Der „Krötenlotse“

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Seit 25 Jahren engagiert sich Bernd Heitmann für den Schutz der Amphibien in seiner Region rund um den Mühlenweg in Borstel-Hohenraden. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet er von schönen und schlimmen Erlebnissen und warum er nach all den Jahren immer noch nicht „amtsmüde“ ist.

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11. April 2018, 16:00 Uhr

Sein Blut ist vermutlich grün, behauptet Bernd Heitmann. Anders kann er es sich auch nicht so ganz erklären, warum er sich dem Amphibienschutz verschrieben hat – und das seit nun mehr 25 Jahren. „Ich war schon immer mit der Natur verbunden“, erklärt er. Von klein auf spielte diese eine gewichtige Rolle im Leben des Bernd Heitmann. Der Vater war Kohlhändler, die Landwirtschaft das tägliche Brot – da mussten die Kinder zwangsläufig mithelfen. Sein Schulleiter war auch nicht ganz unbeteiligt. „Der war damals Ausbilder bei der Kreisjägerschaft und hat mich einfach mal mitgenommen“, erinnert sich der Naturschützer.

Doch wie wird man zum „Krötenlotsen“, wie Heitmann sich und seinen Tangstedter Mitstreiter bezeichnet? „Ich saß damals auf der Terrasse und hörte nur zwei Mal ein fieses Geräusch – als wenn etwas platt gefahren wurde“, berichtet er und fügt an: „Da lagen dann zwei tote Kröten quasi vor meiner Haustür. Da wusste ich: Die können sich nicht von selbst retten.“

Also bastelt er eigene Warnschilder, um die Autofahrer rund um den Mühlenweg in Borstel-Hohenraden auf die Wanderstrecke der Amphibien aufmerksam zu machen. Später baut er noch einen provisorischen Zaun. Mit dem Neubau eines angrenzenden Golfplatzes nimmt die Arbeit immer mehr zu – die Amphibien vermehren sich in den künstlich angelegten Teichen der Anlage.

Das war 1993: Seither kommt der „Krötenlotse“ nicht von seiner Aufgabe los. Ist er denn in den vergangenen 25 Jahren nie „amtsmüde“ geworden? „Das kannst du im Innern nicht abstellen“, erklärt Heitmann und fügt lachend an: „Mein Tangstedter Kollege meinte zu mir: ‚Bernd, so lange wir laufen, machen wir weiter‘. Es ist vermutlich eine Art Helfersyndrom für Amphibien.“


Selbsternannter Naturschützer

Einem Naturschutzverein gehören die beiden nicht an. „‚Selbsternannter Naturschützer’ haben sie mich damals gerufen“, berichtet Heitmann. Früher hat ihn das gestört, heute empfindet er es als Auszeichnung. Unterstützt werden die beiden immer mal wieder von Freiwilligen. Das ist auch nötig: Insgesamt muss eine Strecke von etwa 500 Metern abgelaufen werden. Die Tiere werden entlang der Fahrbahn eingesammelt und in Sicherheit gebracht. Meist in den Abendstunden des Frühjahrs, wenn Laich-Saison ist. „Wenn die Dämmerung einsetzt, sind auch die Frösche und Kröten unterwegs“, erklärt Heitmann. Dann setzen sich die „Krötenlotsen“ in Bewegung – immer gut sichtbar in Warnwesten und mit Stirnlampen ausgerüstet. Denn noch schlimmer, als ein verletztes oder totgefahrenes Tier, sei ein verletzter oder totgefahrener Helfer.

In den 25 Jahren hat Heitmann schöne und schlechte Erlebnisse gehabt. Schlimm sei es, dass die Teiche immer wieder bewusst abgelassen oder gestaut werden. „Da sterben ganze Populationen von abgelaichten Eiern“, sagt Heitmann. Auch mit Angelvereinen musste er sich herumschlagen.


Schöne Momente überwiegen

Doch nach wie vor überwiegen die schönen Momente. So wie die Entwicklungszahlen: Konnten die Naturschützer 2016 242 Amphibien gegenüber 100 toten Tieren retten, sind es in diesem Jahr 882 Rettungen bei 107 totgefahrenen Fröschen oder Kröten. Warum die Zahlen sich so positiv entwickeln, kann Heitmann auch nicht genau sagen: „Vielleicht ist es nur ein Ausreißer nach oben. Aber natürlich ist es ein schöner Gedanke, wenn unsere Arbeit als Naturschützer ausschlaggebend dafür ist.“ Heitmann hofft, dass der Wanderweg der Amphibien in Zukunft noch besser geschützt wird. Doch dafür braucht es wie immer: Geld. 500 Euro kostet ein Meter eines Schutzzaunes – bei 500  Metern kommen da 250 000 Euro zusammen. „Wer will heute noch so viel Geld in den Naturschutz investieren?“, fragt Heitmann rhetorisch. Also werden er und seine Mitstreiter weiter machen – bis sie nicht mehr laufen können.
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