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Pinneberger Tageblatt

11. Dezember 2017 | 13:12 Uhr

Der Friedhof als Ort der Begegnung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Pinneberger Begräbnisstätte ist nicht konfessionsgebunden / Traditionelle Gräber geraten aus der Mode

von
erstellt am 20.Sep.2014 | 12:26 Uhr

Die Sonne scheint, Vögel zwitschern und von der Sportanlage an der Raa schallen die Rufe der Sportler – auf dem Stadtfriedhof Pinneberg herrscht eine entspannte Atmosphäre. In der Nähe der Kapelle bereiten sich ein Bestatter und seine Mitarbeiter auf eine Beisetzung vor und richten ihre Kleidung, während sie sich mit leiser Stimme unterhalten. Die Mitarbeiter des Kommunalen Servicebetriebs der Stadt, der sich um die Pflege der Anlage kümmert, sind in kleinen Gruppen unterwegs und harken die Wege oder mähen Rasen. „Ein Friedhof kann naturnah sein, aber auch gepflegt“, sagt Guido Roschlaub (Foto), der technische Leiter des Friedhofes, mit Blick auf seine Kollegen.

Auf dem 15 Hektar großen Gelände am Hogenkamp ist am Freitagmorgen noch wenig los. „Der Friedhof ist ein Ort der Begegnungen“, sagt Roschlaub. In der Kapelle finden regelmäßig in Zusammenarbeit mit der Musikschule Konzerte statt, zahlreiche Bänke in der Nähe der Grabstätten laden zum Verweilen ein.

Vieles hat sich verändert, seit 1942 als erstes ein russischer Soldat beerdigt wurde, trotzdem legen Roschlaub und sein Team weiterhin Wert auf Bewährtes. „Unsere Vorgänger haben hier etwas Tolles gestaltet“, so der gelernte Gärtner. Vor Neuerungen wird sich jedoch nicht verschlossen. Und das aus gutem Grund: „Die Entscheidungen für traditionelle Gräber sind rückläufig“, berichtet er. „Die Leute haben Angst, dass ihre Gräber verwahrlosen, weil sich keiner kümmern kann“, begründet er die Entwicklung.

Daher gibt es auf dem Friedhof nun viele verschiedene Möglichkeiten der Beisetzung. Eine davon ist das Urnennaturbestattungsfeld. Umrahmt von hohen Bäumen und neben einer Wildblumenwiese werden die Urnen unter die Erde gebracht. An zwei Baumstämmen besteht die Möglichkeit, Namentafeln anzubringen. Auf einigen liegen einzelne Blumen. Auch wenige Schritte weiter ist ein Urnenfeld. Auf einigen Gräbern gibt es Blumen oder kleine Lichter, obwohl die Friedhofsverwaltung die Pflege übernimmt. „Die Leute wollen etwas tun, wenn sie hier sind“, sagt Roschlaub.

Jede Grabstätte sieht anders aus. Der Kreativität der Gestaltung würden dabei laut Roschlaub wenige Grenzen gesetzt. „Da kommen keine wilden Sachen,“ merkt er an. Während eines Rundgangs auf dem Friedhof zeigt er auf verschiedene Steine. Mal wird etwa ein kleiner unpolierter Stein als Grabmal genutzt, ein anderer zeigt eine fröhliche Sonne und Herzen. Natürlich gibt es auch traditionelle Steine, auf denen Name und Daten eingraviert sind. Eine Pflicht dazu gibt es nicht.

Im Eingangsbereich entsteht seit einem Jahr ein Kindergemeinschaftsfeld, hier sind kaum Steine zu sehen. An zwei Bäumen hängen Sterne, um den als Sternenkinder bezeichneten Babys, die vor, während oder nach der Geburt versterben, zu gedenken. Über die Kinder und Sternenkinder soll ab Oktober eine Statue, die einzige auf dem Gelände, wachen.

Der Stadtfriedhof ist konfessionslos. Lediglich ein Feld, das jüdische, ist einer Konfession gewidmet. Ansonsten liegen unterschiedliche Religionen und Nationen nebeneinander. Auch auf dem Soldatenfeld, auf dem lediglich Opfer des Zweiten Weltkrieges begraben sind, liegen Menschen aus unterschiedlichen Ländern. „Im Tod ist Frieden“, sagt Roschlaub.

Zwar sei der Friedhof in erster Linie Begräbnisstätte, aber durch Natur vor Ort sehr artenreich. Roschlaub und sein Team engagieren sich für die Natur. So werden tote Bäume nicht abgeholzt, sondern so gestutzt, dass der Stamm für Insekten und Spechte stehen bleibt. Eine ehemals als Erweiterungsfläche eingeplante Wiese im hinteren Bereich wird durch kleine Teiche zum Amphibienparadies. Etwas weiter steht eine kleine Trockenmauer für Insekten. „Die Leute schätzen es, dass auch mal ein Eichhörnchen auf dem Stein sitzt“, sagt Roschlaub. Und inzwischen würde sogar ein Grünspecht in der parkähnlichen Anlage brüten. „Dieser Friedhof ist für viele Besucher ein Ort der Ruhe, das beobachten wir immer wieder“, so Roschlaub.

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