirft André M. versuchte Brandstiftung in drei Fällen vor. Die Anklageschrift ist dem Beschuldigten zugegangen, die Erklärungsfrist am Wochenende abgelaufen. Nun sind die Itzehoer Richter am Zug. Sie müssen entscheiden, ob sie die Klage zulassen und das Verfahren eröffnet wird. Ein Beschluss könnte noch diese Woche ergehen. „Das Gericht hat im Blick, dass Fristen laufen“, sagte Gerichtssprecherin Julia Gärtner.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sind die Beweise für die angeklagten drei versuchten Brandstiftungen eindeutig: Am 8. September versuchte André M. in der Straße An der Rellau in Rellingen ein Fahrzeug in Brand zu setzen, indem er – laut Anklage – brennbares Material an die Reifen legte anzündete. Doch Zivilfahnder hatten den Rellinger im Blick und löschten das Feuer noch bevor das Fahrzeug in Flammen aufging. Der mutmaßliche Feuerteufel hatte vom Einsatz der Polizei anscheinend nichts mitbekommen. Er war in seiner Wohnung verschwunden, kam wenig später wieder heraus, um erneut ein Auto anzuzünden. Diesmal nahmen die Beamten in Zivil den 26-Jährigen fest.

Bei diesen drei versuchten Brandstiftungen soll es sich allerdings nicht um alle Taten handeln, für die André M. verantwortlich sein soll. „Wir haben noch mehr Sachen in Arbeit“, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Dreeßen im Gespräch mit dem Pinneberger Tagblatt. Der Rellinger steht in Verdacht, einen Papiercontainer vor seinem Wohnhaus in Brand gesteckt zu haben. Auch im Flur des Mehrfamilienhauses soll er gezündelt haben. In der Nacht zum 28. Juli brannte der Bus der Rellinger Ortsjugendpflege. Auch dafür sowie weitere Fahrzeugbrände und zerstochene Reifen könnte André M. verantwortlich sein. Zudem gab es im sozialen Netzwerk Facebook Bekennerschreiben und Drohungen von einem Nutzer mit Namen Felix Steiner, einem Pseudonym, das er sich zugelegt haben könnte. „Die Beweisführung ist schwierig, da es in diesen Fällen keine unmittelbaren Tatzeugen gibt“, erläuterte Dreeßen. Allerdings gebe es Indizien für die Täterschaft.

Welche dieser Taten angeklagt werden, wollte Dreeßen nicht sagen. Die Klageschrift müsse zuvor noch dem mutmaßlichen Täter und dessen Anwalt durch das Landgericht zugestellt werden. Im Anschluss gebe es eine vom Gericht festgelegte Frist, in der André M. Stellung nehmen kann. Danach werde über die Zulassung der Anklage entschieden.

29. Juli,2 Uhr: Diese Fahrzeuge am Straßenrand konnten Rellingens Einsatzkräfte nicht mehr retten. Sie brannten vollständig aus. (Foto: PT)
29. Juli,2 Uhr: Diese Fahrzeuge am Straßenrand konnten Rellingens Einsatzkräfte nicht mehr retten. Sie brannten vollständig aus. (Foto: PT)
 

Eine Haftstrafe wegen versuchter Brandstiftung in minderschwerem Fall? Eine Unterbringung in der Psychiatrie? Die Bandbreite für ein Urteil ist groß. Eine Vorentscheidung könnte bereits in dieser Woche fallen. Sollte ein psychiatrisches Gutachten aussagen, dass André M. krank und für seine Mitmenschen gefährlich ist, wird – wie von der Staatsanwaltschaft beantragt – vor der Strafkammer verhandelt. Kommen die Richter zu dem Schluss, dass das Verfahren vor dem Schöffengericht verhandelt wird, gilt André M. als voll schuldfähig und eine Strafe ist wahrscheinlich.

André M. muss sich nicht das erste Mal vor dem Landgericht Itzehoe verantworten. Der Rellinger wurde am 25. September 2007 von bewaffneten Kräften eines Spezialeinsatzkommandos in der elterlichen Wohnung festgenommen. Die Ermittler gingen damals davon aus, dass André M. gemeinsam mit einem Komplizen einen Bombenanschlag auf das Apfelfest in der Gemeinde verüben wollte. Dafür sah das Gericht indes keine Beweise. Verurteilt wurden André M. und sein Komplize dennoch: wegen Sachbeschädigung in mehr als 100 Fällen.

André M. verbrachte mehr als fünf Jahre in der Psychiatrie. Am 7. Oktober 2013 verfügte das Landgericht Lübeck seine Freilassung, weil eine weitere Unterbringung unverhältnismäßig gewesen wäre. André M. kam am 1. Dezember 2013 frei. Am 30. Juni begann die Brandserie in Rellingen. Sie endete mit der Festnahme des 26-Jährigen.

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