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„Das Weltall ist sein eigener Kosmos“ : Der Künstler Nikolai Estis spricht über prägende Jahre in Rellingen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nikolai Estis aus Moskau mit Wohnsitz in Pinneberg feiert 80. Geburtstag.

von
erstellt am 08.Aug.2017 | 17:00 Uhr

Rellingen | Wer erinnert sich nicht an die Zeit, in der der russische Künstler Nikolai Estis Ende der 1990er Jahre bis 2005 im Dachgeschoss des Rellinger Jugendhauses arbeitete und wohnte? Wer erinnert sich nicht an die dramatische Lebensphase, in der seine Frau Lydia Schulgina, ebenfalls eine anerkannte Künstlerin, gegen ihren Brustkrebs kämpfte? Und ihn 2000 verlor. Mit 43 Jahren. Wer erinnert sich nicht an Ausstellungen mit ihren und seinen Werken mit Malerei, Grafik und Skulptur? Am heutigen Dienstag werden sich viele an einen Geburtstagstermin erinnern: Nikolai Estis feiert seinen 80. Ehrentag.

„Engel“ – so hieß die Arbeit aus dem Jahr 2013, die der Künstler mit der bewegten und bewegenden Vita und jüdischen Glaubens der Gemeinde Rellingen erst Mitte Januar schenkte. Kulturausschuss-Vorsitzende Marianne Stock und Beate Kunze (Verwaltung) waren es, die das Werk als Dankesgeste von Estis entgegennahmen, nachdem die Ausstellung auf der Rathaus Galerie mit Tempera-Malerei von seiner Hand, die des Sohnes Alexander Estis, 1986 geborener Literat, sowie Plastiken seiner verstorbenen Frau wieder eingepackt war.

„20 Jahre in Deutschland“ lautete der programmatische Titel der Ausstellung. Und dass sich die Familie Estis Rellingen als Ausstellungsort erkoren hat, spricht für die Verbundenheit mit der Kommune und den dort lebenden Menschen. Silke Mannstaedt, heute Ressortleiterin für den Fachbereich Bürgerservice in der Verwaltung, war es, die sich damals um das sprichwörtliche Dach über den Kopf der Estis’ erfolgreich bemühte.

Kraftvolle Farben und Formen sowie aufwühlende Kompositionen auf der Leinwand – die Handschrift von Nikolai Estis, der in Pinneberg wohnt und noch sein Atelier in Hamburg-Veddel führt, ist einzigartig – und Resultat einer grundsoliden, zielorientierten Ausbildung: 1958 erlangte er das Diplom der Moskauer Künstlerisch-Graphischen Hochschule.

In mehr als 70 Einzelausstellungen konnte das Publikum sein Œuvre bestaunen, Arbeiten des Künstlers befinden sich in Museen und privaten Sammlungen vieler Länder der Welt, unter anderem in der Staatlichen Tretjakow-Galerie (Moskau) im Puschkin-Museum für Bildende Kunst (Moskau), im Staatlichen Literaturmuseum (Moskau), im Staatlichen Kunstmuseum Estland, in der Sammlung George Costakis, der Sammlung der Deutschen Bank sowie der Sammlung der Amerikanischen Akademie der Künste. Sein Name ist in die Enzyklopädie „Künstler aller Zeiten und Völker“ (München 2003) eingetragen.

Arbeit in Zyklen

„Eine Besonderheit des Schaffens von Nikolai Estis ist die Arbeit in Zyklen, deren jeder von einer eigenen Grundstimmung und einem inneren Sinn bestimmt ist: „Vögel“, „Engel“, „Figuren“, „Türme“, „Kompositionen“, heißt es in einer Kunstkritik. Seine Bilder seien gekennzeichnet durch spontane Malweise, Formschärfe, Vielfalt des Kolorits, improvisatorische Freiheit.

Estis genießt einen Ruf. Das belegen zeitgenössische Stimmen aus zurückliegenden Jahren. Elena Zhukova (Kunstwissenschaftlerin): „Nikolai Estis verfügt über die glückliche Fähigkeit, keinen Kunstrichtungen anzuhängen. Die Welten von Nikolai Estis sind von einer besonderen geistigen Substanz. Das Bild der Welt, das er erschafft, ist grandios und dramatisch. Jedes Fragment der Gemäldetextur enthält das Unermessliche. Das Weltall, welches die Malerei von Estis einschließt, ist sein eigener Kosmos, ausgedehnt in Zeit und Raum der Kunst.“ Leo Anninskij (Kritiker): „Nikolai Estis sagt: Dies ist das Chaos der Welt, doch darin verbirgt sich der Kosmos.“

Sofia Gubaidulina (Komponistin): „Die Werke von Nikolai Estis hinterlassen einen gewaltigen Eindruck.“ Und Andrea Fromm (Kunstwissenschaftlerin) betont: „Nikolai Estis bietet uns eine geheimnisvolle Verbindung zwischen der irdischen und der transzendentalen, der prophetischen und der realen Welt, was verstärkt wird von individueller schöpferischer Manier und Kolorit.“ Herzlichen Glückwunsch, Nikolai Estis.

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