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Pinneberger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 10:03 Uhr

Kreis Pinneberg : Der leise Tod des Telefons

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Laut einer Studie kommunizieren immer mehr Jugendliche nur noch schriftlich miteinander. Experten sind sich aber noch uneins über die Auswirkung.

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2014 | 10:45 Uhr

Kreis Pinneberg | Kinder und Jugendliche des dritten Jahrtausends sprechen nicht mehr viel. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine jüngst veröffentlichte Studie des britischen Office of Communication. Messenger-Dienste, SMS und Soziale Netzwerke ersetzen demnach konventionelle Kommunikationskanäle wie das Telefon.

Ein Ergebnis der Studie: Wer heute zwischen 12 und 15 Jahre alt ist, wickelt beispielsweise gerade einmal noch drei Prozent seiner Kommunikation über das klassische Telefon ab, 94 Prozent kommunizieren hingegen fast ausschließlich über Textnachrichten wie WhatsApp und SMS sowie über soziale Netzwerke. 

Über eine Bewertung der Befunde schweigt sich die Studie weitgehend aus. Doch dass die neuen Kommunikationstrends die Sprachfähigkeiten junger Menschen negativ beeinflussen, liegt zumindest nahe. „Es gibt schon eine Art von Sprachverfall, der von den sogenannten Neuen Medien verstärkt wird“, sagt Sebastian Marcks vom Pinneberger Netzwerk Medienkompetenz. So würden Jugendliche weniger als früher in ganzen Sätzen sprechen, stattdessen flössen Akronyme aus dem Netzjargon in die Sprache ein. Ein Beispiel dafür sei die Abkürzung „Lol“, die für „Laughing out Loud“ (auf Deutsch „laut lachen“) steht. Marcks sieht allerdings Unterschiede im Bildungsniveau. „Gymnasiasten können ihr Sprachverhalten in der Regel besser steuern und an die Situation anpassen als Hauptschüler“, so Marcks.

Weniger kritisch sieht die Dortmunder Medienpsychologin Ute Ritterfeld die Entwicklung. „Die Angst, eine Chat- oder Jugendsprache könne die Alltagssprache ersetzen, ist völlig unbegründet. Denn Kinder sind in der Lage, mehrere Sprachcodes nebeneinander zu beherrschen“, so Ritterfeld.

Was das Sprechenlernen im Kleinkindalter angeht, so hätten laut Sonja Utikal vom Bundesverband für Logopädie, die Neuen Medien einen indirekten Einfluss. „Sprachfähigkeit wie auch Störungen sind zu einem großen Teil im Erbgut eines Menschen angelegt. Dennoch könnten Smartphones oder andere Medien störend sein – etwa, wenn eine Mutter pausenlos telefoniert, statt sich mit ihrem Kind zu unterhalten. „Das sprachliche Begleiten von Alltagshandlungen ist beim Sprechenlernen sehr wichtig“, so Utikal.

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