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Helgoland seit 125 Jahren wieder deutsch : Der eingetauschte „Hosenknopf“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

1890 wird der Helgoland-Sansibar-Vertrag zwischen Deutschland und England unterzeichnet. Versuch, die Insel zu vernichten, scheitert.

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erstellt am 10.Jun.2015 | 14:00 Uhr

Helgoland | „Die guten Helgoländer werden eine Zeit lang seufzen, sich dann geduldig ins Unvermeidliche fügen und sehr bald gewiss gute deutsche Patrioten werden“, prognostizierte das Pinneberger Wochenblatt, das wie auch diese Zeitung im A. Beig Verlag erschien, am 21. Juni 1890.

Anlass des Berichts war damals, dass Helgoland bald wieder zu Deutschland zählen sollte. Und tatsächlich: Nur wenige Tage nachdem das Wochenblatt erschienen war, wurde in Berlin am 1. Juli 1890 der Helgoland-Sansibar-Vertrag unterzeichnet. Deutschland erhielt die Hochseeinsel und trat dafür Sansibar sowie Witu in Ostafrika an England ab.

Dieses Ereignis ist nun bald 125 Jahre her und rief bei den Deutschen nicht nur Begeisterung hervor: Man habe einen „Anzug“ gegen einen „Hosenknopf“ eingetauscht, hieß es von Spöttern, die Helgoland im Vergleich zu den afrikanischen Gebieten als zu unbedeutend empfanden. Für die Helgoländer selbst änderte sich wenig. Denn ihre Privilegien, dazu gehörte etwa die Befreiung vom Militärdienst sowie der Bestand heimischer Gesetze, blieben zunächst bestehen. Am 1. April 1891 wurde Helgoland in den Landkreis Süderdithmarschen eingegliedert.

In den folgenden Jahren verwandelte sich das Bild der Insel: Das Seebad Helgoland wurde vom deutschen Militär zu einer Seefestung ausgebaut. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde die Bevölkerung der Insel nach Hamburg-Altona und in die Elbvororte gebracht, denn man rechnete damit, dass die Insel das Ziel englischer Angriffe würde. Erst nach Kriegsende durften die Helgoländer zurück. Deutschland musste, so sah es der Friedensvertrag von Versaille vor, die Insel abrüsten.

Helgoland entwickelte sich in der Nachkriegszeit erneut zum Seebad, das insbesondere von Tagestouristen besucht wurde: Mehr als 200.000 Gäste kamen im Jahr 1935 auf die Insel.

Insel übersteht Sprengung

Der Landkreis Süderdithmarschen wurde im Jahr 1932 für kurze Zeit aufgelöst. Dadurch verlor Helgoland seine Zugehörigkeit zu Dithmarschen und wurde am 1. Oktober 1932 in den Kreis Pinneberg eingegliedert, denn von diesem aus ließ sich die Insel gut erreichen – mit dem Zug nach Hamburg und von dort mit dem Schiff.

Während des Zweiten Weltkriegs blieb das erneut aufgerüstete Helgoland weitestgehend verschont. Doch als der Krieg sich im Frühjahr 1945 langsam seinem Ende näherte, begannen die Alliierten, die Hochseeinsel anzugreifen. Kurz nach Kriegsende mussten die Helgoländer die Insel verlassen. Sie kamen größtenteils im Hamburger Umland unter.

Helgoland kam nach Kriegsende unter englische Besatzung. Die Insel sollte ausgelöscht werden. Bereits im Jahr 1946 erhielt der Kreis Pinneberg die Mitteilung, dass die Gemeinde Helgoland rechtlich nicht mehr bestehe. Am Mittag des 17. Aprils 1947 lösten die Briten eine gewaltige nichtnukleare Sprengung der Insel aus, die sie mehrere Monate lang vorbereitet hatten. Wie durch ein Wunder blieb die Insel bestehen, allerdings war sie auch in den Folgejahren immer wieder das Ziel von Bombenangriffen.

Erst am 1. März 1952 wurde Helgoland wieder frei. Der Wiederaufbau der Insel konnte beginnen. Noch im selben Jahr wurde die Hochseeinsel wieder von einem Bäderschiff angefahren. Bis heute lebt Helgoland vom Tourismus, in den ersten neun Monaten 2014 besuchten fast 300.000 Menschen die Insel.

Sie mögen Helgoland? Dann wird Sie auch unsere Multimedia-Reportage über die Seenotretter der DGzRS auf dem "Roten Felsen" interessieren. Sie finden die Reportage unter helgoland.shz.de
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