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Pinneberger Tageblatt

24. September 2017 | 07:09 Uhr

Der Mann der „Gerschler Tours“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Seit 18 Jahren ist Klarinettenlehrer Dirk Gerschler mit seinem kleinen, feinen Klarinettenensemble sehr erfolgreich unterwegs

Geht man mit Klarinettenlehrer Dirk Gerschler die großen Fotos und riesigen Plakate ab, die überall an den Wänden in seinem Übungsraum in der Pinneberger Musikschule hängen, ist es wie eine Rundreise in schönste Städte fremder Länder: „Tivoli in Kopenhagen, Budapest Nationalgalerie – schöner Rahmen, war nett dort zu spielen –, Linz in Österreich, Schweden, zweimal Barcelona, Amerika (Rockville) und Italien in der Nähe von Bologna“, zählt Gerschler auf. Dort und in noch weiteren Orten hat das Klarinettenensemble der Musikschule schon gespielt. Gerschlers Klarinettenensemble. Denn der aufmerksame und hellwache 53-Jährige hat das Ensemble gegründet, – 1996 –, aufgebaut und betreut es seit nunmehr 18 Jahren durchgehend.

„Das ist mein Ding“ oder auch „Ich reise eben gern“ sind zwei charakteristische Kommentare, mit denen der Klarinettenlehrer lakonisch den Status Quo beschreibt. Geboren und aufgewachsen im Taunus, „Frankfurter Raum“, verschlug es den Hessen eher zufällig in den Norden. Schuld, dass er nach Buchholz und Uetersen 1990 schließlich in Pinneberg landete, ist seine Frau. In Darmstadt an der Musikhochschule studierte er Klarinette für Orchester und sie Gesang. Wer als Erstes eine gute Stelle ergattert, zieht den anderen mit, hatten sie ausgemacht. Noch heute singt Gerschlers Frau im Chor der Hamburger Staatsoper.

Er selbst hatte sich erste Sporen im Orchester des Darmstädter Staatstheaters und für zwei Jahre als erster Klarinettist in der Deutsch-Französischen Philharmonie erworben. Doch in Norddeutschland verlagerte der Virtuose seinen Schwerpunkt auf die Lehrtätigkeit. Seit 1992 unterrichtet Gerschler an der Musikschule in Pinneberg, mittlerweile fährt er auch einen Tag nach Flensburg und einen Tag in der Woche nach Rendsburg.

Auch wenn es ihm zwischendurch vielleicht selbst nicht passte: Den Probentermin fürs Klarinettenensemble – dienstags von 18.30 bis 20 Uhr – hat er in all der Zeit nie verändert. Das sei elementar. Gerschler ist mittlerweile ein ausgewiesener Fachmann in Ensemblebildung geworden. Neben Spielfertigkeit und Virtuosität sei es genauso „wichtig, dass die Jugendlichen altersmäßig und vom Typ her zusammenpassen.“ Können sie harmonieren, sei die entscheidende Frage. „Sinn und Zweck im Ensemble ist doch das Zusammenspielen“, erklärt er.

Dörte Jüdis, Ann-Kathrin Dittmer und Alena Engel, drei der momentan fünf Schülerinnen, nicken kräftig. Sie verstehen sich untereinander und sie verstehen sich mit ihrem Lehrer gut. „Genschler Tours“ nennen sie die Konzertreisen, die zusammenschweißen. Denn es sind nicht nur Fahrten zu verschiedenen Vorspielen. Da gibt es immer auch ein Kulturprogramm. „Kirchen und Essen“, wirft Dörte lachend ein. Der Lehrer lacht mit.

Gerschlers Konzept der Altersgleichheit ist also ein wichtiger Baustein für den Erfolg des Ensembles. Gemeinsam wächst die Gruppe fünf bis sieben Jahre, dann gehen die Schülerinnen ihrer Wege und eine neue muss aufgebaut werden. „Größenbegrenzung ist für mich immer ein VW-Bus“ – wieder so ein lakonisches Genschler-Statement.

Acht Schülerinnen höchstens – der Lehrer ist schließlich verantwortlich für die Jugendlichen. Die gefährlichste Situation haben seine Schützlinge allerdings verschlafen, erzählt der Klarinettist: das Erdbeben 2012 in der Emilia Romagna am letzten Tag ihrer Konzertreise. Eine Klarinette fiel vom Schrank, Gerschler war hellwach. „Ich wollte die Kinder retten“, sagt er. Als er dann aber zwei alte Italiener sah, die sich draußen völlig ruhig unterhielten, legte auch er sich wieder schlafen.

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