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Kreis Pinneberg : Der Denkmalschutz kann teuer werden

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Kreisgebiet wird es bald mehr geschützte Immobilien geben. Die Landesbehörde überprüft 1400 Objekte.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Etliche Baudenkmäler stehen im Kreis Pinneberg. Die Drostei in Pinneberg gehört dazu, das Bademeisterhaus im Elmshorner Freibad, die Hummerbuden auf Helgoland. Seit Ende Januar gilt in Schleswig-Holstein ein neues Denkmalschutzgesetz. Es regelt den Schutz von Gebäuden und Landschaftselementen neu – und könnte erhebliche Auswirkungen auf die Eigentümer von Haus und Grund haben. Kernstück der Novelle ist, nicht mehr nach „einfachen“ und „besonderen“ Denkmälern zu unterscheiden.

Im Kreis Pinneberg gab es laut Kreisverwaltung bisher 1400 „einfache Kulturdenkmäler“. Außerdem gibt es 539 Kulturdenkmäler „besonderer Bedeutung“. Die Verwaltung geht davon aus, dass ein Großteil der „einfachen“ zu „besonderen“ Denkmälern wird. Der Unterschied: Eigentümer „einfacher“ Denkmäler konnten sich für die Pflege ihrer Immobilien von der Kreisverwaltung beraten lassen und Fördergeld sowie Steuervergünstigungen in Anspruch nehmen. „Verpflichtungen oder Einschränkungen gab es nicht“, sagt Annelie Fesser von der Unteren Denkmalschutzbehörde. Für „besondere“ Denkmäler dagegen gibt es teils strenge Vorgaben, wenn Eigentümer sie sanieren oder umbauen wollen.Um den Denkmalschutz in Schleswig-Holstein an die Gesetze anderer Bundesländer anzugleichen, ist im Januar die Kategorie „einfach“ weggefallen. Derzeit überprüfen Experten des Landesamts für Denkmalpflege diese Objekte. Sie entscheiden dann, ob die Gebäude zu „besonderen“ Denkmälern werden.

Diese Einstufung könnte für Eigentümer zum Nachteil werden. „Es wird wegen der Schutzvorgaben schwieriger, ein Objekt zu verkaufen. Es verliert an Wert. Und damit wird es für Eigentümer auch schwieriger, an Kredite einer Bank zu kommen“, sagt Hans-Alfred Redmann, Vorsitzender des Haus- und Grundeigentümer-Vereins für Pinneberg und Umgegend (Haus und Grund).

Der „Ostholsteiner Anzeiger“ berichtete über einen Immobilienbesitzer in Neuenbrook (Kreis Steinburg), dem von der Sparkasse ein Kredit verweigert wurde. In der Begründung habe es geheißen, mit der Unterschutzstellung könne sich der Wert der Immobilie verändern. Die Bank könne mit weiteren Kreditmitteln nicht zur Verfügung stehen. Auch die Versicherung teilte demnach mit: „Denkmalgeschützte Gebäude sind bei unserer Gesellschaft ein nicht zu versicherndes Risiko.“ Bianca Boss, Pressesprecherin des Bunds der Versicherten, sagte auf Anfrage der Zeitung, besonders kleine Regionalversicherer seien nicht in der Lage, sich aus dem Denkmalschutz ergebende Risiken zu versichern. Der Wechsel des Anbieters sei oft schwer und mit „happigen Aufschlägen“ verbunden.

Sparkassen-Experte gibt Entwarnung

Guido Marquardt, Immobilienexperte der Sparkasse Südholstein, gibt dagegen Entwarnung: „Mit dem neuen Gesetz haben wir noch keine Erfahrung. Aus der Vergangenheit können wir aber sagen, dass der Denkmalschutz kein großes Problem für die Finanzierung ist.“ Der Schutzstatus könne eine Immobilie auch im Wert steigen lassen. „Es handelt sich oft um optisch attraktive Gebäude und Eigentümer bemühen sich um eine gute Pflege. Auch die Ämter lassen bei den Vorgaben mit sich reden“, sagt Marquardt. „Es gibt viel Verunsicherung, die wir in einer Beratung ausräumen können.“ Wenn der Zustand eines Gebäudes besonders schlecht sei, könne es aber vereinzelt Probleme bei der Finanzierung geben.

Wie viele Immobilien im Kreis Pinneberg tatsächlich von einem „einfachen“ zu einem „besonderen“ Kulturdenkmal werden, kann die Verwaltung nicht abschätzen. „Ich habe noch keine Ergebnisse und das Landesamt hat noch keinen Termin genannt“, sagt Annelie Fesser.

Mit der Gesetzesnovelle kommt eine Menge Arbeit auf die Verwaltung zu. Während sich die Arbeit für „einfache“ Denkmäler auf Beratungen beschränkte, gehe es bei „besonderen“ um deutlich aufwändigere Verwaltungsakte wie Genehmigungen von Bauprojekten. Der Kreis Pinneberg hat mit der Drostei und der Jugendbildungsstätte in Barmstedt selbst zwei denkmalgeschützte Gebäude.

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