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Unfall im Atomkraftwerk : Der Katastrophenschutz probt Ernstfall

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Einsatzkräfte üben in Quickborn den Umgang mit einem Unfall im Atomkraftwerk. Manöverkritik fällt positiv aus.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Quickborn | Um 7.55 kam es am Sonnabend in der Gemeinde Wewelsfleth im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein zu einer Katastrophe: In dem „AKW Nord“ ereignete sich ein Unfall und Menschen waren der radioaktiven Strahlung ausgesetzt. Sie alle mussten nach Quickborn in das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium kommen, um eine Kontaminationskontrolle durchführen zu lassen. So lautete das Szenario der Übung des Katastrophenschutzes des Kreises Pinneberg.

Mehr als 200 Einsatzkräfte und Übungsteilnehmer von ABC-Dienst, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Rettungsdienst, DLRG und THW sowie des Landes Schleswig-Holstein und des Kreises Pinneberg errichteten in dem Gymnasium eine sogenannte Notfallstation zur Untersuchung und Erstbehandlung von möglicherweise radioaktiv kontaminierten Personen. Die gesamte Notfallstation wurde in Schwarz- und Weißbereiche abgetrennt, um eine Kontamination nicht kontaminierter Bereiche zu vermeiden. „Bei einem Unfall in einem Kernkraftwerk, aber auch auf Straße, Schiene oder Wasserweg kann es erforderlich werden, die Bevölkerung und die Einsatzkräfte hinsichtlich eventueller Strahlenbelastung zu überprüfen“, sagte Oliver Carstens, Pressesprecher des Kreises Pinneberg.

Mit dabei war Valerie Wilms (Bündnis 90/Die Grünen), Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Sicherheit und Ordnung des Kreises. Wie die anderen Übungsteilnehmer erhielt sie einen kurzen Lebenslauf ihrer fiktiven Person, die sie für das Szenario spielte, wann und wie lange sich die Person im gefährdeten Gebiet in Norddeutschland aufgehalten haben. Valerie Mustermann ist 15 Jahre alt, männlich und war der gefährlichen Strahlung ausgesetzt. Vorsorglich nahm sie bereits zwei Jodtabletten. Sieben Stationen musste sie durchlaufen. In der Notfallstation angekommen, wurde während der Kontaminationsvorprüfung eine leichte Kontamination festgestellt. So ging es für sie weiter zur dritten Station: Der Dekontamination.

Grünen-Politikerin Valerie Wilms war Teil der Übung: Während der ärztlichen Kontrolle wurden mögliche Nebenwirkungen abgefragt.
Grünen-Politikerin Valerie Wilms war Teil der Übung: Während der ärztlichen Kontrolle wurden mögliche Nebenwirkungen abgefragt. Foto: Caroline Hofmann
 

Neben gründlichem Hände waschen musste auch die Kleidung ausgezogen werden. „Die Kleidung ist ebenfalls kontaminiert, deswegen müssen wir sie entsorgen“, erklärte Timo Dierkens vom Löschzug-Gefahrgut (LZG) des Kreises Pinneberg. Nach einer weiteren Kontrolle wurde die Grünen-Politikerin „freigemessen“. Erst nach einer Abschätzung der Strahlenexposition sowie einer ärztlichen Kontrolle auf Nebenwirkungen wurde er aus der Notfallstation entlassen. Wilms war mit der Ausführung der Übung sehr zufrieden. „Ich finde es gut, dass wir regelmäßig diese Übung machen. Katastrophenschutz ist immer noch relevant. An Katastrophen kommen wir eben nicht vorbei“, sagte sie. Besonders lobte sie die Arbeit der Einsatzkräfte: „Diejenigen wissen, worum es geht. Sie sind alle gut instruiert und ich finde es sehr beeindruckend, wie das hier am Schnürchen klappt.“

Zirka 70 Teilnehmer wurden während der Übung in der Notfallstation aufgenommen, untersucht und behandelt. Die Manöverkritik von Jürgen Tober, Leiter des Katastrophenschutzführungsstabs fiel positiv aus. „Das Zusammenspiel aller Beteiligten hat sehr gut funktioniert. Damit wir im Einsatzfall optimal vorbereitet sind, sind solche Übungen unerlässlich.“

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