Kreis Pinneberg : Der Kampf um Gleichberechtigung

Künftige Doktores? Studenten sollen künftig auch an Fachhochschulen – wie hier in  Wedel – promovieren können.
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Künftige Doktores? Studenten sollen künftig auch an Fachhochschulen – wie hier in Wedel – promovieren können.

Wissenschaftsministerin: Fachhochschulen sollen Doktortitel vergeben dürfen – Universitäten sehen Privileg bedroht

shz.de von
20. November 2013, 16:38 Uhr

„Endlich Gleichberechtigung“, jubeln die Fachhochschulen (FHs). „Tabubruch“, fürchten Universitäten, die ein Privileg verteidigen. Gemeint ist das Promotionsrecht für FHs, das Schleswig-Holsteins Wissenschaftsministerin Waltraud Wende (parteilos) bis Ende 2014 durchsetzen will. Für die Fachhochschulen ist das nach der Einführung der einheitlichen Bachelor- und Masterstudiengänge, welche die Unterschiede zwischen Unis und FHs verringert haben, eine weitere Chance, ihren Komplex loszuwerden. Den Komplex, Lehranstalten zweiter Klasse zu sein.

„An Fachhochschulen wird genauso geforscht wie an Universitäten. Also sollten sie auch dieselben Rechte haben“, verkündet Wende auf der Homepage ihres Ministeriums. Bei den Leitern der Hochschulen im Kreis Pinneberg rennt sie offene Türen ein. „Unsere Partnerunternehmen signalisieren, dass sie bei der Auswahl guter Bewerber kaum mehr Unterschiede zwischen den Absolventen der beiden Hochschultypen machen“, sagt Professor Georg Plate, Präsident der Nordakademie Elmshorn. Sollte eine Reform des Hochschulgesetzes kommen, rechne er sich gute Chancen aus. „Fachlich sind wir etwa im Prozessmanagement stark. Und für unsere Größe publizieren wir relativ viel.“ Wieviel wissenschaftliche Literatur Professoren produzieren, soll ein Kriterium dafür werden, ob das Promotionsrecht verliehen wird. Wende will keine allgemeine Zulassung, sondern das Recht auf „forschungsstarke“ Dozenten beschränken. Behält Plate Recht, könnte es bald einen Doktor Made in Kreis Pinneberg geben.

„Bisher ist völlig unklar, was forschungsstark heißt“, sagt Professor Wolfgang Bohlen, Rektor der Akad Fernhochschule Pinneberg. Auch wenn er die Pläne Wendes begrüßt, werden Promotionsstudenten für ihn wohl eine untergeordnete Rolle spielen. „Unsere Studenten leisten berufsbegleitend viel und sind zunächst sehr stolz über ihren Bachelor und Master.“

Professor Eike Harms, Präsident der FH Wedel, will endlich seinen eigenen Wissenschaftsnachwuchs. „Unsere Absolventen haben es schwer, an Unis einen Platz zu bekommen. Aber wir brauchen sie für unsere Forschung.“

Plate hofft, dass mit der neuen Option auch Top-Wissenschaftler in die Region kommen. „Vielleicht entscheiden sich gute Leute dann eher für uns, als etwa für München. Für uns wäre das ein Vorteil im Wettbewerb um die besten Abiturienten.“

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