zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 22:55 Uhr

Uetersen : Der Kandidaten-Check zur Wahl

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Andrea Hansen (SPD), Bernd Möbius (unabhängig) und Andreas Faust (CDU) wollen am 21. September ins Rathaus einziehen.

shz.de von
erstellt am 13.Sep.2014 | 16:00 Uhr

Uetersen | Eine Woche vor der Bürgermeisterwahl in Uetersen macht unsere Zeitung den Kandidatencheck. Wir haben Amtsinhaberin Andrea Hansen (SPD), Bernd Möbius (unabhängig) und Andreas Faust (CDU) über die Zukunft der Rosenstadt befragt.

Wie wollen Sie die finanzielle Situation der Stadt verbessern?
Andreas Faust:
Ich habe mich dafür eingesetzt, dass die Stadt unter den „Rettungsschirm“ des Landes geht. Hier ist ein Vertrag geschlossen worden, der klare Rahmen aufzeigt. Bestimmte Hebe- und Steuersätze sind zu erheben. Dies ist schmerzhaft, aber für die Konsolidierung erforderlich. Aber auch spürbare Einsparungen bei den freiwilligen Leistungen sind notwendig. Die Stadt hat über ihre Verhältnisse gelebt und nun müssen wir das Niveau wieder auf ein finanzierbares Maß zurückführen. Für den Haushalt 2015 müssen wir alle freiwilligen Leistungen auf den Prüfstand stellen. Aber wir müssen auch den Blick für mögliche Kooperationen mit unseren Nachbarn schärfen. Man kann auf Dauer nicht mehr ausgeben, wie man einnimmt.
Andrea Hansen: Durch kluges punktuelles Investieren, denn Schulen und Infrastruktur müssen attraktiv bleiben, um neue Einwohner anzuziehen. Durch gerechtes Sparen, denn nur durch effizienten Mitteleinsatz können wir den kommenden Generationen neuen Spielraum verschaffen. Und die Verwaltungen im Kreis Pinneberg müssen noch mehr zusammenarbeiten, um Kosten zu senken.
Bernd Möbius: Indem der eingeschlagene Sparkurs konsequent fortgesetzt wird. Jede Ausgabe wird überprüft, neue oder zusätzliche müssen sich für die Zukunft betrachtet als wirtschaftlich darstellen (jüngstes Beispiel: Anschaffung von Netbooks für die Selbstverwaltung). Vielleicht könnten in dieser Phase der Konsolidierung auch Überlegungen in Richtung eines Bürgerhaushaltes angestellt werden. Dieser hätte den Vorteil, dass der Bürger den Sparkurs mit zu verantworten hätte und die Akzeptanz der eingeschlagenen Maßnahmen größer sein dürfte.

Wie kann der Handlungsspielraum vergrößert werden, damit Uetersen investieren kann, obwohl die Stadt unter dem Rettungsschirm des Landes ist?
Andreas Faust:
Ein Ansatz um den Handlungsspielraum zu vergrößern wäre die Mitgliedschaft in der AktivRegion gewesen. Leider hat die SPD einer Mitgliedschaft bisher immer widersprochen. Dabei könnte man für bestimmte Projekte Fördergelder aus dem Topf der EU akquirieren. Zwei Kernthemen sind hier z.B. „Ortskerne zukunftsfähig zu gestalten“ und „Lokale Bildungslandschaften aufbauen und stärken“. Zwei Themenfelder, die für unsere Stadt lukrativ sind.
Andrea Hansen: Durch einen neuen kommunalen Finanzausgleich, den der Landtag noch in diesem Jahr beschließen wird. Uetersen ist das Zentrum der Region. Die Städte leisten viel für das Umland, das muss auch in der Mittelverteilung endlich berücksichtigt werden. Wir erwarten mehr als eine halbe Million Euro, die uns jährlich neu zur Verfügung stehen werden.
Bernd Möbius: Hier gilt es in erster Linie, die Einnahmesituation der Stadt zu verbessern, d.h. die Stadt muss sich attraktiv für die Neuansiedlung von Handel, Gewerbe und Dienstleistungen aufstellen. Nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle ein großer Schulzweckverband mit LMG und Schwimmhalle, so dass kostenintensive Leistungen zum Wohle der Bürger der Region vergemeinschaftet werden.

Was für Möglichkeiten gibt es, den für Uetersen und Tornesch so wichtigen Ausbau der K22 voranzutreiben?
Andreas Faust:
Der Bau der K 22 ist eines der bedeutenden Infrastrukturmaßnahmen auf lokaler Ebene. Sie stärkt den Wirtschaftsstandort und entlastet den innerstädtischen Verkehr. Gemeinsam mit den CDU-Ortsverbänden Tornesch, Heidgraben, Neuendeich und Moorrege setze ich mich für den zügigen Ausbau ein, indem wir Druck auf die Landesregierung ausüben, zum Beispiel durch Unterschriftensammlungen, damit endlich das Planungsrecht geschaffen wird.
Andrea Hansen: Da hilft nur Überzeugungsarbeit im Kreistag und gegenüber der Landesregierung, wie mein Kollege Krügel und ich es tun. Die Metropolregion Hamburg ist der Wachstumsmotor – deshalb ist die K22 im Interesse des ganzen Landes. Aber wir müssen auch die Bahnhalte verbessern, denn das brauchen gerade die Pendler.
Bernd Möbius: Solange keine Mittel von Land oder Kreis zur Verfügung gestellt werden, kann nur der politische Druck erhöht werden, der aber keine Beschleunigung des Verfahrens beinhaltet. Diese vermeintliche Never-Ending-Story ist zudem um die Diskussion über den innerörtlichen Trassenverlauf in Tornesch bereichert worden. Um hier Genaueres sagen zu können, bräuchte ich eine Glaskugel.

