Der Krankheit mit Tanz begegnen

Sie sind glücklich, Betroffenen der Nervenkrankheit Parkinson mit einem neuen Programm viel Lebensmut zu geben: Heidi Hammerschmitt-Klatt (von links) vom VfL, Prof. Dr. Max Georg Nedelmann von den Regio-Kliniken, Tanzlehrerin Madeleine Morstadt und Dieter Fischer vom VfL.
Sie sind glücklich, Betroffenen der Nervenkrankheit Parkinson mit einem neuen Programm viel Lebensmut zu geben: Heidi Hammerschmitt-Klatt (von links) vom VfL, Prof. Dr. Max Georg Nedelmann von den Regio-Kliniken, Tanzlehrerin Madeleine Morstadt und Dieter Fischer vom VfL.

Sport Neues Programm für Parkinsonerkrankte beim VfL in Zusammenarbeit mit dem Regio-Klinikum Pinneberg

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02. Dezember 2017, 16:00 Uhr

300 000 bis 400 000 an Parkinson erkrankte Menschen leben in Deutschland, Tendenz steigend. Dass einige von ihnen in Pinneberg ansässig sind, ist daher sehr wahrscheinlich. Für diese Betroffenen bietet der VfL Pinneberg einen neuen Kursus an, der helfen soll, den Krankheitssymptomen entgegenzuwirken.

Tanzen hat bei Parkinsonerkrankten eine positive Auswirkung, das ist bewiesen. Prof. Dr. Max Georg Nedelmann, Leiter der neurologischen Station am Regio-Klinikum Pinneberg, hat aus diesem Grund die Initiative ergriffen und ist auf den VfL zugegangen: „Ich verfolge die Angebote des VfL schon lange. Hier wird Reha-Sport gelebt, was in meinen Augen nicht selbstverständlich ist.“ Dieter Fischer vom VfL sagt dazu: „Ich freue mich sehr, dass wir so einen Kursus jetzt ermöglichen können und danke Herrn Dr. Nedelmann für die medizinische Unterstützung bei der Umsetzung.“

Mitinitiatorin dieses Reha-Programmes ist auch Heidi Hammerschmitt-Klatt, Studioleiterin beim VfL. „Der Tanzsport ist ein großes Aushängeschild unseres Vereins“, erklärt sie. „Wir haben einen fantastischen Tanzsaal und eine fantastische Tanzlehrerin.“

Die fantastische Lehrerin heißt Madeleine Morstadt, ist 29 Jahre alt und seit 26 Jahren dem Tanz verschrieben. „Ich habe bisher Kindergruppen geleitet und auch Gruppen für Menschen mit anderen Krankheitsbildern. Diese Gruppe ist meine erste mit Betroffenen der Nervenkrankheit Parkinson und ich freue mich sehr auf die Teilnehmer“, sagt die ausgebildete Sport- und Gymnastiklehrerin. „Ich möchte, dass jeder diesen Raum mit einem Lächeln verlässt. “

Parkinson ist die am häufigsten auftretende Nervenerkrankung. Zentral bei dieser Krankheit ist ein Sterben der Nervenzellen im Gehirn. Diese Zellen enthalten den immens wichtigen Botenstoff Dopamin, der dafür zuständig ist, Informationen zu transportieren. Das wohl bekannteste Symptom der Krankheit, das Zittern, auch Tremor genannt, gab Parkinson den Namen Schüttellähmung. Wesentlich ist aber die zunehmende Bewegungseinschränkung der Betroffenen. „Die Erkrankten erfahren eine Beschränkung ihres Alltags. Das Zuknöpfen eines Hemdes wird zur Aufgabe“, berichtet Dr. Nedelmann.

Hier kommt das Tanzen ins Spiel, besser gesagt der Paartanz. „Paartanz beinhaltet drei zentrale Aspekte: Rhythmus, einen Partner, an dem man sich festhalten kann sowie große, ausladende Bewegungen“, so Dr. Nedelmann, „Hinzu kommt, dass die Atmung ganz kontrolliert ausgeführt werden muss.“ Tanzen verbessert das Gleichgewicht, die motorischen Fähigkeiten und die Fortbewegung. Es ist eine ganz neue Bewegungserfahrung für die Betroffenen.

Ein nicht zu verachtender Aspekt ist, dass Erkrankte durch den Kursus raus gehen und Kontakt mit anderen Menschen aufnehmen. „Viele Betroffene ziehen sich zurück und meiden die Öffentlichkeit. In diesem Kursus tanzen Menschen zusammen, die sich nicht kennen, aber die gleiche Geschichte mitbringen. Aber auch Paare sollen hier wieder etwas zusammen unternehmen und ihre Beziehung stärken, das Tanzen schweißt zusammen“, so Hammerschmitt-Klatt.

Zu der Präsentation des Tanzkursus haben sich bereits drei Paare eingefunden, fünf der sechs Teilnehmer leiden unter Parkinson. Ein Teilnehmer begleitet seine Frau. Schon bei der persönlichen Vorstellung stiehlt sich das ein oder andere Lächeln in die Gesichter. Alle tanzen sie gerne und freuen sich auf die Möglichkeit, dieser Leidenschaft unter Aufsicht und Anweisung nachzukommen und zugleich auch ihrer Erkrankung entgegenzuwirken.

Das Schnupperangebot beinhaltet drei Termine mit jeweils 45 Minuten Tanz. Die Kosten betragen für VfL-Mitglieder sechs Euro, für Nicht-Mitglieder 18 Euro. Anmeldungen nimmt die Geschäftsstelle unter Telefon (0 41 01) 55 60 20 oder per E-Mail an info@vfl-pinne berg.de entgegen. Immer dienstags, vom 5. bis 19. Dezember, finden sich die Teilnehmer im VfL, Fahltskamp   53, um 15.30 Uhr ein, um zu tanzen, Spaß zu haben und die Krankheit für einen Moment zu vergessen.

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