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Im Portrait: Erich Schütz : Der Gründer des Musikerverbands Kreis Pinneberg legt sein Amt nieder

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Erich Schütz legt sein Amt als Vorsitzender des Musikerverbands Kreis Pinneberg nieder. Der musikalische Tausendsassa begann bereits mit 13 Jahren zu musizieren.

shz.de von
erstellt am 12.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Ellerbek | Was ihm lieb und wertvoll ist, verstaut Erich Schütz in einer Schrankwand aus dunklem Furnierholz in seinem Keller. Dort, zwischen Kerzenständern und Porzellanfiguren, liegen drei aufgeklappte Schatullen. „Mein ganzer Stolz“, sagt Schütz und nimmt ein Kästchen in die Hand. Darin liegt die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Früher habe man die Auszeichnungen oben im Wohnzimmer liegen gehabt, doch mit der Zeit seien sie in den Keller gewandert. „Es ist lange her“, sagt Schütz und klingt dabei kein bisschen wehleidig. „Es war eine tolle Zeit, aber ich muss Platz für andere machen.“

Schütz ist Musiker, doch er benutzt lieber andere Wörter um seinesgleichen zu beschreiben. Spielleute oder Laienmusiker nennt er sich und seine Kollegen, die die Musik nie zu ihrem Beruf gemacht haben. „Davon hätte man nicht leben können“, sagt der gelernte Maurer, der später Bautechnik studierte und beim Straßenbauamt in Itzehoe arbeitete. In der Region engagiert sich Schütz beim Musikerverband Schleswig-Holstein und gründete im Jahr 1981 den Kreisverband Pinneberg. Bis 1983 war er dort Vorsitzender. 2010 erhielt er das Amt zum zweiten Mal. Heute Abend gibt er es ab. Ein Musikerleben von einem Laien, der nach Professionalität strebte, weil es ihm Spaß gemacht hat.

„Manche rümpfen bei Laienmusik die Nase und meinen, dass wir nicht mal nach Noten spielen“, erzählt Schütz. Mittlerweile ein Irrglaube, was auch ihm selbst zu verdanken ist. Er setzt sich für die Ausbildung von Musikern ein, gibt Lehrgänge und organisiert Schulungen. Seine Lust am Erklären kennt auch die Ehefrau gut. „Wenn Sie länger bleiben, bringt er Ihnen noch Noten bei“, scherzt sie, als sie kurz an der Tür vorbeihuscht.

Angefangen hat Schütz Musikerkarriere eher zufällig mit einem Volksfest 1952. „Die Mädchen gingen mit geschmückten Bügeln und die Jungs sollten Rosenstäbe tragen. Aber das wollte ich nicht, das war mir peinlich. Deshalb bin ich in den Spielmannszug eingetreten. Der lief immer voran“, erzählt der 71-Jährige. Mit neun Jahren lernte er Querflöte beim Spielmannszug des TSV Ellerbek und schon mit 15 Jahren übernahm er die musikalische Leitung. Dabei wäre er zwischendurch fast rausgeschmissen worden. Weil er zu genau war.

Nicht immer passte alles zusammen

Mit 13 habe er seinen ersten professionellen Unterricht bekommen. Der Junge lernte Noten zu lesen und hielt sich beim Spielen dran – zum Ärger manch eines Musikfreundes. „Damals wurde nach Griffzahlen gespielt“, erzählt Schütz. Nicht immer passte alles zusammen.

Schütz bildete sich weiter, lernte neue Instrumente und stieg in verschiedene Musikvereine ein. Er wechselte die Seite, wurde vom Schüler zum Ausbilder, vom Spieler zum Dirigenten und irgendwann zum Landesmusikdirektor des Musikerverbands. Ein Tausendsassa, getrieben von einem Wissensdrang nach allem, was mit Musik zu tun hat. So lernte er Lyra, Tenorhorn, Flöte, Fanfare und Marimba „und ein bisschen Gitarre kann ich auch“. Warum so viel? „Weil ich als Dirigent ein Verständnis davon haben muss, wie Musik sich zusammensetzt. Und weil ich als Ausbilder wissen muss, wie schwierig ein Instrument zu erlernen ist.“ Wie stark diese Neugier und die Lust auf das Musizieren ist, lässt sich leicht in seinem Wohnhaus feststellen. An jeder Ecke stehen Instrumente, von Pfeifen in der Schrankwand bis zur Handtrommel zwischen Aktenordnern.

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„Wenn ich etwas aufgebaut habe, habe
ich es auf dem Höhepunkt wieder abgegeben.“
Erich Schütz

Musikerverband-Vorsitzender
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Wenn Schütz von Musik spricht, geht es immer um Details. Er erzählt von scharfen Flötenklängen, die sich durch das Marimba abmildern lassen, oder er zeigt die Glocke, die beim Lied „Lummerland“ zum Einsatz kam. Als Dirigent hat er gelernt, Musik kleinteilig zu betrachten und als Summe vieler Teile zu verstehen. Auch darum wird er seit den 1970er Jahren als Wertungsrichter eingesetzt. Bei musikalischen Wettbewerben im ganzen Bundesgebiet sitzt Schütz in der Jury. Auch bei musikalischen Großveranstaltungen ist er vor Ort: „Beim Bundesturnfest 1978 in Berlin habe ich 2000 Spielleute bei einem Sternmarsch zum Schöneberger Rathaus geführt.“

Nun soll es ruhiger werden. Schütz gibt sein Amt beim Musikerverband ab und will den Vereinen künftig vor allem als Berater beistehen. „Ich möchte Jüngeren Platz machen“, sagt er am Anfang des Treffens. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Als Mensch, der gelernt hat Musik zu durchschauen, gibt er im Laufe des Gesprächs mit dieser Zeitung noch eine andere Erklärung: „Ältere Menschen hören viel weniger. Nur noch bis 18.000 Hertz oder weniger. Da muss man aufpassen.“ Schlimm findet er das Aufhören aber nicht. „Wenn ich etwas aufgebaut habe, habe ich es auf dem Höhepunkt wieder abgegeben“, sagt Schütz, „Das habe ich immer so gemacht.“

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