Der Mann mit dem klaren Blick

April 2013: Im Beisein seines langjährigen Weggefährten Herbert Hoffmann (links) wird Dieter Tietz von seiner Partei mit der Willy-Brandt-Münze ausgezeichnet.
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April 2013: Im Beisein seines langjährigen Weggefährten Herbert Hoffmann (links) wird Dieter Tietz von seiner Partei mit der Willy-Brandt-Münze ausgezeichnet.

SPD-Urgestein Dieter Tietz sitzt seit 40 Jahren ununterbrochen in Pinnebergs Rat

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28. März 2014, 10:42 Uhr

Es dauert ein wenig, bis er ans Telefon geht. Dieter Tietz werkelt gerade im Garten. Der Anruf überrascht den 72-jährigen. Eine Pressemitteilung seiner SPD? „Davon weiß ich ja gar nichts.“ Anlass: Am 1. April sitzt Tietz seit 40 Jahren ununterbrochen in der Pinneberger Ratsversammlung. Ein sozialdemokratischer Dauerbrenner. Ein Mann, der für seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn bekannt ist. Ein Mann mit rotem Herzen – und klarem Blick.

Ja, die SPD sei trotz Wandels seine Partei geblieben. „Weil die Grundwerte noch immer Gültigkeit haben“, sagt Tietz. Solidarität. Gerechtigkeit. Das sind Eckpfeiler für einen Mann, der bis 2006 Fachbereichsleiter bei der Kreisverwaltung war. Verantwortlich für Soziales, für Schule, Kultur und Jugend.

Apropos Verantwortung. Die hat Tietz, den manch politischer Weggefährte liebevoll als „etwas knurrig“ bezeichnet, bei seinen Sozialdemokraten über 30 Jahre in besonderer Weise übernommen. So lange nämlich führte er die Ratsfraktion der Pinneberger SPD. Bevor er 2008 Nachfolgerin Angela Traboldt Platz machte. Die sagt heute: „Er hat mir sehr geholfen, den Staffelstab top übergeben.“ Traboldt hebt die Loyalität ihres Vorgängers hervor. „Seine Erfahrungen sind für uns unverzichtbar.“

Lob von den eigenen Genossen – das überrascht nicht. Aber auch beim politischen Gegner hat Tietz sich viel Respekt erworben. „Ein sehr genauer, analytische denkender Mensch“, sagt Klaus Seyfert, der seit Jahrzehnten in Pinnebergs CDU aktiv ist. Tietz zeichne seine Sachkenntnis in sozialen Fragen aus. Als Fraktionschef der Sozialdemokraten sei er zuweilen „ein harter Gegner“ gewesen.

Vier Jahrzehnte politische Arbeit. Engagement in Gremien. Abendsitzungen. Freizeit, die geopfert wird. Wer Tietz nach in dieser Zeit entstandenen Freundschaften fragt, bekommt nüchtern Antwort: „In der Politik wächst man sich nicht ans Herz, auf besonders enge persönliche Beziehungen habe ich nie Wert gelegt“. Ihm sei es darum gegangen, Neutralität zu wahren. Persönlich erinnere er sich gern an den früheren Bürgermeister Hans-Hermann Kath: „Er wird oft verkannt, hat sich sehr um seine Mitarbeiter gekümmert“, so Tietz, der sich dafür eingesetzt hat, dass die Pinneberger Hochbrücke Kaths Namen bekommt.

Bis zur nächsten Kommunalwahl in vier Jahren will Tietz, der verheiratet ist und drei Kinder hat, weitermachen. Dann ist politisch Schluss. Er hätte dann noch mehr Zeit fürs Fahrradfahren. Und für die Pinneberger Tafel, für die er sich seit einiger Zeit engagiert.

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