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Das Sonntagsgespräch : Der Nachwuchs hat mit langen Schulzeiten zu kämpfen

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Heute mit Andrea Benfer, Vorsitzende der Handball-Spielgemeinschaft Pinnau.

Prisdorf/Pinneberg | Seit 2011 gibt es die Handball-Spielgemeinschaft (HSG) Pinnau, zu der sich die Handballabteilungen des TSV Prisdorf und des VfL Pinneberg zusammengeschlossen haben. Im Sonntagsgespräch erklärt die HSG-Vorsitzende Andrea Benfer, warum sich die Kooperation für die Pinneberger und die Prisdorfer lohnt und welche Probleme dem Verein schulische Ganztagsangebote machen.

Was ist der Grund für Ihr Engagement bei der HSG Pinnau?
Ich wollte mich sozial engagieren und da ich schon immer sportlich sehr interessiert war, habe ich begonnen, mich wieder dem Handball zu widmen. Ich habe früher selbst gespielt. Nun arbeite ich bei der HSG im Vorstand und außerdem als Trainerin. Ich bin inzwischen seit 13 Jahren im Jugendbereich tätig.

Was fasziniert Sie am Handball?
Mir macht es Spaß, mit den Kindern zu arbeiten. Deren Leidenschaft, Ehrgeiz und Spielfreude sind einfach toll. Das überträgt sich von der Mannschaft auf den Trainer und wieder zurück. Es reizt mich einfach, den Kleinen dieses anspruchsvolle Spiel zu vermitteln. Tempo, Koordination, Übersicht, Ballgefühl – die Vielfältigkeit des Handballs ist unglaublich.

Was ist das Besondere an der HSG Pinnau?
Die Trainer haben einen engen Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen sowie zu deren Eltern. Dabei muss es nicht immer nur um Handball gehen. Wir unternehmen zum Beispiel viele Turnierfahrten oder organisieren Trainingslager. Schließlich haben wir als Verein auch einen sozialen Auftrag. Dazu legen wir großen Wert darauf, dass sich unsere Trainer weiterbilden. Wenn wir deren Qualität erhöhen, werden auch die Spieler besser. Die Erfolge haben sich dadurch schon eingestellt. In der vergangenen Saison haben sechs unserer Jugendmannschaften in der höchsten Spielklasse, der Hamburg-Liga, gespielt. Unser Ziel ist es, in jeder Altersgruppe ein leistungsorientiertes und ein eher auf den Breitensport orientiertes Team am Start zu haben. So können wir auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Kindes eingehen.

Was hat sich verändert, als sich 2011 die Handballabteilungen des TSV Prisdorf und des VfL Pinneberg zur HSG Pinnau zusammengeschlossen haben?
In Prisdorf waren fast nur Jungs aktiv, so dass praktisch keine eigenständige Mädchenmannschaft am Start war. In Pinneberg war es umgekehrt. Dort spielten fast nur Mädchen. So passten wir perfekt zusammen. Die Zusammenarbeit zwischen den Stammvereinen klappt hervorragend. Dabei trafen mit einem dörflichen und einem städtischen Verein zwei Klubs mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen und Strukturen aufeinander. In der Stadt ist es ja meistens viel anonymer. Wir haben es trotz allem geschafft, uns schnell aufeinander einzustellen.

Hat sich die Arbeit im Jugendbereich in den vergangenen Jahren verändert?
Die langen Schulzeiten spucken uns in die Suppe. Die Kinder kommen immer später nach Hause und sind dementsprechend kaputt. Deswegen fällt es ihnen häufig schwer, sich beim Training zu konzentrieren. Die Ansprüche in der Schule werden zudem immer höher. Deshalb untersagen einige Eltern ihren Kindern zeitweise sogar den Sport, damit sich die Leistungen in der Schule verbessern. All das macht es für uns schwieriger, Nachwuchs zu gewinnen.

Gibt es noch weitere Probleme?
Wir müssen in Pinneberg und Kummerfeld viel Geld für Hallenzeiten zahlen. Das ist ein großer Nachteil für die HSG, da viele andere Vereine diese Belastung nicht haben. Die Aufwendungen drücken uns finanziell sehr. Ohne unseren Förderverein und zwei Sponsoren hätten wir noch viel größere Sorgen. Ein weiteres Problem ist, dass es immer schwieriger wird, ehrenamtliche Helfer zu finden, die Zeit haben und qualifiziert oder bereit sind, sich zumindest qualifizieren zu lassen.

Welche Ziele hat die HSG in den kommenden Jahren?
Wir wollen weiterhin unsere Trainer qualifizieren und Kinder für unseren Sport gewinnen. Ein besonderes Augenmerk gilt unserer ganz neu aufgebauten Damenmannschaft. Die tritt noch in der Bezirksliga an, soll aber auf Sicht in einer höheren Liga spielen. Es wäre außerdem schön, wenn die Mitgliederzahlen konstant bleiben. Die gehen in vielen Vereinen zurück. Bei uns ist das zum Glück nicht der Fall. Das liegt sicherlich auch an der tollen Gemeinschaft. Die sorgt dafür, dass unsere Spieler nicht so leicht von anderen Vereinen abgeworben werden.

Andrea Benfer (50) ist seit der Gründung der HSG Pinnau im Jahr 2011 deren Vorsitzende. Diesen Posten hatte sie vorher auch bei den Handballern des TSV Prisdorf inne. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.
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erstellt am 23.Aug.2015 | 15:00 Uhr

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