Stichwort Wirtschaftsförderung: Wie wollen Sie Unternehmen vom Standort Uetersen überzeugen?
Andreas Faust:
Zunächst muss die Wirtschaft hier am Ort überhaupt wieder wahrgenommen werden. Dies geht nur über den persönlichen Kontakt. Und zwar über den persönlichen Kontakt auf Ebene des Bürgermeisters. Das ist die Ebene, um ein wirtschaftsfreundliches Klima zu schaffen. Dazu gehört noch die Verbesserung der Rahmenbedingungen wie zum Beispiel K 22, Breitbandversorgung. Starke kleine und mittelständische Unternehmen am Ort sorgen für Arbeitsplätze und stärken auch die Attraktivität Uetersens als Wohnort.
Andrea Hansen: Das tue ich bereits seit zehn Jahren, wir punkten mit exzellenten Schulen, bezahlbaren Wohnungen und einer hohen Serviceleistung der Verwaltung. Uetersen hat eine starke Industriesubstanz, kreative Kaufleute, einen guten Branchenmix und ein schnelles Internet für mehr als 8000 Haushalte. Wir müssen die Wirtschaftsförderung aber wieder aufstocken wie andere Kommunen – als Minijob ist das nicht zumachen.
Bernd Möbius: Hier gilt es, nicht nur die Gewerbeflächen vorzuhalten, sondern mit dem Gesamtpaket Uetersen zu punkten. Das bedeutet, Uetersen als eine attraktive und lebenswerte Stadt mit einem vielfältigen kuturellen Angebot, guten Bildungseinrichtungen und der nötigen Infrastruktur darzustellen. Im besten Sinne eine Stadt der kurzen Wege, auch in Bezug auf Entscheidungen für die Unternehmen.

Es gibt häufig Reibungen zwischen Politik und Verwaltung: Wie kann die Zusammenarbeit verbessert werden?
Andreas Faust:
Eine gute Zusammenarbeit entsteht durch gegenseitiges Vertrauen und Verlässlichkeit. Vertrauen auf die Aussagen, die getroffen werden, und Verlässlichkeit auf die Zusagen, die gemacht werden. Insbesondere hier besteht noch Verbesserungspotenzial. Zudem ist ein zeitnaher und umfangreicher Informationsfluss zu pflegen, wie er zurzeit leider zu wünschen übrig lässt.
Andrea Hansen: Reibungen gehören zum Geschäft, Politik heißt aber auch: Kompromisse suchen. 80 Prozent aller Ratsbeschlüsse erfolgen einstimmig. Von der Mensa über die Krippenplätze bis zur energetischen Sanierung ist uns gemeinsam viel gelungen.
Bernd Möbius: Über die Einschätzung „häufig“ ließe sich trefflich streiten. Aber wie es auch in einer normalen Beziehung immer wieder Reibungen gibt, so können diese letztendlich nur durch sachliche, konstruktive und ergebnisorientierte Gespräche gelöst werden. Emotionen und persönliche Animositäten sind hier fehl am Platz.

Dauerthema Innenstadt: Wie kann deren Attraktivität erhöht werden?
Andreas Faust:
Ein Lösungsansatz ist die Erarbeitung eines Leitfadens zur Steigerung der Attraktivität der Innenstadt. Eine Arbeitsgruppe aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung erarbeitet zunächst ein Stärken/Schwächen Profil. Hieraus werden dann Lösungsansätze entwickelt und in einem Bürgerworkshop konkretisiert und priorisiert. Eine Entwicklung geht nur im Dialog mit den Immobilieneigentümern, den Geschäftsleuten und „Kunden“. Nur wenn alle Seiten an einer Entwicklung interessiert sind, wird sie mittelfristig realisierbar sein.
Andrea Hansen: Sie ist schon hoch, denn wir haben ein echtes Stadtzentrum. Nach dem Gerberplatz wird jetzt die FuZo modernisiert, dazu ist aber auch der Einsatz der Vermieter und Kaufleute gefragt. Wir bleiben als Rosenstadt stark im Marketing. Die neue Aktion „Uetersen blüht auf“ weist in die richtige Richtung.
Bernd Möbius: Ich konzentriere mich bei dem Begriff „Innenstadt“ jetzt auf die Fußgängerzone und den Marktplatz. Da ist die Stadt durch das private Engagement mit der Bepflanzung einzelner Baumscheiben und der Idee des Beklebens von Stromkästen auf einem guten Weg. Weitere wichtige Punkte sind aber die fehlende Sauberkeit und der Leerstand von Geschäftsräumen. Hier gilt es, Eigentümer und Handel zusammenzubringen und mittels unkonventioneller Lösungen eine Neuvermietung zu ermöglichen. Aber auch jeder Einzelne darf sein Kaufverhalten hinterfragen und den Fachhandel durch Einkauf im Ort stärken.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert