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Pinneberger Tageblatt

17. August 2017 | 04:38 Uhr

Quickborn : Der Gronauquerung droht das Aus

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) redet Klartext: Es gibt kein Geld vom Land für die Umgehungsstraße. Erhalt und Sanierung statt Neubau.

Quickborn | Klare Kante von Reinhard Meyer (SPD), Verkehrsminister des Landes Schleswig Holstein: „Vom Land wird es kein Geld für den Bau der Gronauquerung geben“, sagte er am Mittwochabend während eines Besuchs des SPD-Ortsvereins in Quickborn. Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Eckhard Schramm hatte den Minister eingeladen, um mit ihm über mögliche Verkehrsprojekte in Quickborn und Ellerau zu diskutieren.

Meyer begründete seine Aussage damit, dass die Landesregierung im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) eine Umverteilung beschlossen habe mit dem Ziel, dass mehr GVFG-Mittel in den ÖPNV als in den Bau neuer Straßen fließen sollen. Es gelte „Erhalt und Sanierung statt Neubau“, erklärte Meyer. „Das Land steckt deutlich mehr Geld in den Erhalt und die Sanierung“, unterstrich er seine Aussage. Und weiter: „Es werden nur noch Neubauprojekte finanziert, die schon länger in der Pipeline sind“, erklärte er. Als Beispiel nannte er die K22 und die Westumgehung in Pinneberg.

Auch der Umstand, dass die Gronauquerung durch ein Fauna-Flora-Habitat verlaufen würde, kam zur Sprache: „Man könnte Ausnahmen machen. Das führt aber zu erheblichen Auflagen und zu höheren Kosten“, lautete Meyers Fazit.

Für die Mitglieder des SPD-Ortsvereins waren Meyers Aussagen Wasser auf die Mühlen. Während die CDU die Ortsumgehungsstraße, die das Gewerbegebiet mit der Malchower Brücke verbinden soll, favorisiert und das Projekt vorantreiben will, setzt die SPD auf ein eigenes Verkehrskonzept, um die stark befahrene Bahnstraße (L76) zu entlasten.

Jens-Olaf Nuckel (SPD) stellte es dem Minister vor: Im Wesentlichen sieht das Konzept der Sozialdemokraten vor, den Verkehr von der Autobahnabfahrt auf die Ulzburger Landstraße zu führen. Damit werde auch das Problem der sehr schmalen Brücke über die A 7 an der Ulzburger Landstraße beseitigt. Von dort soll der Verkehr über den Harksheider Weg an die Kieler Straße geführt werden. „Wir wollen die Verkehre aus der Stadt führen, die CDU würde die Verkehre mit der Verbindungsstraße in die Stadt führen“, so Nuckel. Meyer ließ durchblicken, dass dieses SPD-Verkehrsprojekt mehr Chancen auf Fördergelder vom Land habe.

Um den Verkehr auf der Bahnstraße zu entlasten, präferiert Ellerau eine ganz andere Lösung als die Gronauqeurung. Bürgermeister Eckart Urban (SPD), der an dem Gespräch mit Meyer teilnahm, setzt auf die Beseitigung des ebenerdigen AKN-Bahnübergangs auf der Bahnstraße, um den Verkehrsfluss aufrechtzuerhalten. Wenn die Schranken unten sich, stauen sich derzeit die Fahrzeuge. Lösung: Unter anderem wäre eine Unterführung der AKN-Schienen oder eine Überführung der Straße möglich.

Meyer informierte darüber, dass es in diesem Fall ein eigenes Projekt nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz geben werde. Das sei die gesetzliche Grundlage. Da es sich um eine Landesstraße handele und das Land Miteigentümer der AKN sei, müsse es dieses Projekt auch mitfinanzieren. Nach neuesten Schätzungen kostet die Trogvariante 30 bis 35 Millionen Euro.

Urban bot Meyer an, dass die Gemeinde in Vorleistung trete, um im Zuge einer weiteren Planungsverfeinerung die Kosten zu ermitteln. Den Vorschlag fand der Minister gut, er wolle das zunächst mit seinen Fachabteilungen noch im Einzelnen besprechen. Doch Meyer stellte abschließend klar: „Es wird nur ein Projekt geben.“ Entweder die Beseitigung des höhengleichen Bahnübergangs oder die Gronauquerung. Doch Meyers Aussage, dass es keine Fördergelder für letzteres Projekt gebe, legt das Aus für die Ortsumgehungsstraße nahe.

Anfang des Jahres hatte die Verwaltung eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Ein erster Entwurf liegt zwar vor, soll aber erst im November vorgestellt werden. Sollte die Lokalpolitik die Umgehungsstraße durch das Gronautal beschließen, müsste Quickborn die Kosten in voller Höhe selbst übernehmen. Derzeit wird von zehn Millionen Euro ausgegangen. Die SPD rechnet indes mit mehr.

„Es sind Kosten im zweistelligen Millionenbereich. Das ist nicht realisierbar“, so die Einschätzung des SPD-Landtagsabgeordneten Kai Vogel. Er begleitete den Minister. „Wir diskutieren in Quickborn bei Vereinen und Verbänden über Zuschüsse von 100 Euro, aber wollen die Portokasse ausräumen für zehn Millionen Euro“, sagte Nuckel.

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erstellt am 19.Sep.2014 | 10:00 Uhr

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