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Riesengroße Spendenbereitschaft : Der Kreis Pinneberg hilft Simon

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

2120 Menschen lassen sich im Kreishaus typisieren. Bis zu 200 Helfer gleichzeitig im Einsatz. Bundeswehr plant eigene Hilfsaktion.

shz.de von
erstellt am 30.Mär.2015 | 12:30 Uhr

Kreis Pinneberg | 2120 Menschen sind am Sonnabend dem Aufruf von Landrat Oliver Stolz und der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) gefolgt und haben sich typisieren lassen. „Die Hilfsbereitschaft ist beeindruckend“, sagte Landrat Oliver Stolz. Als er um 10 Uhr die 200 freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer im Foyer des Kreishauses begrüßte, warteten vor der Tür bereits die ersten potenziellen Spender für den an Leukämie erkrankten 26-jährigen Pinneberger Simon. Die Schlange wuchs immer weiter an.

Als der Landrat zusammen mit Annika Schirmacher von der DKMS um 11 Uhr offiziell die Typisierung eröffnete, hatte die Warteschlange eine Länge von mehr als 100 Metern erreicht. „200 Leute waren es bestimmt“, sagte Stolz und ergänzte nach einer kurzen Pause: „Wenn meine Schätzung da überhaupt ausreicht.“

Simons Familie, seine Freundin Sarah und Gastschülerin Regina, die derzeit bei der Familie lebt, verfolgten die Typisierungsaktion vor Ort. Seine Schwestern Sarah und Sophie versorgten Simon per „Whats App“ über die Ereignisse vor Ort. „Er wäre gerne hier gewesen und findet es sehr schade, dass er es nur aus der Entfernung verfolgen kann“, sagte Simons Mutter Kirsten.

Nach drei Stunden wurde bereits die erhoffte Marke von 1000 Menschen geknackt. Doch der Zustrom riss auch danach nicht ab. 2120 Registrierungen vermeldete die DKMS am Abend. Sichtlich bewegt sagte Simons Mutter: „Wir können nicht viel sagen, nur Danke. Es ist unglaublich, was heute passiert ist.“

Landrat als Schirmherr

Landrat Oliver Stolz erkannte seinen Dienstsitz kaum wieder. „Wer hätte gedacht, dass wir das Kreishaus so schnell in eine Begegnungsstätte mit medizinischem Bereich umwandeln können?“, fragte der Landrat. Er verfolgte als Schirmherr die Typisierungsaktion „Helft Simon“. 2120 Menschen gaben am Sonnabend ihre Blutprobe ab, um einen geeigneten Spender für den 26-jährigen Simon aus Pinneberg zu finden.

Anfang März hatte dieser die Diagnose Leukämie erhalten. Nun sucht die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) einen genetischen Zwilling für eine Knochenmark- oder Stammzellenspende. Besonders fasziniert war Stolz von der hohen Anzahl junger Helfer – sowohl als Spender als auch unter den bis zu 200 ehrenamtlichen und freiwilligen Helfern. „Es ist schön, dass heute so viele junge Leute gekommen sind. Da hat sich Social Media mal als sehr positives Instrument bewiesen.“ Im Vorfeld hatten sich bei Facebook 1114 Menschen registriert. Gekommen sind am Sonnabend fast doppelt so viele. 2120 Spender zählte die DKMS am Ende.

„Wir haben auf so viele Menschen gehofft, nachdem was bei Facebook los war, aber nicht damit gerechnet“, sagte Simons Schwester Sophie. Wie die gesamte Familie war sie vor Ort, sprach mit Helfern, nahm Geschenke und Genesungswünsche für Simon entgegen und informierte ihren Bruder, was im Kreishaus passierte. „Eine Zahl im Internet ist das eine, aber so viele Menschen dann wirklich vor einem zu sehen, dass ist etwas ganz anderes“, sagte Simons Mutter Kerstin und ergänzte: „Es ist kaum zu beschreiben.“ Wildfremde Menschen seien auf die Familie zugekommen, hätten ihr Bedauern ausgesprochen oder Zuspruch gegeben. „Einige haben mich einfach in den Arm genommen“, ergänzte Tochter Sarah. Simons Freundin hielt einen silbernen Schutzengel als Schlüsselanhänger und ein Holzherz in der Hand. „Den Engel hat mir eine Frau aus Wedel gegeben. Auch der Engel ist ein Geschenk für Simon, der ihm Kraft geben soll, sagte Sarah, die am frühen Nachmittag das Kreishaus verließ, um Simon im Krankenhaus zu besuchen. „Es ist unglaublich, wie viele Menschen sich angesprochen fühlten und hilfsbereit sind. Menschen, die ihn vorher nicht einmal gekannt haben“, sagte Simons Schwester Sarah.

 Am Eingang zum Kreishaus empfing Bezirksschornsteinfeger
Thomas Treichel die Besucher

Doch vor allem auch die, die Simon schon lange kennen, halfen. Conrad Mörke wies wie viele andere Helfer die Autofahrer auf dem Parkplatz ein: „Ich habe zwei, drei Mal mit Simon gefeiert. Ich bin froh, dass ich irgendetwas machen und helfen kann.“ Am Eingang zum Kreishaus empfing Bezirksschornsteinfeger Thomas Treichel die Besucher: „Ich bin von Helfern angesprochen worden, ob ich nicht als Glücksbringer kommen kann. Das war mir eine Herzensangelegenheit.“

Melanie Gut aus Pinneberg erläuterte, warum sie teilnahm: „Weil es einfach ist, ein wenig Blut zu geben und damit vielleicht ein Menschenleben zu retten.“ Simons Freunde Marcus und Paddy saßen an einer der DKMS-Stationen: „Er ist ein guter Freund von uns. Wir wollen und müssen helfen. Wir wollen am Ende sagen können, dass wir alles getan haben, was wir konnten.“

Regine und Werner Ludwig-Kirchner schlichen traurig aus dem Kreishaus – sie waren aufgrund der Altersgrenze abgelehnt worden. „Wir haben es im Mittwoch gelesen und hätten so gern geholfen“, sagte Regine Ludwig-Kirchner. Ihr Mann erklärte warum: „Wir haben selbst Kinder und wenn diese Hilfe bräuchten, würden wir uns auch so ein Engagement wünschen.“ Statt Blut spendeten die beiden Geld. Damit unterstützte auch die Leibniz Privatschule Elmshorn die Typisierung: 8642,77 Euro kamen bei einem Spendenlauf zusammen.

Die entnommenen Blutproben werden nun im Labor untersucht. „Ein Ergebnis wird in zwei bis acht Wochen vorliegen, ob ein passender Spender dabei war“, sagte Oliver Carstens, Pressesprecher des Kreises Pinneberg, der sich auch typisieren ließ. Er machte sich vor der Blutprobe übrigens selbst Mut: „Alle Kollegen haben gelächelt, als sie die Nadel in den Arm bekamen. Das will ich auch schaffen.“

Die Feldwebel-Schmid-Kaserne aus Rendsburg sagte ihre Teilnahme kurzfristig ab. Drei Reisebusse mit Soldaten waren erwartet worden. Allerdings war dies ein schweres Unterfangen. „Die Bundeswehr wird Anfang der Woche eine eigene Typisierungsaktion für Simon durchführen“, teilte Carstens mit, der Simon die Daumen drückt – wie vermutlich tausende Menschen aus dem Kreis Pinneberg und darüber hinaus. www.helft-simon.de

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