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Veranstaltungstipp für Hamburg : Der Grantler des Folkpop ist zurück

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Messias wider Willen: Bob Dylan gibt zwei Konzerte im Hamburger CCH.

Wenn es am Wochenende im Hamburger CCH nach Kräften knarzt und greint, ist diesmal nicht das abgesessene Mobiliar der in die Jahre gekommenen Messehalle Schuld. An zwei Tagen in Folge gibt sich vielmehr Robert Allen Zimmermann alias Bob Dylan die Ehre.

Der wohl wichtigste Interpret der Folkrock-Ära hat es sich bereits seit Mitte der 70-er Jahre zur Gewohnheit gemacht, seine Erfolgstitel mit heiserem Organ bis zur Unkenntlichkeit zu zerstören und gleichsam neu zusammenzusetzen. Mit zunehmender Zerschlissenheit seiner Stimme erhob es der Nachfahre ukrainisch-jüdischer Immigranten geradezu zum Konzept, sich den Melodien seiner Hits und Standards zu verweigern und diese stattdessen in kaum wiederzuerkennendem „Gebelfer“ vorzutragen.

Es war vor allem die Abneigung gegen die kultische Verehrung seiner Person, die den damals vom Folk zum Rock konvertierten Poeten zunehmend abstieß und dazu animierte, in ihn gesetzte Erwartungshaltungen bewusst zu enttäuschen.

Wer den Altmeister vor zwei Jahren im Doppelkonzert mit Mark Knopfler in der 02World erlebte, konnte Jahrhundertsongs wie „Blowin’ in the wind“, „Knockin’ on heaven’s door“ oder „A hard rain’s a -gonna fall“ allenfalls mit Glück durch vereinzeltes Heraushören von Textfetzen wiedererkennen.

Mit seinem 2012 erschienenen Album „Tempest“ strafte der mittlerweile 72-Jährige dann doch nochmal alle Kritiker Lügen, die eine Renaissance der einst virtuosen Singstimme des kauzigen Barden längst in den Wind geblasen hatten – um im Bilde zu bleiben. Der Shakespearesche Sturm als Sinnbild der Apokalypse: Das religiös geprägte „Tempest“, das aus dem Stand die Spitzen der Charts erklomm, erwies sich noch einmal als spätes Meisterwerk des mit zahlreichen Grammys ausgezeichneten Ausnahmetalents. Das 14-minütige epische „Titanic“ schildert den Untergang des Ozeanriesen in detaillierter Abfolge. „Roll on John“ versteht sich als später Tribut an John Lennon, „Soon after midnight“ hingegen beschreibt die Eskapaden einer Liebesbetrügerin auf der Durchreise.

Nach seiner Hinwendung zum Christentum während der 70-er Jahre und etlichen Einschlägen und Krisen in den 80-er Jahren befindet sich Dylan gemäß der scherzhaften Einordnung eines Journalisten nun bereits seit einem Vierteljahrhundert auf einer „Neverending Tour“.

Im CCH können die Fans des pressescheuen Barden ihrem Idol an zwei Tagen noch einmal so richtig nahekommen. Dass der Purlitzerpreis-gekrönte Messias allzu viele Worte an seine Jünger richten oder gar lächeln wird, sollte von diesen erfahrungsgemäß besser nicht erwartet werden.

Bob Dylan, CCH, Marseiller Straße, Bhf Dammtor, 19. und 20. Oktober, jeweils 20 Uhr , 56 bis 96 Euro

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erstellt am 17.Okt.2013 | 16:00 Uhr

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