Arbeitsmarkt im Kreis Pinneberg : Der milde Winter schont den Arbeitsmarkt

Insgesamt 8481 Männer und Frauen aus dem Kreis Pinneberg waren im Dezember ohne Job.
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Insgesamt 8481 Männer und Frauen aus dem Kreis Pinneberg waren im Dezember ohne Job.

Die Zahl der Arbeitslosen steigt saisonal weniger stark als früher. Arbeitgeber können zunehmend offene Stellen nicht besetzen.

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08. Januar 2015, 10:05 Uhr

Kreis Pinneberg |  Für Unternehmen, die vom Wetter abhängig sind, ist es ein guter Winter. Weil es bisher kaum Frost gab, können viele weiterarbeiten. Das macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar, wie die Agentur für Arbeit Elmshorn mitteilte. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Dezember saisonal weniger stark gestiegen als in der Vergangenheit.

Insgesamt 8481 Männer und Frauen aus dem Kreis Pinneberg waren im Dezember ohne Job. Das sind 136 mehr als im Vormonat. Trotzdem liegt die Zahl der Arbeitslosen um 557 unter der im Dezember 2013. Die Arbeitslosenquote ist von 5 Prozent im November auf 5,1 Prozent im Dezember gestiegen. Im Dezember 2013 lag sie noch bei 5,5 Prozent.

Laut Arbeitsagentur ebenfalls saisonal bedingt war die Abnahme der Zahl gemeldeter offener Stellen. Die Agentur registrierte im Dezember 432 neue Jobs – 81 weniger als im November. Im Laufe des Jahres 2014 haben Arbeitgeber insgesamt 6590 Stellen zur Besetzung gemeldet. Das waren 845 oder 14,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Derzeit sind fast 2000 Stellen unbesetzt. Und trotzdem gibt es 8500 Arbeitslose?

Nach Einschätzung von Agenturchef Thomas Kenntemich passen die Bedürfnisse von Arbeitgebern und Jobsuchenden immer häufiger nicht zusammen. „Wachsende Zahlen an offenen Arbeitsstellen haben im vergangenen Jahr nicht automatisch zu einem Abbau der Arbeitslosenzahl geführt. Arbeitskräfteangebot und -nachfrage decken sich häufiger nicht“, sagt Kenntemich.

Im Vergleich der Jahre 2013 und 2014 zeigt sich, das die Zahl der Arbeitslosen gestiegen ist. 2014 waren es durchschnittlich 9008 Menschen, 2013 waren es 8816. Laut Arbeitsagentur gibt es unter den Unternehmen keinen einheitlichen Trend, Arbeitsplätze zu schaffen oder zu streichen. Vor allem Banken, Versicherungen und Behörden hätten Personal abgebaut. In der Baubranche und der Metallverarbeitung blieb die Zahl der Stellen stabil. Im Einzelhandel sei die Nachfrage nach Mitarbeitern leicht gestiegen. Konjukturunabhängig würden in der Altenpflege, im Gesundheitswesen und im Erziehungswesen dringend Fachkräfte gebraucht.

Obwohl es im Kreis Pinneberg noch keinen flächendeckenden Fachkräftemangel gebe, sagt Kenntemich: „Es ist wichtig, rechtzeitig entgegenzusteuern. In den nächsten zehn Jahren wird sich die Lage verschärfen. Besonders Fachkräfte mit Berufsausbildung werden dann fehlen.“

Grafik: Maaß
Grafik: Maaß
 

Im Landesvergleich steht der Kreis Pinneberg mit seinen Arbeitsmarktdaten im Dezember gut da. Der Landkreis mit der höchsten Zahl an Arbeitslosen war Dithmarschen mit einer Quote von 7,5 Prozent. Spitzenreiter war Stormarn mit 3,7 Prozent. Die Quote für ganz Schleswig-Holstein betrug 6,5 Prozent. Frank Nägele, Staatssekretär  im Arbeitsministerium, sagte der Nachrichtenagentur DPA: „Im Dezember konnten auch die Langzeitarbeitslosen an der positiven Entwicklung teilhaben und von der sehr guten Lage am Arbeitsmarkt profitieren.“

In Hamburg sank die Arbeitslosigkeit im Dezember auf ein Jahrestief, die Quote betrug 7,2 Prozent. Die Gesamtbeschäftigung werde auch 2015 von technischen und wirtschaftlichen Dienstleistern, dem Gastgewerbe, dem Gesundheitswesen, der Industrie und der Informationsbranche nach oben getrieben, sagte Agenturleiter Sönke Fock. „Von dieser Entwicklung profitieren auch Fachkräfte aus der Metropolregion.“

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