Helgoland : Der Inselstreit eskaliert

Robben und Touristen kommen sich auf der Helgoländer Düne sehr nah.
Robben und Touristen kommen sich auf der Helgoländer Düne sehr nah.

Die Gemeinde torpediert Betreuungsvertrag zwischen Naturschutzverein Jordsand und Umweltministerium. Eigene Ranger geplant.

shz.de von
07. Mai 2015, 16:00 Uhr

Helgoland | Die Düne auf Helgoland ist so etwas wie der Augapfel der Insulaner, ihr Kleinod, ein Touristenmagnet für Badegäste und Robbenfans. Die Helgoländer haben sich deswegen auf einen Kreuzzug begeben. Sie wollen dafür kämpfen, dass ein Vertrag zwischen dem Land Schleswig-Holstein und dem Verein Jordsand, der die naturschutzfachliche Betreuung regelt, annulliert wird. Im zuständigen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (LLUR) in Flintbek und im Verein hinterlässt die Fehde Ratlosigkeit.

Der Hauptausschuss der Helgoländer Gemeindevertretung hatte am 28. April beschlossen, für eine Annulierung des Vertrags einzutreten. Außerdem wollen die Helgoländer zwei hauptamtliche Ranger einstellen, die sich um den Naturschutz auf der Düne kümmern. Inselbürgermeister Jörg Singer (parteilos) macht klar, wohin die Reise gehen soll: „Ich glaube, dass der Vertrag so nicht bleibt. Es wird entweder eine veränderte Zusammenarbeit geben oder gar keine.“ Singer und die Helgoländer fühlen sich übergangen, weil weder LLUR noch Jordsand darüber informiert hatten, dass ein Betreuungsvertrag geschlossen worden ist. „Wir waren überrascht und ich erwarte, dass man mit uns spricht. Die Düne ist unser Porzellan-Laden. Da kann man nicht mit Steinen werfen“, sagt Singer.

Viele Insulaner, ausgestattet mit einem tiefsitzenden Misstrauen gegenüber dem, was vom Festland kommt, haben Angst vor Fremdbestimmung. „Naturschutz, Flughafen und Tourismus bilden ein natürliches Spannungsfeld. Mit dem Vertrag sind Maßnahmen möglich, ohne mit uns als Eigentümer der Düne zu sprechen“, befürchtet Singer.

Die eigenen Ranger sind laut Singer beschlossene Sache. Die zwei Vollzeitstellen werden demnach von der Gemeinde bezahlt. Der ehrenamtliche Robbenjäger Rolf Blädel soll jedoch weitermachen. Zur Zukunft des Naturschutzes auf der Düne sagt Singer: „Ich habe von der Politik den Auftrag bekommen, Gespräche zu führen. Das ist jetzt Chefsache.“

Im LLUR hinterlässt das Gebaren der Helgoländer Kopfschütteln. Zur Entscheidung des Hauptausschusses sagt Martin Schmidt, Sprecher der Behörde: „Dieser Beschluss überrascht uns. Das ist eine unnötige Reaktion.“ Jordsand habe vor Jahren schon mit zwei Verträgen die naturschutzfachliche Betreuung des Felssockels und des Lummenfelsens übernommen. „Das läuft auch seit Jahren gut“, sagt Schmidt. In dem neuen Vertrag gehe es um Informationsmaterial wie Flyer, die Besucherlenkung und Vorschläge für Schutzmaßnahmen. „Nichts wird ohne die Gemeinde entschieden“, sagt Schmidt. Er räumt zwar Kommunikationsfehler ein. In der Sache ändere sich die Zusammenarbeit jedoch nicht. „Wir haben mehrere Vorschläge für Gesprächstermine gemacht, zuletzt für den 28. April. Bisher sind sie von den Helgoländern abgelehnt worden“, sagt Schmidt.

Der Kreis Pinneberg, als Untere Naturschutzbehörde (UNB) über den Betreuungsvertrag informiert, sieht sich nicht in der Pflicht. Es gebe aus Verwaltungssicht keinen neuen Sachstand. Das LLUR sei Herrin des Verfahrens, sagte Oliver Carstens, Sprecher der Kreisverwaltung. Er ergänzt: „Wir hoffen, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen.“

Der Verein Jordsand hält sich bedeckt. „Uns liegt an einer inhaltlichen Diskussion. Ich denke, dass es erhebliche Missverständnisse gibt. Ich möchte die Diskussion jetzt aber nicht öffentlich führen“, sagt Eckart Schrey, Vorsitzender des Vereins. Vor etwa drei Wochen habe er um einen Gesprächstermin gebeten. Bisher hätten die Helgoländer das jedoch intern debattieren wollen. Auch Schrey verweist auf eine seit vielen Jahren dauernde „gute Zusammenarbeit“ zwischen den Helgoländern und Jordsand.

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