zur Navigation springen

Von Afghanistan nach Pinneberg : Der Journalist Ahmad Hamed Akbarian wurde in seiner Heimat Afghanistan von den Taliban bedroht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der 25-jährige Journalist hat in Afghanistan für die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe gearbeitet. Das war den Taliban ein Dorn im Auge.

Pinneberg | Ein kleines Apartment in Pinneberg. Die Wände sind mit Schmetterlingen aus buntem Papier geschmückt. Das ist das Reich von Ahmad Hamed Akbarian. Der gebürtige Afghane hat ein Faible für die schönen Dinge. Akbarian ist ein sehr höflicher Mensch, der viel lächelt. Und ein guter Gastgeber. Er schenkt immer wieder Tee nach. Auf dem Tisch steht Süßes. Das ist gelebte Gastfreundschaft, ein Teil einer Willkommenskultur, mit der wir uns in diesen Zeiten der Flüchtlingsströme so schwer tun.

Akbarian ist ein Flüchtling. Einer von 293 in Pinneberg. Seit zirka 16 Monaten ist er in Deutschland. Seine Geschichte bewegt. Er erzählt sie auf Englisch, aber mit der deutschen Sprache, die er eifrig lernt, klappt es auch schon ganz gut. „Ich war vier Jahre auf der Flucht, ein halbes Jahr davon war ich in Gefangenschaft“, sagt der 25-Jährige. Er sei nicht nach Deutschland gekommen, um Geld zu machen, sondern wegen der Sicherheit.

Sicher – das war er in seinem Wohnort Herat, der im westlichen Afghanistan liegt, nicht mehr. Akbarian ist Journalist und arbeitete für die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe. Die International Security Assistance Force, kurz ISAF, war eine Sicherheits- und Wiederaufbaumission unter Nato-Führung in Afghanistan von 2001 bis 2014. „Warum arbeitest Du für Christen?“, hätten die Taliban ihn gefragt. Zunächst hat er sich davon nicht abschrecken lassen. „Die Nato ist gut. Sie hilft den Menschen“, sagt er auch im Rückblick. Die Taliban ließen nicht locker: „Auf der Straße wurde ich nachts, als ich von der Arbeit kam, angehalten und bedroht“, berichtet er. Dann kamen sie zu ihm nach Hause. Akbarian hatte große Angst. Darum flüchtete er zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern: Während seine Familie es vom Iran über die Türkei nach Griechenland und schließlich nach Deutschland schaffte, geriet Akbarian ins Visier der Polizei – die Familie wurde getrennt. Von Griechenland aus ging es für ihn zu Fuß nach Mazedonien und mit dem Auto nach Serbien. Zur Grenze nach Ungarn wurde er abgefangen und für sechs Monate hinter Gitter gebracht. Dann kam Post aus Deutschland von seiner Familie – und der junge Mann durfte hinterherreisen. Jetzt wohnt die Familie in Pinneberg – wenn auch nicht zusammen. Der junge Mann ist glücklich. Obwohl er wenig hat. In Afghanistan, wo sein Vater noch lebt, war Akbarian ein wohlhabender Mann. Aber weil er sich von seiner Überzeugung nicht abbringen lassen wollte, hat er den Schritt in eine ungewisse Zukunft gewagt.

Akbarian möchte etwas zurückgeben

„Ich danke der Regierung und der Pinneberger Verwaltung für ihre Hilfe“, sagt er. Und Akbarian möchte etwas zurückgeben: Darum geht er mit den anderen Flüchtlingen zum Arzt oder zum Ausländeramt. Er hilft, wo er kann. Besonders stolz ist er darauf, beim Theaterstück „Djihad für die Liebe“ mitgemacht zu haben. In „Djihad für die Liebe“ spielen junge Menschen, die gerade in Deutschland angekommen sind.

Es sind Flüchtlinge aus Afghanistan wie Akbarian und Hamburger Jugendliche mit verschiedenen kulturellen Hintergründen. Sie erarbeiteten das Stück unter Leitung der Tänzerin, Schauspielerin und Soziologin Irinell Ruf. Der provozierende Titel, der auch unter den Darstellern für Diskussionen sorgte, verweist auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Djihad“ in der arabischen Sprache: Es bedeutet sich anstrengen, sich bemühen.

Das passt zu Akbarian. Er ist angekommen in seiner neuen Heimat und will nie wieder nach Afghanistan zurückkehren. Sein Wunsch: Er möchte Journalismus in Hamburg studieren und schreiben in einem Land, das seinen Journalisten erlaubt, zu berichten, was sie wollen, ohne Gefahr zu laufen, dafür verhaftet zu werden. Deshalb hat Akbarian die Strapazen der Flucht auf sich genommen.

Die lokale Agenda 21 kümmert sich in Pinneberg um Flüchtlinge und freut sich über Spenden. Empfänger: Förderverein Agenda 21 Pinneberg BIC: NOLADE21SHO und IBAN: DE20 2305 1030 0015 0792 54 Verwendungszweck: Willkommenskultur für Flüchtlinge Pinneberg.
Karte
zur Startseite

von
erstellt am 22.Sep.2015 | 16:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert