zur Navigation springen

Kreis Pinneberg : Der Gelbe Sack steht vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Kreis Pinneberg fallen jedes Jahr 144.550 Tonnen Abfall an. Die Kritik am Dualen System wird lauter. Deshalb soll die Wertstofftonne kommen. Ein Gesetzesentwurf soll im Herbst vorliegen.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Jeder Kreis Pinneberger produziert 483,7 Kilogramm Müll pro Jahr. Insgesamt fallen damit im Kreis nach Angaben des Statistikamts Nord 144.550 Tonnen Abfall an. Das stinkt nicht nur zum Himmel – sondern dahinter existieren auch komplizierte Systeme der Entsorgung und Verwertung. Der Grüne Punkt ist eines davon, das zudem immer mehr in die Kritik gerät. Etwa 25 Prozent des Mülls, der im Kreis anfällt, sind Wertstoffe. Wenn es nach einigen Experten geht, steht der Gelbe Sack vor dem Aus und das Duale System Deutschland (DSD), das die Verwertung von Milchtüten, Joghurtbechern und anderen Verpackungen regelt, hat versagt. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert gar, das Recycling der kommunalen Abfallwirtschaft zu übergeben.

Der VKU hat dazu ein Gutachten beim Betriebswirtschaftlichen Institut für Abfall- und Umweltstudien (Bifas) in Auftrag gegeben. Ergebnis: „Das System Grüner Punkt hat nicht gehalten, was es versprochen hat“, so VKU-Vizepräsident Patrick Hasenkamp. Dem Gutachten zufolge trennen Bürger Müll heute weniger als vor zwei Jahren. 2,4 Millionen Tonnen pro Jahr gesammelter Leichtverpackungsabfälle in Deutschland gelten als „Fehlwürfe“. Hinzu kommt, dass immer mehr Firmen die vorgeschriebene Entsorgung umgehen. Abfallmengen werden durch Lösungen wie „Eigenrücknahme“ oder „Branchenlösungen“ einfach „wegdefiniert“.

Und, was eigentlich einst durch die Einführung des DSD verhindert werden sollte, ist der Studie des Bifas zufolge schlimmer geworden: Der Anteil der Kunststoffverpackungen hat sich in den vergangenen Jahren um 25 Prozent erhöht. Außerdem werden nur 20 Prozent der Kunststoffmaterialien wiederverwertet. Für VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck steht deshalb fest: Der Grüne Punkt gehört abgeschafft. „Das duale System kostet die Verbraucher jährlich zirka eine Milliarde Euro.“

Im Kreis Pinneberg stößt der Vorstoß des VKU auf offene Ohren. „Wir unterstützen die Forderung grundsätzlich“, so Marc Trampe, Sprecher der Kreisverwaltung. Und auch die Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung (Gab) im Kreis Pinneberg, die Mitglied im VKU ist, begrüßt den Vorschlag, die Entsorgungsverantwortung auf die Kommunen zu übertragen. „Das System ist mit elf Betreibern eine Fehlkonstruktion“, sagt Jens Ohde, Geschäftsführer der Gab. Diese vergeben die Einsammlung und Sortierung der sogenannten Leichtverpackungen (LVP), bei denen es sich um Kunststoffe, Verbundstoffe, Aluminium und Weißblech handelt und die zumeist mit dem Grünen Punkt gekennzeichnet sind. Im Kreis Pinneberg übernimmt das die Gab, deren Hauptgesellschafter der Kreis ist.

Zum ersten Mal drohe weniger Geld in den großen Topf zu fließen als Kosten zu decken seien, da Hersteller und Handel weniger Lizenzentgelte bezahlten. „Es besteht das Risiko, dass die Systembetreiber nicht zahlen können, deshalb macht der VKU Druck“, so Ohde. Und weiter: „Letzten Endes sammelt keiner mehr Gelbe Säcke ein.“ Deshalb müsse die Verpackungsverordnung insofern geändert werden, als die Kommunen die Systemführerschaft bekommen, fordert er.

Der VKU schlägt vor, das System im Zuge der Einführung des Wertstoffgesetzes zu refomieren. Der Entwurf soll laut Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) im Herbst vorliegen. Er sieht eine Wertstofftonne vor, in die dann zusätzlich zu Gelben-Sack-Verpackungen auch andere Gegenstände aus Kunststoff und Metall kommen. Bis dahin stehen aber Fragen offen. So muss geklärt werden wer in Zukuft die Verantwortung für den Müll trägt – so, dass es möglichst Umwelt, Kommunen und Verbraucher zugute kommt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen