Schulen in Hamburg : "Der Erzbischof entscheidet"

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Christian Bernzen

Die Hamburger Schulgenossenschaft will die Zukunft der katholischen Schulen in der Hansestadt sichern. Genossenschaftsgründer Christian Bernzen spricht im Interview über Konflikte in der Kirche und eine wichtige Deadline.

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04. Juli 2018, 16:00 Uhr

Hamburg | Es sieht schlecht aus für die Hamburger Schulgenossenschaft. Wichtige Gremien des Erzbistums haben sich in der letzten Woche gegen eine weitere Zusammenarbeit mit der Initiative entschieden. Unsere Zeitung sprach dazu mit ihrem Gründer, Professor Christian Bernzen.

Frage:  Herr Professor Bernzen, die Gremien des Erzbistums haben Ihnen den Stuhl vor die Tür gesetzt. Und auch Erzbischof Stefan Heße dürfte in dieser Woche die Zusammenarbeit mit Ihnen beenden. Haben die Pläne der Hamburger Schulgenossenschaft noch eine Chance?

Bernzen: In der katholischen Kirche gibt es ja die Mitberatung der Gremien, aber auch die klare Ordnung, wer zu entscheiden hat. Insofern ist jetzt Erzbischof Stefan Heße an der Reihe, zu entscheiden – so wie es sich nach dem Kirchenrecht gehört.

Was erwarten Sie von Erzbischof Stefan Heße?

Ich gehe davon aus, dass er alles daran setzt, verantwortlich zu entscheiden. Ich hoffe, dass im Zentrum die Botschaft der Kirche steht: Die gute, Hoffnung machende Nachricht, die auch in Hamburg hörbar bleiben soll.

Geht das aber nicht auch ohne katholische Schulen?

In Hamburg ist es so, dass die Katholische Kirche nach der Reformation nach dem Muster „Schule vor Kirche“ gegründet wurde. Als erstes gab es die Schulen, dann die Gemeinden. Deswegen sind die Schulen bis heute das Rückgrat der Kirche in Hamburg. Und nach den geplanten Schließungen wäre die katholische Kirche in Hamburg nicht mehr die Kirche, die sie heute ist. Was sie danach sein könnte, hat man sich in Wahrheit noch gar nicht ausgedacht.

Wie weit waren denn die Gespräche bis zur Entscheidung der erzbischöflichen Gremien aus Ihrer Sicht gekommen? Wo standen Sie?

Wir hatten einen groben Rahmen zur Zukunft der Schulen verabredet. Und wir hatten angefangen, ihn mit Einzelvereinbarungen zu füllen. Es war klar, dass bis zum 5. Juli – dieses Datum hatten wir uns gemeinsam als Termin für das Ende der Gespräche gesetzt – keine konkrete Lösung für alle Probleme erreichbar war. Deshalb hätten wir dann, wenn es so weitergegangen wäre, wie geplant, eine Lösung mit Verfahrensverabredungen vereinbart, was ja übrigens auch anderswo im öffentlichen Leben ständig vorkommt.

Wenn Sie ein Ende der Gespräche am 5. Juli vereinbart hatten, warum wurden dann schon in der vergangenen Woche die Voten der Gremien publik?

Aus meiner Sicht ist es so: Es gibt im Erzbistum Hamburg einige Leute, die ein großes Interesse daran haben, den Handlungsspielraum des Erzbischofs einzuschränken. Und die vorher auch versucht haben, die Gremien des Erzbistums in diesem Sinne zu beeinflussen.

Gehört da der Generalvikar, Ansgar Thim, dazu?

Der Generalvikar hat außerordentlich tendenziöse und unfreundliche Schreiben über uns an die Gremien verschickt. Er hat zudem außerordentlich unfreundlich über uns gesprochen. Wir haben seine Schreiben nicht zur Kenntnis erhalten, und wir haben keine Möglichkeit gehabt, dazu Stellung zu nehmen.

Mit der Schulleiterkonferenz hat aber auch mindestens ein Gremium aus dem katholischen Schulwesen „Nein“ zu Ihren Plänen gesagt. Überrascht Sie das?

Ich habe die Gelegenheit gehabt, den Beschluss zu lesen. Nach meiner Wahrnehmung ist ein wesentliches Argument der Schulleiter: Das Erzbistum ist in einer so konfliktbehafteten Situation mit der Schulgenossenschaft, dass sich die Schulleiter mehrheitlich keine vernünftige Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten vorstellen können. Und nach den Äußerungen des Generalvikars ist das wohl nicht einmal unrealistisch.

Das Erzbistum argumentierte immer wieder damit, dass Ihre Finanzierung nicht stünde. Hand aufs Herz: Wie steht es damit?

Wenn man die Finanzierung der Schulen darstellen soll, muss man wissen, worüber man redet. Doch das Erzbistum hat uns bis heute nie gesagt, welche Schulen tatsächlich Genossenschaftsschulen werden könnten. Deshalb haben wir nur ein Modell entwerfen können. Konkreter werden können wir erst, wenn wir auch wissen, um welche Schulen es geht – wir wollen ja keine Renovierungspläne für alle Schulen des Erzbistums entwerfen. Aber die Möglichkeit, über konkrete Schulen nachzudenken, ist uns absichtsvoll versperrt worden.

Wer ist eigentlich die „Hamburger Schulgenossenschaft“? Wieviele Menschen haben den Gründungsaufruf bislang unterzeichnet?

Wir haben ja die Gründung der Genossenschaft abgesagt, weil sie derzeit keinen Sinn macht. So etwas macht nur Sinn, wenn wir wissen, um welche Schulen es geht. Bislang konnten wir deswegen nur um „investierende Mitglieder“ werben, wie es im Genossenschaftsgesetz heißt – also um Menschen, die ganz allgemein katholische Schulen in Hamburg unterstützen wollen.

Das waren so etwa 2000 Leute. Das ist aber noch keine sinnvolle Zahl: Wenn man uns etwa gesagt hätte, dass die Schulen im Hamburger Süden Genossenschaftsschulen werden sollen, hätten wir dort konkret um Mitglieder geworben. Dann wären dort auch viele Eltern und Familien in die Genossenschaft eingetreten.

Gesetzt den Fall, auch der Erzbischof lehnt eine Zusammenarbeit mit Ihnen in dieser Woche ab – haben Sie einen Plan B? Wollen Sie dann irgendwie weitermachen?

Wir haben gesagt, wir wollen in den Gesprächen mit dem Erzbistum eine Lösung bis zum 5. Juli finden. Unsere Initiative hat dann alles, was sie tun konnte, getan. Dann müssen Andere weiter denken. Wenn uns aber Andere bitten, für eine Sache einzutreten, werden wir uns das wieder neu überlegen.

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